Green Economy: Fraunhofer ISI startet drei neue Projekte zur Erforschung nachhaltiger Innovationen

16.9.2015

Investitionen in Nachhaltigkeitsinnovationen prägen das Leitbild der Green Economy und tragen maßgeblich zum Wandel hin zu einer kohlenstoffarmen, ressourceneffizienten und sozial inklusiven Wirtschaft bei. Im Rahmen der Fördermaßnahme Nachhaltiges Wirtschaften des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) untersucht das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI innovative und nachhaltige Wirtschaftsansätze sowie deren mögliche gesellschaftliche Auswirkungen. Dabei werden insbesondere die Bedeutung von Forschungs- und Innovationsplattformen für nachhaltige Innovationen, offene Werkstätten als kollaborative Wirtschaftsform sowie nachhaltige Konzepte für kommunale Handlungsfelder wie die Wasserver- und Abwasserentsorgung, Energie sowie Bauen und Wohnen erforscht.

Moderne Wirtschaftssysteme legen ihren Fokus zunehmend auf Nachhaltigkeit und auch öffentliche, politische und wirtschaftliche Diskurse befassen sich immer stärker mit diesem Thema. Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Wirtschaft ist aber ein tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsprozess erforderlich. Nachhaltigkeitsinnovationen spielen hier eine tragende Rolle und können bestehende Wirtschaftsordnungen grundlegend verändern. Um dies zu gewährleisten, müssen jedoch die Bedingungen zur Entstehung und Etablierung nachhaltiger wirtschaftlicher Innovationen weiter erforscht werden. In diesem Kontext untersuchen die drei Projekte INNOLAB, COWERK und TransNIK, gefördert vom BMBF im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung zum Schwerpunkt Nachhaltiges Wirtschaften, wann und wie nachhaltige Innovationen für Wirtschaft und Gesellschaft systemrelevant werden können.

Im Projekt INNOLAB untersucht das Fraunhofer ISI mit seinen Forschungs- und Praxispartnern, wie »Living Labs« (Forschungs- und Innovationsplattformen) zur Verbesserung der Marktakzeptanz grüner Innovationen beitragen können. Im Fokus steht die Einbeziehung von Nutzern beim Entwickeln und Testen von Prototypen unter realitätsnahen Bedingungen. Dabei kartiert das Fraunhofer ISI das sich wandelnde Umfeld von Living Labs und leitet einen Roadmapping-Prozess, der Wege zur Stärkung des Living Lab-Ansatzes im Forschungs- und Innovationssystem einer Green Economy weisen soll. Im angegliederten Praxisprojekt »Nachhaltig Einkaufen: Kundenführung am Point of Sale« werden zudem Feldtests durchgeführt, die ausloten sollen, wie Verbraucher beim Einkaufen noch besser an nachhaltigere Produkte gelangen können.

Das zweite Projekt COWERK befasst sich mit neuen kollaborativen Formen des Selbermachens und Zusammenarbeitens. Das Fraunhofer ISI unterstützt die Entwicklung eines Leitbildes für offene Werkstätten und exploriert deren Potenziale zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation. Hauptziel ist es herauszufinden, wie »Fab Labs« (Fabrikationslabore) und andere offene Werkstätten aus ökologischer, sozialer und wirtschaftlicher Perspektive nachhaltig gestaltet, in der Breite der Gesellschaft etabliert und mit bestehenden ökonomischen Strukturen im Kontext offener Innovationsprozesse verknüpft werden können. Dabei soll auch geklärt werden, wie die neue »Kultur des Selbermachens« zu einer dezentraleren und nachhaltigeren Ökonomie führen könnte.

Mit innovativen Ansätzen für mehr Nachhaltigkeit befasst sich ebenfalls das Projekt TransNIK, das vom Fraunhofer ISI koordiniert wird. Das Projekt legt seinen Fokus auf die Treiber und Hemmnisse für neue nachhaltige Nischenansätze in den klassischen kommunalen Handlungsfeldern Energieversorgung, Wasserver- und Abwasserentsorgung sowie Bauen und Wohnen. Auf Basis von Fallstudien werden in enger Zusammenarbeit mit Praxispartnern Handlungsempfehlungen für die beteiligten Akteure und die politische Rahmensetzung abgeleitet, um die Entstehung und Verbreitung nachhaltiger Nischeninnovationen zu fördern. Zudem wird das Projekt Synergieeffekte zwischen den drei Handlungsfeldern aufzeigen und dadurch domänenübergreifendes Lernen ermöglichen.

Nele Friedrichsen, die am Fraunhofer ISI das Projekt TransNIK koordiniert, äußert sich wie folgt zu den drei Forschungsvorhaben: »Mit unserer theoriegeleiteten und gleichzeitig anwendungsorientierten Forschung im Bereich Nachhaltiges Wirtschaften möchten wir gemeinsam mit unseren Forschungspartnern dazu beitragen, Lösungsvorschläge zu aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen auszuarbeiten. Dabei soll auch die Relevanz von Nachhaltigkeitsinnovationen aufgezeigt und zentrale Akteure auf Handlungsmöglichkeiten zur Förderung von Nischenaktivitäten hingewiesen werden«. Lorenz Erdmann, der am Fraunhofer ISI die Forschung zu den Projekten COWERK und INNOLAB koordiniert, weist auf die Wichtigkeit der Untersuchung von Nachhaltigkeitsinnovationen hin: »Das Fraunhofer ISI leistet in diesen drei Projekten einen wesentlichen Beitrag zur Verzahnung von Transformations- und Zukunftsforschung. Durch Einbindung von Praxispartnern und Entscheidern in die Entwicklung von Leitbildern, Szenarien und Roadmaps sollen Impulse für den Übergang zur Green Economy gegeben werden.«

Die drei Forschungsprojekte COWERK, TransNIK und INNOLAB können laut Friedrichsen und Erdmann mithelfen, in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Schlüsselfeldern Veränderungsprozesse hin zu einer nachhaltigeren Entwicklung anzustoßen.

Weitere Informationen

Projekt INNOLAB

  • Projektpartner: Wuppertal Institut, Fraunhofer ISI, Fraunhofer IMS, Universität Siegen, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, infoware, SODA, GS1 Germany, ARGE REGIO Stadt- und Regionalentwicklung
  • www.innolab-livinglabs.de

 

Projekt COWERK

  • Projektpartner: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Fraunhofer ISI, Fraunhofer UMSICHT. Multiplicities, Universität Bremen, Verbund offener Werkstätten e.V.
  • www.cowerk.org

 

Projekt TransNIK

  • Projektpartner: Fraunhofer ISI, Institut Wohnen und Umwelt GmbH (IWU), Professur für Nachhaltigkeit und Politik an der Universität Leuphana
  • Praxispartner: Netzwerk 100ee-Regionen / Institut für dezentrale Energietechnologien, Klima Bündnis, 100 prozent erneuerbar Stiftung, projekt21plus GmbH, Innova eG, Netzwerk Energiewende Jetzt, Emschergenossenschaft / Lippeverband, OttoWasser GmbH, Arbeitskreis Integriertes Wohnen e.V., STATTBAU HAMBURG Stadtentwicklungsgesellschaft mbH, Wohnbund-Beratung NRW GmbH, Stiftung Trias, gemeinnützige Stiftung für Boden, Ökologie und Wohnen, STATTBAU Berlin / Netzwerkagentur GenerationenWohnen
  • www.transnik.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.