Auszeichnung für neue Energieeffizienz-Netzwerke

30.9.2015

Bei der Jahreskonferenz der Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke am 29. September 2015 in Berlin tauschten sich rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre Erfahrungen in den Netzwerken und über Perspektiven für weitere Netzwerke aus. Zudem wurden sechs LEEN-Netzwerke ausgezeichnet, die in den vergangenen zwölf Monaten gegründet wurden.

© Projekt LEEN 100 plus/Maelsa

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUB, eröffnete die Jahreskonferenz der Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke.

© Projekt LEEN 100 plus/Maelsa

Die in den vergangenen zwölf Monaten entstandenen sechs LEEN-Netzwerke wurden auf der Jahreskonferenz 2015 ausgezeichnet: MinDir Franzjosef Schafhausen vom BMUB (Mitte) überreichte Teilnahmeurkunden an die Vertreterinnen und Vertreter der Netzwerke.

© Projekt LEEN 100 plus/Maelsa

von links nach rechts: Otto Klatte, Nicole Meier, Marcel Wickart, Mareike Hoffmann und Christian Metzger diskutierten in der von Helmut Sendner moderierten Podiumsdiskussion, wie sich Netzwerke am besten starten lassen.

Die Jahreskonferenz der Lernenden Energieeffizienz-Netzwerke (LEEN-Netzwerke) fand im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) statt. Die vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und von der Stiftung für Ressourceneffizienz und Klimaschutz (STREKS) ausgerichtete Veranstaltung lockte rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, aus der Beratungs- und Bankenwirtschaft sowie aus Politik und Verbänden nach Berlin. Sie informierten sich über den aktuellen Stand der Entwicklung der LEEN-Netzwerke für größere Unternehmen (LEEN-Klassik) und KMU (bezeichnet mit »Mari:e – Mach‘s richtig: energieeffizient«).

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im BMUB, bezeichnete den Standard der LEEN-Netzwerke als Messlatte für neu entstehende Energieeffizienz-Netzwerke, denn die Ergebnisse eines Durchschnittsunternehmens aus den 30 Pilot-Netzwerken seien beachtlich: »Nach drei bis vier Jahren werden etwa 1.000 Tonnen CO2 eingespart und die Energiekosten doppelt so schnell gesenkt wie der Durchschnitt der deutschen Unternehmen. Wenn wir diese Erfahrungswerte auf 500 Netzwerke hochrechnen, können wir bis zum Jahr 2020 fünf Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen. Dies ist ein großer Beitrag zu unseren Klimaschutzzielen«, sagte die Staatssekretärin.

Prof. Dr.-Ing. Eberhard Jochem (Vorstand der Stiftung STREKS) erläuterte, dass das Projekt »LEEN 100 plus« allen sich gründenden Netzwerken ermögliche, die lange getesteten rund 100 Arbeitshilfen und 20 Berechnungs-Tools kostenfrei zu nutzen. Außerdem würden die ersten zehn neuen LEEN-Netzwerke mit jeweils 4.000 Euro pro Teilnehmer bezuschusst – vier davon seien noch für weitere Bewerbungen offen. »Von den LEEN-Netzwerken gehen viele innovative Produkt-, Verfahrens- und Organisationsideen aus«, sagte Jochem. Als Beispiele nannte er hocheffiziente Ventilatoren, ein Energiemess- und Energiemanagementsystem für KMU, Neuerungen bei der Pulverlackierung sowie die Kampagnen »Energie-Scouts« für Azubis und »Energiepartner« für den Produktionsbereich. So würden die LEEN-Netzwerke zu Innovationsbeschleunigern mit vielen Ideen für die Technologieproduzenten.

Stefan Besser, im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie zuständig für die Initiative von Bundesregierung und Wirtschaftsverbänden, 500 Energieeffizienz-Netzwerke bis 2020 zu gründen, berichtete über den Stand dieser Initiative – rund 300 Tage nach ihrer Unterzeichnung: Viele Netzwerke hätten seit Dezember 2014 ihre Arbeit aufgenommen oder befänden sich derzeit in der Gründungsphase. Die an der Netzwerkinitiative beteiligten Verbänden und Kammern arbeiteten aktiv daran, dieses Engagement zu unterstützen und weitere Netzwerke ins Leben zu rufen. Der Mindeststandard zur Anerkennung als Energieeffizienz-Netzwerk sei definiert und die Internetseite der Initiative seit einigen Tagen online. Über die Geschäftsstelle der Initiative würde in den kommenden Wochen entschieden.  

