Ergebnisse des Projekts MobilKULT

Worum geht es in MobilKULT?

Im Projekt MobilKULT untersuchen wir Mobilitätsgewohnheiten und deren Veränderungen in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern.

In regelmäßigen Abständen fragen wir rund 2.500 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihrer Meinung zu Infrastrukturen, zu politischen Maßnahmen und zur Automobilitätskultur sowie zu ihren Gewohnheiten. Da es sich jedes Mal um dieselben Personen handelt, können wir so Veränderungen und Zusammenhänge messen.

Die aktuellen Ergebnisse werden fortlaufend auf dieser Seite eingestellt, momentan die der sechsten Welle im Herbst 2025. Die Ergebnisse der vorherigen Wellen sind über das Archiv weiterhin zugänglich.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an das MobilKULT-Projektteam.

Kernaussagen / Verlauf

Hier stellen wir dar, wie sich die Aussagen der Befragten im Laufe der Zeit bis hin zu den kürzlich abgeschlossenen Wellen verändert haben.

Das Archiv der Verlaufsgrafiken gibt einen Überblick zu vorausgegangenen Zeiträumen. 

© Fraunhofer ISI
Die Ergebnisse der sechs bisherigen MobilKULT-Wellen zeigen zunächst leichte Schwankungen, ab der vierten Welle jedoch ein deutlich steigendes Interesse an Elektromobilität. In Welle 6 zeigt sich mehr als ein Drittel der Teilnehmenden interessiert – zusätzlich zu den fünf Prozent, die bereits ein Elektroauto fahren.

Gleichzeitig beobachten wir aber interessanterweise einen Rückgang des Anteils der Personen mit tatsächlicher Kaufintention. In Welle 6 hatten nur noch acht Prozent der Teilnehmenden vor, sich innerhalb der nächsten drei Jahre ein Elektroauto zu kaufen – ein Rückgang um elf Prozentpunkte seit Welle 1.

Wir werden in der nächsten Welle der Studie analysieren, ob der Wert wegen der kürzlich erfolgten Wiedereinführung der Förderung für Elektroautos wieder ansteigt.
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In der fünften Befragungswelle, die im November und Dezember 2024 mit 2.009 Teilnehmenden stattfand, stand die Fahrradmobilität im Fokus.

Viele Menschen fahren bei Hitze seltener Fahrrad – etwa 40 Prozent der Radfahrenden. Dabei gibt es Unterschiede: Wer denkt, mit dem Fahrrad komme man überall hin, nutzt es auch bei Hitze häufiger (42 Prozent dieser Gruppe). Wer hingegen denkt, man komme mit dem Fahrrad nicht überall hin, verzichtet bei hohen Temperaturen eher darauf (47 Prozent dieser Gruppe).
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Dargestellt ist die Zustimmung zu beziehungsweise Ablehnung von ausgewählten verkehrspolitischen Maßnahmen über die bisherigen Wellen hinweg. Die Werte stammen jeweils von denselben Befragten (Längsschnitt-Betrachtung). Die Bewertungen haben sich über die Zeit hinweg wenig verändert. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Befragten höhere Parkgebühren für Anwohnenden- und Gelegenheitsparken sowie eine Zulassungssteuer für Pkw im Verlauf der Zeit immer stärker befürworten.

Auffällig ist, dass die Zustimmung zum Deutschlandticket konstant hoch ist und zuletzt sogar noch etwas gestiegen ist. Das zeigt, dass es nach wie vor ein sehr beliebtes Mittel ist, um den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Auf ähnlich hohe Zustimmungswerte kommt inzwischen der Vorschlag der Abschaffung des Dienstwagenprivilegs. Auch hier ist die Zustimmung unter den Teilnehmenden über die Zeit hinweg leicht angestiegen.

Schließlich gibt es auch einige Maßnahmen, zu denen die Zustimmung insbesondere bis Welle 4 leicht gesunken ist. Dazu zählen Tempo 30 in Städten und der Ausbau von On-Demand-ÖPNV. In Welle 5 steigt die Zustimmung zu diesen Maßnahmen wieder leicht an.

