Rebound-Effekte bei Erneuerbaren Energien: Psychologische Faktoren können zu höherem Verbrauch führen

von Johannes Schuler und Elisabeth Dütschke / 24.9.2019

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Trotz effizienterer Lösungen sinkt der Energieverbrauch nicht so sehr, wie es technisch möglich wäre. Dies hängt damit zusammen, dass Menschen ihr Verhalten bei der Nutzung neuerer Geräte anpassen. Beispiele für diesen sogenannten Rebound-Effekt sind der konstante Pro-Kopf-Energiebedarf trotz effizienter Haushaltsgeräte, die Mehrfahrten spritsparender Pkw und die längere Brenndauer moderner Lampen.

Bisher ist unklar, ob es diesen Effekt auch für Erneuerbare Energien gibt: Führt der Bezug von grünem Strom oder die Eigenerzeugung mit einer Solaranlage möglicherweise zu höherem Verbrauch? Dieses Thema diskutieren wir in einem aktuellen Artikel in der Zeitschrift »Erneuerbare Energien«. Dieser Beitrag baut auf unserer Forschung zu den psychologischen Gründen für Rebound-Effekte auf.

Zu den Mechanismen, die Verbraucherverhalten beeinflussen, gehören unbefriedigte Bedürfnisse, fehlendes Wissen und Gewohnheiten: Wünscht sich beispielsweise ein Haushalt schon länger eine bessere Beleuchtung der Leseecke, realisiert er sie eventuell beim Tausch einer defekten Lampe durch eine hellere LED. Hat er eine neue Heizung, betreibt er sie vielleicht ineffizient, da er die optimalen Einstellungen der Anlage nicht kennt oder aufgrund anderer Alltagsgewohnheiten nicht umsetzt.

Eine weitere Erklärung ist die moralische Rechtfertigung: Menschen nutzen häufig ein vorhergehendes moralisch gutes Verhalten, um ein anschließendes moralisch schlechteres Verhalten zu rechtfertigen. So kann beispielsweise die Installation einer eigenen Photovoltaikanlage oder die Umsetzung von Wärmedämmungsmaßnahmen dazu führen, dass das »moralische Girokonto« gut gefüllt ist – und diese vorhergehenden klimaschützenden Verhaltensweisen dienen dann dazu, Urlaubsflüge oder Mehrverbräuche zu rechtfertigen.

Deshalb ist es wichtig, bei der Umstellung auf erneuerbare Energien die langfristig möglichen Anpassungen des Verhaltens zu berücksichtigen, die negative Folgen für den Energie- und Ressourcenverbrauch haben können. Dies gilt vor allem für die Konzeption politischer Maßnahmen. Momentan führen wir im Projekt »EE-Rebound« qualitative und quantitative Datenerhebungen durch, um die Bedeutung von Rebound-Effekten im Bereich Erneuerbarer Energien abzuschätzen und Handlungsoptionen zu ihrer Minimierung zu erarbeiten.