Auf dem Weg zur Elektromobilität – doch die Verunsicherung bleibt

von Josephine Tröger, Marvin Helferich, Aline Scherrer und Elisabeth Dütschke /

Elektromobilität ist längst auf unseren Straßen sichtbar und nach Einschätzung von großen Teilen der Wissenschaft der Antrieb der Zukunft – doch in der öffentlichen Wahrnehmung stößt sie auf gemischte Reaktionen. Fragt man Menschen, welche Zukunft unterschiedliche Antriebsarten für Pkw haben, zeigt sich vor allem Unsicherheit – und das, obwohl politische Fördermaßnahmen für Elektromobilität mehrheitlich positiv bewertet werden und zuletzt auch das Interesse an Elektroautos wieder zugenommen hat.

Am Fraunhofer ISI befragen wir im Rahmen der Panelstudie »MobilKULT« regelmäßig Bürger:innen zu ausgewählten mobilitätspolitischen Maßnahmen. Die Teilnehmenden wählen wir repräsentativ aus zwei Bundesländern aus: Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg.

Im Herbst 2025 haben wir die sechste Erhebungswelle durchgeführt. Im Fokus stand diesmal die Frage, welche Rolle unterschiedliche Antriebe im Autoverkehr aus Sicht der Befragten in Zukunft spielen können. Hintergrund der Fragestellung waren die derzeit wieder intensiv geführten Debatten über die Zukunft der Mobilität und die Rolle des Verbrenners. Neben batterieelektrischen Antrieben werden auch alternative Energieträger wie Wasserstoff oder E-Fuels öffentlich diskutiert. Die Auseinandersetzungen sind teils hart und emotional – Stichwort »Verbrenneraus«.

Doch welche Rolle können Alternativen zum klassischen Verbrennungsmotor künftig spielen? Worauf sollte die Politik setzen und was gilt aus Sicht der Bürger:innen als »richtiger« Weg? Im Folgenden stellen wir ausgewählte Ergebnisse zu diesen Fragen aus unserer MobilKULT-Studie vor.

Politikmaßnahmen für Elektroautos werden meist unterstützt – Maßnahmen gegen Verbrenner eher nicht

In unseren Befragungen wird ein klarer Trend deutlich: Viele Menschen befürworten Maßnahmen, die die Mobilitätswende hin zu elektrischer Mobilität fördern können. Dazu zählen zum Beispiel eine Kaufprämie für Elektrofahrzeuge und auch deren einkommensabhängige Staffelung. Genauso bewerten die Befragten auch Steuererleichterungen für Unternehmen durch Sonderabschreibungen für Elektroautos im Durchschnitt positiv.

Bei den Maßnahmen, die darauf abzielen, die Nutzung von Verbrennerfahrzeugen unmittelbar zu begrenzen, gibt es jedoch überwiegend Ablehnung in der Bevölkerung – zum Beispiel gegenüber einer CO2-gebundenen Zulassungssteuer. Auch ist eine Mehrheit gegen das »Verbrenneraus« (siehe auch Artikel »Klimapolitik in der Krise? Mix aus harten und weichen politischen Maßnahmen als Schlüssel zu gesellschaftlicher Akzeptanz in der Energiewende«). 

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Abbildung 1: Vergleich der Zustimmung zu Mobilitätspolitiken für Elektromobilität zwischen Elektroautointeressierten und Nicht-Elektroautointeressierten.

Bei unserer Analyse fällt auf, dass diejenigen, die grundsätzlich Interesse an E-Mobilität haben (36 Prozent der Teilnehmenden der MobilKULT-Welle 6), allen untersuchten Maßnahmen stärker zustimmen – auch dem »Verbrenneraus« (siehe Abbildung 1).

Doch eine knappe Mehrheit (51 Prozent der MobilKULT-Welle 6) interessiert sich aktuell nicht für Elektromobilität – und ist auch bei allen Maßnahmen skeptischer. Für die Automobilbranche und die Politik ist es damit zentral herauszufinden, was die Gründe für das unterschiedliche Interesse an Elektromobilität sind (siehe auch Policy Brief »Mit Verbrennerausstieg in die Zukunft: Empfehlungen zur Stärkung der europäischen Automobilindustrie«). 

Unsicherheiten über die Antriebstechnologien von morgen

Eine mögliche Erklärung dafür, warum die Elektromobilität in Teilen der Gesellschaft noch immer auf wenig Interesse stößt: Die wechselnde politische und öffentliche Debatte verunsichert die Menschen.