Unsere Ergebnisse spiegeln über alle Wellen hinweg die generelle Tendenz der Befragten, Anreizmaßnahmen positiver zu bewerten als preisliche Maßnahmen.

Überblick

 

Welche Infrastrukturen bestimmen die Mobilität?

 

Welche Gewohnheiten bestimmen die Mobilität?

 

Welche Rolle spielt die Automobilitätskultur?

 

Welche Rolle spielen politische Maßnahmen im Mobilitätsbereich?

Online-Tool, Fokusthema, Archiv und weitere Informationen

Online-Tool

Mit »MobilKULT Visual« steht  ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem interessierte Bürger:innen oder Personen aus Stadtplanung, Verkehrsbetrieben, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und weiteren Institutionen einen Einblick in die Daten erhalten können, die wir im Projekt MobilKULT erheben.

Fokusthema

Wir untersuchen im Verlauf des Projekts unterschiedliche Fokusthemen.

In Welle 6 ist es die Akzeptanz alternativer Antriebe im Verkehr.

Welche Infrastrukturen bestimmen die Mobilität?

Infrastrukturen haben einen wichtigen Einfluss, welche Verkehrsmittel den Menschen zur Verfügung stehen – und ob oder wie sie diese nutzen können. Mit Infrastrukturen meinen wir nicht nur rein materielle Infrastrukturen wie Straßen oder Internetverbindungen, sondern auch soziale Infrastrukturen wie die Versorgung mit und Zugänglichkeit von gewissen Dienstleistungen. Je nachdem, wie verfügbar Infrastrukturen sind, können Menschen mit mehr oder weniger Aufwand ihre individuellen Bedürfnisse befriedigen. 

Deshalb interessiert uns in dieser Studie, ob die Menschen eher in städtischen, vorstädtischen oder ländlichen Regionen leben und auf welche Verkehrsmittel sie in ihrem Alltag typischerweise zurückgreifen. 

Im Laufe der Studie werden wir dabei immer genauer Einblick erhalten, inwiefern solche regionalen Strukturen mit Entscheidungen, Vorstellungen und Einstellungen zur (Auto-)Mobilität zusammenhängen.

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Wohnort der Befragten

So setzt sich unsere Stichprobe zusammen:

Die Zahl der Teilnehmenden aus Baden-Württemberg ist auch in der sechsten Welle, die im Oktober 2025 stattfand, höher als die Zahl der Befragten aus Mecklenburg-Vorpommern. Dadurch bilden wir die unterschiedliche Bevölkerungsgröße der beiden Bundesländer teilweise ab: In Baden-Württemberg leben etwa siebenmal mehr Menschen als in Mecklenburg-Vorpommern. 47 Prozent der Teilnehmenden aus Mecklenburg-Vorpommern wohnen in ländlichen Gebieten, während in Baden-Württemberg die Hälfte der Teilnehmenden in vorstädtischen und ein gutes Drittel in städtischen Gebieten wohnt.

Das heißt: Die Lebensräume der Befragten unterscheiden sich. Uns interessiert, inwiefern diese verschiedenen Voraussetzungen etwas damit zu tun haben, wie Menschen mobil sind, welche Einstellungen die Personen haben, was sie prägt und wie veränderungsbereit sie hinsichtlich ihrer Mobilitätsgewohnheiten sind.

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Strukturregionen und Nutzungsintensität des Autos

Wie bewegen sich die Menschen je nach Wohnregion fort?​

Wir wollen wissen, wie der Wohnort mit der Autonutzung zusammenhängt. Um diese Frage zu beantworten, haben wir die Teilnehmenden aus drei unterschiedlichen Regionstypen – Land, Vorstadt und Stadt – in Viel- und Wenigfahrende aufgeteilt. Vielfahrende nutzen das Auto für mindestens 90 Prozent ihrer wöchentlichen Wege, Wenigfahrende für höchstens 10 Prozent.​

Wie schon in den vorherigen Wellen zeigt sich, dass auf dem Land und in den Vorstädten mehr Menschen Vielfahrende sind. In der Stadt hingegen ist der Anteil der Personen, die wenig mit dem Auto unterwegs sind, größer. Diese Ergebnisse zeigen, dass sich die Unterschiede in den Infrastrukturen auf die Verkehrsmittelwahl auswirken. 

