Neue Perspektiven für zukünftige Forschungs- und Innovationspolitik der EU

11.7.2018

BOHEMIA trägt als wichtige strategische Zukunftsstudie langfristige Perspektiven zum künftigen EU-Rahmenprogramm »Horizon Europe« bei. Der Endbericht des Projekts zeigt in 19 Szenarien auf, welche Forschungsthemen zukünftig mit auf die Agenda sollten, um den Herausforderungen der nächsten 20 Jahre zu begegnen.

Welche Herausforderungen und Einflüsse werden unser Leben prägen? Wie können wir von einem Zeitalter der Ressourcenausbeutung zu einem neuen Wohlstand und »Well-being« für alle kommen? Wie kann ein »Health Divide«, eine Schere in der Gesundheitsversorgung, verhindert werden? Was kann die europäische Forschung zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen beitragen? Welche Chancen bieten sich? Diese und weitere zukunftsorientierte Fragestellungen stehen im Fokus des Projekts BOHEMIA (Beyond the Horizon: Foresight in Support of the Preparation of the European Union‘s Future Policy in Research and Innovation).

Der Endbericht liefert jetzt wichtige Grundlagen für die Ausgestaltung des neunten Europäischen Rahmenprogramms für Forschung und Innovation (FuI), das den Namen »Horizon Europe« tragen wird. Vier Transformationen stehen an:

  • gesellschaftliche Bedarfe: den Bedarfen gerecht werden
  • Biosphäre: einen gut bewohnbaren Planeten bewahren
  • Innovation: die Kräfte der Veränderung nutzen
  • Governance: Kräfte für eine bessere Welt bündeln

Der Bericht zeigt mit 19 Szenarien – von der Bioökonomie über die Neudefinition von Arbeit oder eine »Low Carbon Economy« bis hin zu emotionaler Intelligenz online – Chancen für Forschung und Innovationen auf, die mit zukünftigen Forschungsprojekten abgedeckt werden sollten.

Mit Foresight-Methoden die europäische FuI-Politik unterstützen

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI wurde gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT, Koordinator), ISINNOVA und dem Institutul Prospectiva von der Europäischen Kommission beauftragt, im Rahmen von BOHEMIA die laufenden Debatten über die künftige europäische FuI-Politik zu unterstützen. Das Konsortium analysierte zukünftige globale Herausforderungen sowie die Forschungs- und Innovationspotenziale für die Europäische Union mit einem Zeithorizont bis 2040. Mit einer Delphi-Befragung, Interviews und Szenarien ermittelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zentrale Handlungsfelder für die Forschungspolitik, insbesondere der Europäischen Kommission: Deren Ambitionen sollten sich darauf ausrichten, Motor der europäischen und globalen Transformationen zu werden.

Dr. Matthias Weber, Projektleiter von BOHEMIA am AIT, betont: »In einer sich immer schneller verändernden Gesellschaft bedarf es sensibler und flexibler Entscheidungen mit Weitblick in der Forschungspolitik. Von dem nächsten Europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation wird erwartet, dass es die zukünftigen Fähigkeiten Europas prägt und uns so auf die Herausforderungen des übernächsten Jahrzehnts vorzubereiten hilft.«

Dr. Kerstin Cuhls vom Fraunhofer ISI ergänzt: »In der Forschungspolitik muss langfristig gedacht werden, denn Zukunftsthemen wie Bioökonomie, Assisted Living oder die Entwicklung künstlicher menschlicher Organe brauchen Vorlauf. Die BOHEMIA-Ergebnisse unterstützen uns dabei, die Forschungspolitik frühzeitig auf künftige Herausforderungen vorzubereiten und gleichzeitig gesellschaftlich erwünschte Zukünfte anzustoßen.«

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.