Im März 2023 wurde auf EU-Ebene beschlossen, dass ab dem Jahr 2035 keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden dürfen. Politisch wird aktuell jedoch eine Abschwächung diskutiert – statt einer 100-prozentigen Emissionsreduktion bei den Neuzulassungen ab 2035 soll es genügen, lediglich 90 Prozent Emissionsreduktion zu erreichen (was in etwa einem Ausstoß von durchschnittlich 11 Gramm CO2 pro Kilometer entsprechen würde).

Zum Thema alternative Kraftstoffe und insbesondere zu sogenannten E-Fuels werden immer wieder unterschiedliche Aussagen in den Medien geteilt, inwieweit diese den Bedarf des Autoverkehrs in diesem Jahrhundert wirtschaftlich sinnvoll und technisch machbar überhaupt decken können (vgl. Tagesschau-Beitrag vom 30. Januar 2026 sowie Blogbeitrag zum Thema E-Fuels). 

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Abbildung 2: Vorstellungen über die Zukunft des Automobilsektors: Welche Antriebe werden sich durchsetzen?

In den MobilKULT-Wellen im Sommer 2023 und Herbst 2025 haben wir daher nach den Zukunftserwartungen für den Automobilsektor und für alternative Antriebe bis 2035 gefragt (vgl. Abbildung2). Die Ergebnisse haben wir mit einer früheren Studie des Fraunhofer ISI aus dem Sommer 2020 verglichen.

Im Verlauf über die Zeit zeigt sich eine steigende Verunsicherung darüber, welche alternativen Antriebe langfristig eine zentrale Rolle spielen könnten – und das, obwohl inzwischen sehr viel mehr Elektrofahrzeuge auf dem Markt und auf den Straßen unterwegs sind. Aktuell gehen 29 Prozent der Befragten davon aus, dass sich alternative Antriebe nicht gegen Benzin- oder Diesel-Pkw durchsetzen können – ein Anstieg von sieben Prozentpunkten im Vergleich zu 2020. Insgesamt 46 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich entweder ein oder mehrere alternative Antriebe bis 2035 durchsetzen. Ein Viertel möchte oder kann sich heute nicht (mehr) festlegen, wie die Entwicklung sein wird.

Bei der Frage danach, welche Antriebe vorn liegen, gibt es verschiedene Einschätzungen: Lediglich 11 Prozent denken, dass sich ein einziger alternativer Antrieb durchsetzt – dabei gehen die meisten von Elektroautos aus (etwa 60 Prozent). Etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) erwartet jedoch, dass mehrere Alternativen parallel verfügbar sind und Verbrennerfahrzeuge ablösen. Eine Option ist dabei in der Regel Elektromobilität – aber auch Wasserstoff und E-Fuels sehen viele Befragten als wahrscheinlich an und erwarten diese Kombination für 2035.

Das ist insofern überraschend, als dass rund eine halbe Million Elektrofahrzeuge 2025 neu zugelassen wurden und heute damit bereits über 1,9 Millionen Elektrofahrzeuge auf den Straßen Deutschlands unterwegs sind, aber weniger als 2.000 Wasserstofffahrzeuge. Zudem weisen Expert:innen immer wieder darauf hin, dass die Herstellung von E-Fuels deutlich teurer und weniger effizient ist als die direkte Nutzung von Strom für Elektromobilität (siehe Wietschel et al. 2023 sowie Kaya & Wisbert 2025).

Quo vadis Elektromobilität?

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Abbildung 3: Verteilung der verschiedenen Adoptergruppen im Zeitverlauf der MobilKULT-Erhebungen.

Es zeigt sich: Elektromobilität steht in Deutschland weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Sie hat großes Potenzial, den Verkehr klimafreundlicher zu machen und die Industrie in Deutschland und Europa zu stärken. Verlässliche Rahmenbedingungen, klare Zielbilder und nachvollziehbare Maßnahmen können das Vertrauen in die Mobilitätswende und auch in die Elektromobilität erhöhen. 

Die Ergebnisse aus der aktuellen MobilKULT-Welle zeigen im Vergleich zu den Vorjahren die Verunsicherung hinsichtlich der zukünftigen Verfügbarkeit alternativer Antriebe auf. Dem entgegenzustellen ist, dass kürzlich zumindest ein Anstieg im allgemeinen Interesse der Teilnehmenden unserer MobilKULT-Studie an Elektromobilität zu verzeichnen ist (siehe Abbildung 3).

Die Kaufintention ist jedoch weiterhin gering. Möglicherweise kann hier die kürzlich wieder eingesetzte Prämie für den Neukauf von Elektroautos eine positive Entwicklung auslösen. Aus anderer Forschung wissen wir, dass ein kluger Mix aus verschiedenen Politiken sowohl die Glaubwürdigkeit der Bevölkerung in Zukunftskonzepte als auch den Hochlauf der Elektromobilität stärken kann

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