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Durchschnittliche Verkehrsmittelnutzung nach Wohnregion

Das Auto bleibt Verkehrsmittel Nummer eins – egal ob Stadt oder Land. Vor allem in Städten werden Wege aber häufiger mit nachhaltigeren Verkehrsmitteln zurückgelegt.

Auf dem Land und in den Vorstädten dominiert das Auto mit 56 beziehungsweise 50 Prozent der Wegeanteile. Im Vergleich zu den vorherigen Wellen sehen wir hier einen Rückgang um bis zu 10 Prozentpunkte. Danach folgt in diesen Regionstypen die Fußmobilität mit jeweils 28 Prozent der Wegeanteile. Alle anderen Fortbewegungsmöglichkeiten haben jeweils einen Anteil von weniger als 10 Prozent der Wege. 

Auch in den Städten liegt der Wegeanteil mit dem Auto bei 34 Prozent, wenngleich Fußmobilität, ÖPNV und auch Radmobilität jeweils einen deutlich höheren Anteil als in den anderen Regionstypen haben und die Menschen durchschnittlich multimodaler – also mit verschiedenen Verkehrsmitteln – unterwegs sind.

Unsere Daten zeigen ähnliche Trends wie die Ergebnisse der Studie Mobilität in Deutschland. Grundsätzlich gilt: je ländlicher, desto stärker der motorisierte Individualverkehr. Dass wir in unserer Studie insgesamt etwas stärker alternative Verkehrsmittel vertreten sehen als in der Studie Mobilität in Deutschland, hängt vermutlich mit den unterschiedlichen Studiendesigns zusammen.

Welche Gewohnheiten bestimmen die Mobilität?

Gewohnheiten beschreiben typisches Verhalten: Welche Verkehrsmittel nutzen die Befragten normalerweise, um ihren Alltag zu bewältigen oder auch in den Urlaub zu fahren? Warum fahren manche eher mit dem Auto, andere mit dem Rad, um einen Ausflug zu machen? Wann ändern sich diese Gewohnheiten möglicherweise?

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Wie wollen sich Vielfahrende in Zukunft fortbewegen?

Die Vielfahrenden in Welle 6 sind – wie auch schon in voran gegangenen Wellen – nur teilweise dazu bereit, auf nachhaltigere Verkehrsmittel umzusteigen.

Bis zu 28 Prozent der Vielfahrenden in Welle 6 zeigen sich wechselbereit: Sie wollen in Zukunft mehr zu Fuß oder mit dem Rad mobil sein. Dies bedeutet für die Radmobilität einen Anstieg der Wechselbereiten um vier Prozentpunkte im Vergleich zur Welle 5, jedoch einen Rückgang um sieben Prozentpunkte im Vergleich zur Welle 4. Hier zeigen sich also Schwankungen zwischen den Wellen.

Auch der Anteil der Wechselwilligen bei ÖPNV und Fernverkehr ist um vier beziehungsweise einen Prozentpunkt gesunken. Bei der Fußmobilität ist der Anteil der Wechselbereiten im Vergleich zu den vorherigen Wellen in etwa gleich geblieben.

Die meisten Vielfahrenden geben auch dieses Mal an, ihr Verhalten nicht anpassen zu können oder zu wollen.

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Wie wollen sich Vielfahrende in Zukunft fortbewegen? (Aufteilung nach Wohnort)

Unterscheidet sich die Wechselbereitschaft nach Region?

