Der Umgang mit Wasserstofftankstellen will gelernt sein

13.7.2016

Mit dem »50-Tankstellen-Programm« möchte H2Mobility, ein Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, das Wasserstofftankstellennetz in Deutschland ausbauen. Dieses Vorhaben wird unter anderem vom Bundesverkehrsministerium unterstützt. Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat im Rahmen der Begleitforschung dieses Programms unter anderem untersucht, wie erfahrene und neue Kunden das Wasserstofftanken bewerten. Die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums erstellte Akzeptanzstudie zeigt: Das Tanken von Wasserstoff wird grundsätzlich als sicher und einfach bewertet, für Neukunden ist es aber manchmal eine Herausforderung. Erfahrene Kunden wünschen sich, dass die Technologie schnellere Qualitätssprünge macht. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachmagazin »HZwei« veröffentlicht.

Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte und von der Industrie durchgeführte »50-Tankstellen-Programm« soll helfen, das Netz von Wasserstofftankstellen auszubauen. Das Programm ist Bestandteil des Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP) und wird von der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) koordiniert. In der dazugehörigen Begleitforschung werden neben der Nutzerperspektive auch ökologische, wirtschaftliche, regulatorische und technologische Aspekte für die Errichtung und den Betrieb von Wasserstofftankstellen untersucht.

Zur Untersuchung der Nutzerakzeptanz hat das Projektteam an einer Wasserstofftankstelle in Berlin Betankungstests mit erfahrenen Kunden und unerfahrenen Testkunden durchgeführt. Nach den Tests haben die Teilnehmer ihre Erfahrungen beim Tanken sowie die übergreifende Bewertung der Wasserstofftechnologie in Fokusgruppen besprochen.

Das Tanken von Wasserstoff ist mit dem Tanken von Benzin oder Diesel vergleichbar, dauert jedoch einige Minuten länger. Im Vergleich zum deutlich längeren Aufladen von Elektrofahrzeugen ist die kurze Betankungsdauer jedoch ein wichtiger Vorteil dieser Technologie und wurde auch durch die Teilnehmer positiv bewertet. Die Testkunden befürworteten, dass die Wasserstoffbetankung dem Tanken von Benzin oder Diesel ähnelt, wodurch die Gewöhnung leichtfalle. Da der Wasserstoff mit einem Druck von rund 700 Bar und einer Temperatur von etwa -40 Grad Celsius getankt wird, kühlt die Zapfpistole merklich ab − diese Kälte und das dadurch entstandene Kondenswasser fielen einigen Testpersonen negativ auf. Obwohl leichte technische Probleme auftraten, wurde die Wasserstoffbetankung von den meisten Teilnehmern aber als einfach und unkompliziert wahrgenommen. Die meisten hatten keine Sicherheitsbedenken beim Tanken. Die erfahrenen Kunden sagten zudem aus, dass etwaige Bedenken mit der Zeit verflogen seien.

Zur weiteren Förderung und Verbreitung der Technologie forderten insbesondere die erfahrenen Kunden einen weiteren Ausbau des Tankstellennetzes: Vorrangig sollen Lücken in der Mitte Deutschlands geschlossen werden, um alle Teile des Landes erreichen zu können. Aufgrund des geringen Netzausbaus wird die Technologie bislang als noch nicht alltagstauglich beurteilt. Auch die hohen Fahrzeugpreise stehen einer privaten Anschaffung entgegen.

Uta Schneider, Projektleiterin und Hauptautorin des Artikels, fasst zusammen: »Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Wasserstofftechnologie positiv wahrgenommen wird, auch wenn es in der praktischen Umsetzung noch Herausforderungen gibt. So gilt es, für die weitere Verbreitung der Technologie den Umgang mit der Zapfpistole zu vereinfachen und die technische Zuverlässigkeit der Tankstellen zu verbessern. Insbesondere ungeübte Neukunden können durch technische Probleme verunsichert werden.«

Der Artikel mit den vollständigen Ergebnissen, der in der aktuellen Ausgabe von »HZwei« (http://www.hzwei.info) erschienen ist, kann unter  http://www.isi.fraunhofer.de/content/dam/isi/dokumente/CCE/2016/HZwei_Nr_07_2016-ISI.pdf heruntergeladen werden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.