Innovationsindikator 2018: Deutschland stagniert bei Innovationsleistung

21.12.2018

Beim Innovationsindikator 2018, den das Fraunhofer ISI zusammen mit dem ZEW für den BDI erstellt hat, landet Deutschland wie schon 2017 auf dem vierten Platz. Allerdings hat sich im internationalen Innovationsranking der Abstand zu den führenden Ländern Singapur, Schweiz und Belgien vergrößert. Der dabei erstmals ermittelte Offenheitsindikator bescheinigt dem deutschen Innovationssystem den höchsten Offenheitsgrad unter den größten Volkswirtschaften der Welt.

Deutschland kann sich im internationalen Innovationsvergleich von 35 Volkswirtschaften nicht verbessern und verliert sogar etwas an Boden zur Spitzengruppe Singapur, Schweiz und Belgien. So lautet das Ergebnis des Innovationsindikators 2018, den das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI zusammen mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) durchgeführt hat.

»Wenngleich Deutschland beim Innovationsindikator 2018 wieder auf einem vorderen Rang landet, bedeutet dies im Umkehrschluss nicht, dass am deutschen Innovationsstandort alles bestens läuft. Insbesondere müssen Innovationsprozesse in Hochschulen, Forschungsorganisationen und Unternehmen offener und noch besser verzahnt werden«, so Projektleiter Dr. Rainer Frietsch. »Deutschland muss den Anspruch haben, bei der Innovationsfähigkeit zur absoluten Weltspitze zu gehören.«

In keinem der beim Innovationsindikator betrachteten Teilbereiche – weder bei Wissenschaft (Rang 10) noch Bildung (Rang 10) oder Gesellschaft (Rang 12) – erreicht Deutschland aktuell eine internationale Top-Platzierung. Einzig in den Bereichen Staat (Rang 8) und Wirtschaft (Rang 9) fallen die Ergebnisse etwas besser aus, allerdings ist Deutschlands Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze abgerutscht.

»Das kontinuierlich schlechtere Abschneiden im Innovationswettbewerb ist Anlass zur Sorge. Diesen Trend gilt es zu stoppen«, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf. »Die Politik darf jetzt keine Zeit mehr verlieren und muss die Weichen für künftige Innovationen stellen. Eine ausreichend ausgestattete steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung würde im Zusammenwirken mit einer effektiven Projektförderung die nötigen Impulse setzen.«

Neben der Einführung einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung, die das bestehende Instrumentarium der Projektförderung ergänzt, sollte auch die finanzielle Ausstattung von bislang 2,7 Milliarden Euro zur Förderung exzellenter Forschung deutlich erhöht werden. Zudem sollte die Innovationsförderung stärker auf die Entwicklung und Diffusion von neuen Geschäftsmodellen bis hin zur Etablierung gänzlich neuer Marktsegmente oder Märkte abzielen.

Im Rahmen des Innovationsindikators wurde zudem erstmalig der Offenheitsindikator ermittelt, in dem Deutschland unter den größten Volkswirtschaften der Welt am besten abschneidet und vor den USA, Japan oder China insgesamt auf einem mittleren 21. Platz liegt. Relativ gut schneidet hier im Vergleich die deutsche Wirtschaft ab und rangiert beim Offenheitsindikator auf Platz 17. Die Offenheit ist für das Innovationssystem gerade deshalb so wichtig, weil durch Austausch neue Kooperationen und Ideen entstehen, welche entscheidend für Innovationen sind. Zudem belegen Analysen einen deutlichen Zusammenhang zwischen Erfolg und Offenheit von Innovationssystemen.

Eine zentrale Empfehlung des Forscherteams lautet, den gut funktionierenden Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft weiter zu forcieren. Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Institutsleiterin des Fraunhofer ISI, erläutert hierbei, wie dies funktionieren könnte: »Wissensaustausch kann durch einen Transfer über Köpfe und zum Beispiel durch einen temporären Wechsel von Personen aus Forschung und Wirtschaft in den jeweils anderen Bereich erreicht werden. Zudem lässt sich eine Öffnung von Innovationssystemen durch Experimentierräume oder Reallabore fördern, in denen neue Ansätze erprobt und für die Nutzung im Markt vorbereitet werden«. Aber auch der offene Zugang zu Forschungsergebnissen (open access) und Forschungsdaten (open data) sowie eine stärkere Bürgerbeteiligung bei Forschungsprozessen (citizen science) sind wichtige Bausteine einer offenen Innovationskultur in Deutschland, die zum benötigten Kulturwandel hin zu mehr Offenheit beitragen können.

Über den Innovationsindikator

Der Innovationsindikator ist eine regelmäßige, vergleichende Studie zur Innovationsstärke und im Jahr 2000 zum ersten Mal erschienen. Er erfasst die Innovationsbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland und vergleicht sie in einem Ranking in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft sowie in einem Gesamtindikator mit den weltweit führenden Industrieländern und aufstrebenden Staaten. Auf diese Weise entsteht eine Grundlage für innovationspolitische Entscheidungen. Der Innovationsindikator wird im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) durchgeführt. Die Studie wird vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erstellt. Der Innovationsindikator wurde vom BDI gemeinsam mit der Deutsche Telekom Stiftung initiiert.

Die Publikation kann unter www.innovationsindikator.de heruntergeladen werden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.