Tendenziell gibt es einen höheren Anteil an Menschen aus vorstädtischen und ländlichen als aus städtischen Regionen, die gerne mehr mit dem Rad oder zu Fuß mobil wären. Beim ÖPNV und dem Fernverkehr gibt es kaum Unterschiede zwischen den Regionen. Die Region entscheidet also nicht grundsätzlich darüber, ob Personen mehr oder weniger bereit sind, auf nachhaltigere Verkehrsmittel umzusteigen.

Interessant ist, dass in ländlichen Regionen bis zu 32 Prozent der Vielfahrenden beabsichtigen, in Zukunft nachhaltiger mobil zu sein. Das ist ein Anstieg um 6 Prozentpunkte im Vergleich zu Welle 4 und zeigt, dass der Wunsch nach nachhaltiger Mobilität kein rein städtisches Phänomen ist.

Insbesondere beim ÖPNV (in allen Regionen) und bei der Radmobilität (in vorstädtischen Regionen) beobachten wir einen Rückgang des Anteils der Wechselbereiten (bis zu 14 Prozentpunkte im Vergleich zur Welle 4). 

Welche Rolle spielt die Automobilitätskultur?

Mobilitätskultur ergibt sich aus zahlreichen Faktoren – etwa den Gewohnheiten vieler Menschen, den vorhandenen Infrastrukturen sowie der Geschichte – aber auch unseren gesellschaftlich geprägten und gewachsenen Wünschen und Erwartungen. Kultur beeinflusst, welche Entscheidungen wir treffen und was wir bei einer Entscheidung überhaupt in Betracht ziehen. Durch unsere Entscheidungen halten wir die Kultur am Leben – oder wir verändern sie. ​

In Deutschland beobachten wir eine Mobilitätskultur, die stark auf das Auto ausgerichtet ist. Wir nennen das Automobilitätskultur. Diese Ausrichtung am Auto beeinflusst alle Infrastrukturen und damit auch unser Leben als Ganzes. In unserer Studie betrachten wir sieben Faktoren, durch die sich Automobilitätskultur auf persönlicher Ebene ausdrückt. Dabei greifen wir negative und positive Aspekte des Autofahrens auf.

Hierzu zählen:​

  1. Identifikation mit dem Auto: Was zeigt man dadurch, dass man ein Auto besitzt? Sagt es etwas über die Person aus?
  2. ​Sozialer Druck zu nachhaltiger Mobilität: Wie stehen Freund:innen und Familie zum Thema Autofahren?​
  3. Bewusstsein für die negativen Umweltauswirkungen des Autofahrens: Inwiefern tragen Autos zum Klimawandel und zur Luftverschmutzung bei?​
  4. Abneigung gegen das Autofahren: Ist Autofahren mit Stress verbunden?​
  5. Positive Gefühle beim Autofahren: Bedeutet Autofahren, frei zu sein?​
  6. Gewünschte Wohnsituation: Wie möchten die Menschen am liebsten leben – im eigenen Einfamilienhaus?​
  7. Abhängigkeit vom Auto: Ist es für den eigenen Alltag notwendig, ein Auto zu besitzen und zu fahren?
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Wahrgenommene Autoabhängigkeit (Aufteilung nach Wegen)

Positive Einstellungen gegenüber dem Auto einerseits – wahrgenommene Abhängigkeit andererseits.

Vielfahrende nehmen eine stärkere Abhängigkeit vom Auto wahr, haben einen stärkeren Wunsch, in einem Eigenheim außerhalb des Stadtzentrums zu leben, verbinden mehr positive Gefühle mit dem Autofahren und identifizieren sich stärker mit ihrem Auto als Wenigfahrende. Dies deckt sich mit den Ergebnissen der vergangenen Wellen. 

Auf der anderen Seite leben Wenigfahrende eher in einem Umfeld, dass alternative Verkehrsmittel nutzt, und sie empfinden eine höhere Abneigung gegen das Autofahren sowie ein stärkeres Bewusstsein für die negativen Umweltauswirkungen des Autofahrens. Auch diese Tendenzen decken sich mit den vergangenen Wellen.