Die in den vergangenen zwölf Monaten entstandenen sechs LEEN-Netzwerke wurden von MinDir Franzjosef Schafhausen (BMUB) ausgezeichnet. Er überreichte Teilnahmeurkunden an Vertreterinnen und Vertreter von sechs Netzwerken, die ihre Arbeit aufgenommen haben:

  • Energieeffizienz- und Klimaschutz-Netzwerk Frankfurt Rhein-Main

  • EnBW Netzwerk Energieeffizienz Schwaben

  • EnergieEffizienz-Netzwerk für Ettlinger Unternehmen

  • EnergieEffizienz-Netzwerk Südwestfalen I

  • Energieeffizienz-Netzwerk der IHK zu Lübeck

  • Energieeffizienz-Netzwerk für Unternehmen in Bayern

In seiner Laudatio lobte Schafhausen die Initiatoren, Netzwerkträger und Unternehmen dafür, dass sie konsequent vom vorgeschriebenen Energieaudit über das Netzwerkziel, den regelmäßigen Erfahrungsaustausch und Betriebsbegehungen bis hin zum jährlichen Monitoring ihre Energiekosten und die Emissionen mit Gewinn senkten. Pro Betrieb und Jahr könnten durch die Netzwerkteilnahme im Durchschnitt 180.000 Euro an Energiekosten eingespart werden. Darüber hinaus unterstütze das Projekt »LEEN 100 plus« die Initiative für 500 Netzwerke mit der kostenfreien Zur-Verfügung-Stellung des LEEN-Managementsystems und mit kostenfreier Beratung bei der Netzwerkgründung.

In der Schweiz, wo die Idee der Energieeffizienz-Netzwerke in den 1980er Jahren entstanden ist, ist ihre Marktdurchdringung – auch bei KMU – schon wesentlich weiter fortgeschritten als in Deutschland. Dr. Armin Eberle von der Energie-Agentur der Wirtschaft berichtete über das Erfolgsgeheimnis: Bei Teilnahme an einem Netzwerk und individueller Zielsetzung gebe es eine Befreiung von der CO2-Abgabe (derzeit 60 Schweizer Franken je Tonne) und von Detailvorschriften der Kantone. Das sei ein Ansporn für die Netzwerkteilnehmer, sich ständig neue Ziele zu setzen – und diese zu erreichen. Gemessen an der Schweiz bestehe in Deutschland ein Potenzial von 25.000 Teilnehmerbetrieben in den großen Netzwerken und der gleichen Anzahl bei KMU.

Wie sich Netzwerke am besten starten lassen, zeigte eine von Helmut Sendner (Zeitschrift Energie & Management) moderierte Podiumsdiskussion: Otto Klatte (EnBW AG), Nicole Meier (IHK Heilbronn-Franken), Marcel Wickart (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich), Christian Metzger (Michelin Reifenwerke AG & Co. KGaA) und Mareike Hoffmann (ÖKOTEC Energiemanagement GmbH) konnten auf Basis ihrer Netzwerkerfahrung den Zuhörern einige Tipps geben: Wichtige Elemente seien eine Info-Veranstaltung mit einer hochgestellten Persönlichkeit der Region und mit dem Energiemanager eines Unternehmens mit längerer Erfahrung in einem Netzwerk, die persönliche Kommunikation mit den Energiemanagern der potenziell teilnehmenden Betriebe sowie die Information der Geschäftsführer oder Inhaber, beispielsweise im Rahmen der jährlichen Gespräche mit der Hausbank oder den Stadtwerken.

Nachmittags widmeten sich zwei parallele Veranstaltungen den Erfahrungen aus der Praxis: In der Session »LEEN-Klassik« informierten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Netzwerke für größere Betriebe mit mehr als 500.000 Euro Energiekosten pro Jahr. Einblicke in die Praxis lieferten Volker Korten (BSH-Hausgeräte GmbH), Prof. Dr.-Ing. Ulrich Wagner (Technische Universität München, Forschungsstelle für Energiewirtschaft) sowie Thomas Wagner (EnBW AG). Die Session »Mari:e/LEEN-Kompakt« bot Informationen für kleinere Betriebe mit bis zu 500.000 Euro Energiekosten pro Jahr. Hier berichteten Nicole Meier (IHK Heilbronn-Franken), Kathrin Ostertag (IHK Lübeck), Rainer Hertel (Interessengemeinschaft Energieeinkauf Lübeck) und Andreas Lahme (Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold) über ihre Erfahrungen und sich öffnende Perspektiven. 

Weitere Informationen und alle Materialien zur Konferenz sind unter www.energie-effizienz-netzwerke.de/een-de/aktuelles/meldungen/veranstaltungen.php zu finden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.