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Wahrgenommene Autoabhängigkeit (Aufteilung nach Wohnort)

Je ländlicher, desto stärker ist die Abhängigkeit vom Auto. ​Je städtischer, desto höher das Bewusstsein für Umweltauswirkungen und Alternativen.​

Personen in ländlichen Gebieten empfinden die stärkste Abhängigkeit vom Auto. Sie identifizieren sich aber genauso wenig mit dem Auto wie die Personen aus Stadt und Vorstadt.

Personen in städtischen Gebieten empfinden den stärksten sozialen Druck, nachhaltige Verkehrsmittel zu nutzen, sowie die stärkste Abneigung gegen das Autofahren. Zudem zeigen sie das größte Bewusstsein für die negativen Umweltauswirkungen des Autofahrens.​ Diese Ergebnisse finden wir konsistent in allen bisherigen Wellen.

Hierfür sind verschiedene Ursachen denkbar. Trägt beispielsweise eine geringere wahrgenommene Abhängigkeit vom Auto dazu bei, dass man das Auto negativer bewertet – oder möchte man lieber in einer Stadt leben, weil man Autos negativ bewertet und sich dort unabhängiger davon fühlt? 

Welche Rolle spielen politische Maßnahmen im Mobilitätsbereich?

Politische Maßnahmen und Instrumente bilden einen Rahmen, in dem sich Infrastrukturen, Gewohnheiten und Mobilitätskulturen prägen, etablieren oder verändern können. Sie sind selbst Ausdruck und Teil der aktuellen Mobilitätskultur. Wir betrachten sie deshalb als Schlüssel für das Verständnis der Mobilität von heute und für Veränderungen für die Mobilität von morgen. ​

Politische Maßnahmen zur Mobilitätswende können im Allgemeinen in Pflicht- und Anreiz- beziehungsweise preisliche Maßnahmen unterschieden werden: Pflicht-Maßnahmen zielen darauf ab, Veränderungen wie eine geringere Autonutzung durch Eingrenzung oder Regelungen zu fördern, zum Beispiel durch Tempo-30-Zonen in Innenstädten. Anreiz- beziehungsweise preisliche Maßnahmen hingegen sollen durch Verbesserung und Attraktivitätssteigerung, sowie einer veränderten Preisgestaltung zu einer erhöhten Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel führen. Uns interessiert, wie unsere Befragten zu aktuell diskutierten  Maßnahmen im Mobilitätsbereich stehen und welche Merkmale hinsichtlich Infrastruktur, Gewohnheiten und (Auto-)Mobilitätskultur für eine Zustimmung oder Ablehnung entscheidend sind. 

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Bewertung politischer Maßnahmen / Förderung Elektromobilität

Die Hälfte der untersuchten politischen Maßnahmen wird eher befürwortet – ein klares »Ja!« zum Deutschlandticket.

Das Deutschlandticket ist nach wie vor mit sehr großem Abstand die beliebteste Maßnahme. Weiterhin befürworten die Befragten die Abschaffung der Steuervorteile für Dienstwagen, ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen, sowie die Wiedereinführung des Umweltbonus, ein Social Leasing Modell und Steuererleichterungen für Unternehmen durch Sonderabschreibungen für Elektrofahrzeuge.

Auf der anderen Seite lehnen die Befragten autofreie Innenstädte, ein generelles Tempolimit von 30 km/h innerorts, die Einführung einer CO2-gebundenen Zulassungssteuer für Fahrzeuge, höhere Parkplatzpreise sowie das geplante EU-weite Verkaufsverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2035 eher ab.

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Bewertung politischer Maßnahmen / Interesse an Elektromobilität

Personen mit Interesse an Elektroautos stehen politischen Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität deutlich positiver gegenüber.

Es zeigt sich zusätzlich, dass alle fünf untersuchten Maßnahmen von Personen ohne Interesse an Elektromobilität im Durchschnitt eher abgelehnt werden, während drei der fünf Maßnahmen von an Elektromobilität interessierten Personen im Durchschnitt deutlich unterstützt werden. Auch die Einführung einer CO2-gebundenen Zulassungssteuer für Pkw und das EU-Verkaufsverbot für neue Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wird von interessierten Personen zwar eher abgelehnt, aber mit einem Durchschnitt knapp unterhalb des Skalenmittelpunktes (3).

Fokusthema: Akzeptanz alternativer Antriebe im Verkehr

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Abbildung A: Entwicklung des Automobilsektors bis 2035
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Abbildung B: ein alternativer Antrieb im Automobilsektor bis 2035
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Abbildung C: mehrere alternative Antriebe im Automobilsektor bis 2035

Unsicherheit über die Zukunft des motorisierten Individualverkehrs

Wir haben uns die längerfristige Entwicklung zur Akzeptanz alternativer Antriebe angeschaut. Dafür haben wir eine Studie des Fraunhofer ISI aus dem Jahr 2020 (repräsentativ für deutsche Städte mit mehr als 100.000 Einwohner:innen, N = 1.727, Scherrer, 2023) mit den MobilKULT-Daten aus Welle 2 und Welle 6 verglichen.

Der Anteil der Befragten, die denken, dass sich ein alternativer Antrieb gegen alle anderen Pkw-Antriebe durchsetzen werde, ist seit 2020 um 4 Prozentpunkte auf 11 Prozent zurückgegangen. Auch die Ansicht, dass mehrere alternative Antriebe parallel verfügbar sein werden, ist in diesem Zeitraum stark gesunken – von 48 Prozent im Jahr 2020 auf nun 35 Prozent. 29 Prozent der Befragten gehen in Welle 6 davon aus, dass sich alternative Antriebe nicht gegen Antriebe mit fossilem Benzin und Diesel durchsetzen werden – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte seit 2020. Unsicherheit bezüglich der zukünftigen Entwicklung des Automobilsektors liegt wie in Welle 2 bei einem Viertel der Befragten vor – ein Anstieg um neun Prozentpunkte seit 2020 (vgl. Abbildung A).

60 Prozent derjenigen, die davon ausgehen, dass sich ein alternativer Antrieb gegen alle anderen durchsetzt, glauben, dass dies der Elektroantrieb sein wird – dies wiederum entspricht einem starken Anstieg von insgesamt 23 Prozentpunkten seit 2020. An die Wasserstoff-Brennstoffzelle als alleinigen Antrieb glauben in Welle 6 nur noch 13 Prozent dieser Gruppe – also ein Rückgang um 16 Prozentpunkte seit 2020. Auch die Meinung, es werden mehrere alternative Pkw-Antriebe verfügbar sein, wird in Welle 6 von weniger Menschen vertreten im Vergleich zu 2020 (Rückgang um 13 Prozentpunkte) (vgl. Abbildung B).

Von den 35 Prozent, die denken, dass sich mehrere Antriebe durchsetzen werden, erwarten mehr als drei Viertel, dass synthetische und Biokraftstoffe die Zukunft des Automobilsektors mitbestimmen werden. 72 Prozent sehen zudem eine wichtige Rolle für batterieelektrische Antriebe, und 64 Prozent erwarten eine zunehmende Relevanz von Antrieben mit Wasserstoff-Brennstoffzelle (vgl. Abbildung C).

Aus diesen Zahlen wird insgesamt sichtbar: Die Unsicherheit bezüglich der Zukunft des Automobilsektors ist gewachsen, und die Ansicht, dass sich alternative Antriebe nicht gegen fossile Kraftstoffe durchsetzen werden, ist populärer geworden.

Näheres dazu lesen Sie im Blogbeitrag

Verlaufsgrafiken

Hier stellen wir dar, wie sich die Aussagen der Befragten im Laufe der Zeit verändert haben.

Die Ergebnisse mit Einbezug der kürzlich abgeschlossenen Wellen sind bei den aktuellen Kernaussagen zu finden.

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Dargestellt ist, welchen Wegeanteil die Teilnehmenden in einer typischen Woche mit verschiedenen Verkehrsmitteln zurückgelegt haben. Die Darstellung zeigt das Nutzungsverhalten von zwei Personengruppen: ​

1. Personen, die das Deutschlandticket in den Befragungswellen 2 bis 4 besaßen (N=119). Zum Zeitpunkt der ersten Befragungswelle war das Ticket noch nicht erhältlich.​

2. Personen, die das Deutschlandticket nicht besaßen (N=673). ​

In Blau sind die Ergebnisse der Befragungen während der Wintermonate dargestellt. Die grünen und gelben Balken zeigt die Aufteilung der Verkehrsmittelwahl während der Sommermonate. ​

Man kann erkennen, dass Menschen mit dem Deutschlandticket ihr Auto mit Verbrennungsmotor seit der Einführung des Tickets deutlich weniger genutzt haben – zuletzt jedoch wieder etwas mehr. Komplementär dazu nutzen die Personen den ÖPNV in den Wellen 2 bis 4 im Vergleich zur Welle 1 deutlich mehr.​ Die Nutzung der Verkehrsmittel bei Personen, die zu keinem Zeitpunkt ein Deutschlandticket hatten, blieb konstant: Selbst zwischen den Sommer- und Wintermonaten gab es kaum oder nur sehr geringe Veränderungen in der Wahl der Verkehrsmittel in dieser Gruppe.​

Das lässt darauf schließen, dass die ÖPNV-Nutzung durch das Deutschlandticket langfristig stabil bleibt. Menschen mit Deutschlandticket haben ein nachhaltigeres Verkehrsverhalten als Menschen ohne Deutschlandticket.
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Dargestellt ist die Ausprägung der sieben Teilbereiche von Mobilitätskultur, wie sie in MobilKULT erfasst werden. Die Abbildung zeigt die Antworten der Befragten, die an allen vier bisherigen Wellen teilgenommen haben (N=645).

Hierbei zeigt sich ein bemerkenswert stabiles Bild: Bei allen untersuchten Teilbereichen liegen die Abweichungen über die Zeit im minimalen und eher zufälligen Bereich. In den zwei zurückliegenden MobilKULT-Jahren hat sich an den eher kulturell bedingten Faktoren zur Automobilität im Durchschnitt nichts verändert. Die Identifikation mit dem Auto und das Erleben negativer Gefühle beim Autofahren ist konstant niedrig ausgeprägt.

Die anderen Teilbereiche – das Eigenheim als gewünschte Wohnsituation, das Erleben positiver Gefühle beim Autofahren, die wahrgenommene Autoabhängigkeit, das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen des Autofahrens und der soziale Druck zu nachhaltiger Mobilität – sind etwas höher ausgeprägt.

Fragen und Antworten

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    In einer Panelstudie befragen wir dieselben Personen in regelmäßigen Abständen zu denselben oder ähnlichen Themen. Dies ermöglicht uns, Aussagen darüber treffen zu können, wie sich die Ansichten einzelner Personen über die Zeit verändern. Durch solche wiederholten Befragungen lässt sich auch besser herausfinden, was Veränderungen verursacht: Was sind die Auslöser für Änderungen und wie entwickeln sich diese über die Zeit?

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    Unser Mobilitätsverhalten ist durch Gewohnheiten bestimmt. Diese erleichtern unseren Alltag – so entscheiden wir nicht täglich neu, wie wir zur Arbeit gelangen können, sondern haben uns einmal entschieden und bleiben dabei.  Insofern können Gewohnheiten aber auch eine Barriere für Veränderungen sein – nicht nur bei Mobilität, sondern beispielsweise auch bei der Ernährung und in weiteren Bereichen. Sie sind meist schwierig zu verändern. Indem wir sie erfassen, können wir ihren Einfluss gezielt analysieren und untersuchen, wie sie sich verändern. 

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    Das Fraunhofer ISI und das Verbundprojekt KAMO, in dessen Rahmen diese Studie angesiedelt ist, befinden sich in Baden-Württemberg. Insofern wissen wir aus anderen Studien schon viel über die Region. Mit Mecklenburg-Vorpommern haben wir eine weitere Region ausgesucht, die sich strukturell unterscheidet, weil wir uns davon neue Einsichten versprechen. So leben in Baden-Württemberg sehr viel mehr Menschen in Städten, während Mecklenburg-Vorpommern ländlich geprägt ist. Auch die Anbindung an den ÖPNV ist für die meisten Menschen in Baden-Württemberg besser als in Mecklenburg-Vorpommern. Hingegen weist Mecklenburg-Vorpommern vielerorts eine bessere Fahrradinfrastruktur auf.

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    Unsere Stichprobe repräsentiert die Bevölkerung in Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern in Bezug auf die Verteilung der Altersgruppen, der Geschlechter sowie der Regierungsbezirke (BW) bzw. Landkreise (MV). Indem zwei Drittel unserer Stichprobe aus Baden-Württemberg und ein Drittel aus Mecklenburg-Vorpommern kommen, tragen wir den unterschiedlichen Bevölkerungszahlen der beiden Bundesländer Rechnung. Die Teilnehmenden wurden über die Datenbank eines Marktforschungsinstituts kontaktiert und nahmen online an der Befragung teil. 

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    Wir haben eine Mischung angestrebt zwischen Maßnahmen, die sich bereits in der Umsetzung befinden (z. B. Deutschlandticket, Förderung des Aufbaus von Ladeinfrastruktur), Maßnahmen, die in der öffentlichen Debatte sehr präsent sind (z. B. Tempolimit, Abschaffung des Dienstwagenprivilegs) und weiteren Maßnahmen, die einen bedeutsamen Beitrag zur Förderung nachhaltiger Mobilität erzielen würden (z. B. autofreie Innenstädte, Inlandsflugverbot).

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    In den nächsten Befragungswellen interessiert uns weiterhin die Zustimmung zu oder Ablehnung von wichtigen politischen Maßnahmen. Außerdem widmen wir uns dem Fokusthema Radmobilität.

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    Auf dieser Seite sind immer die Ergebnisse der aktuell ausgewerteten Befragungswelle zu finden. Die Zahlen der vorherigen Wellen sind im Archiv zu finden und erlauben einen Gesamtüberblick über die im Projekt MobilKULT erhobenen Daten.

  • MobilKULT ist Teil von KAMO – High Performance Center / Profilregion (früher Profilregion Mobilitätssysteme Karlsruhe). KAMO ist die zentrale Anlaufstelle in Karlsruhe für innovative Mobilitätslösungen für überregionale und internationale Akteure aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Das Karlsruhe Mobility Leistungszentrum steht für die interdisziplinäre Entwicklung und Begleitung zukunftsweisender Mobilitäts- und Logistiklösungen. Seit 2016 arbeiten hier Karlsruher Institutionen aus Forschung, Entwicklung und Lehre im Bereich Mobilität und Logistik zusammen und decken dabei alle Innovationsstufen und Entwicklungen im Mobilitätsbereich ab.​

    Dabei interessiert auch der gesellschaftliche Blick auf Veränderungen im Mobilitätsbereich. Dazu wurde nun aktuell eine Studie entwickelt, gesellschaftliche Entwicklungen im Mobilitätsbereich zu beobachten. Zu diesen wollen wir auch mit der Öffentlichkeit sowie unseren zahlreichen Kooperationspartner:innen in den Bereichen Mobilität und Logistik in Dialog treten.

Wir sind das Team von MobilKULT

Josephine Tröger

Contact Press / Media

Dr. Josephine Tröger

Projektleitung

Telefon +49 721 6809-594

Marvin Helferich

Contact Press / Media

Marvin Helferich

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Telefon +49 721 6809-368

Elisabeth Dütschke

Contact Press / Media

Dr. Elisabeth Dütschke

Leiterin der Abteilung Energiepolitik und Energiemärkte

Telefon +49 721 6809-159