Projekt

Nationaler Radverkehrsplan (NRVP) 3.0

© Fraunhofer ISI

Mit dem Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) 3.0 legt die Bundesregierung die Strategie von Bund, Ländern und Kommunen zur Förderung des Radverkehrs für die Periode 2021 bis 2030 fest und definiert konkrete Ziele, die bis dahin erreicht werden sollen. Der NRVP 3.0 wurde am 24. April 2021 offiziell durch Bundesverkehrsminister Dr. Andreas Scheuer auf dem Nationalen Radverkehrskongress (NRVK) 2021 in Hamburg vorgestellt.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) haben das Fraunhofer ISI und die PTV Group unter Koordination der ifok GmbH die Erarbeitung des NRVP 3.0 fachlich und wissenschaftlich begleitet. In einem Dialogforum wurden dabei Ansätze für die weitere Radverkehrsförderung in Deutschland entwickelt, die in den Radverkehrsplan eingeflossen sind und das Land bis 2030 zu einem "Fahrradland" machen sollen.

 

Die wissenschaftliche Begleitung des Nationalen Radverkehrsplans 2030 verfolgt drei wesentliche Ziele:

  • Erstellung von Inputs, Vor- und Nachbereitung der fachlichen Sitzungen des Dialogforums zum NRVP 3.0,
  • Definition messbarer objektiver und subjektiver Ziele für eine erfolgreiche Radverkehrspolitik bis zum Jahr 2030 sowie
  • Sammlung und Bewertung der vielfältigen Wirkungen des Radverkehrs auf Menschen, Kommunen, Unternehmen, die Volkswirtschaft und die Umwelt.

Die Teilziele der wissenschaftlichen Begleitung münden einerseits im Nationalen Radverkehrsplan 3.0 des BMVI, sowie in einer begleitenden Wirkungsstudie.

 

 

Zur Erfassung der messbaren Ziele des NRVP 3.0 fand zunächst eine Online-Befragung der Mitglieder des Dialogforums durch das Fraunhofer ISI statt. Hieraus entstanden übergeordnete Ziele über alle Themenfelder sowie spezifische Ziele für dessen einzelne Säulen. Diese wurden im Lauf des Dialogforums und mithilfe von Auswertungen bestehender Strategien und wissenschaftlicher Literatur präzisiert und ergänzt.

Die Vor- und Nachbereitung der neun Sitzungen des Dialogforums erfolgte entlang der im Rahmen der einführenden Stakeholder-Beteiligung identifizierten Leitziele des NRVP 3.0. Auf der Grundlage von Literaturarbeit entstanden so Input-Papiere zur Diskussion in den Dialogsitzungen. Ergebnisse der Diskussionen und Anregungen der Mitglieder des Dialogforums mündeten in abgestimmten Ergebnispapieren, welche über die Plattform Zukunft Radverkehr veröffentlicht wurden. Das Fraunhofer ISI zeichnete dabei für drei der acht Themenfelder verantwortlich:

Die Wirkungsabschätzung des Radverkehrs erfolgt anhand von fünf Adressaten und 22 Thesen. Die Adressaten beschreiben die Nutznießenden eines positiven Einflusses von mehr Radverkehr: Menschen, Unternehmen, Kommunen, Umwelt und die Volkswirtschaft. Zusätzlich wurden die möglichen Effekte der Politik auf mehr Radverkehr beleuchtet. Die Wirkungsstudie des NRVP 3.0 nimmt dabei einen neutralen Blick auf die Effekte des Radverkehrs ein, indem neben positiven Wirkungen auch mögliche negative Wirkungen und die vorherrschende Datenlage kritisch gewürdigt werden.

 

Mehr, besserer und sichererer Radverkehr stellen die Kernziele des NRVP 3.0 dar. Konkret heiß dies für 2030 gegenüber 2017: Verdopplung der mit dem Rad gefahrenen Kilometer durch häufigere und längere Wege, eine mehrheitlich positive Einstellung der Menschen gegenüber mehr Radfahren sowie 40 Prozent weniger getötete und schwerverletzte Radfahrerinnen und Radfahrer. Des Weiteren enthält der NRVP 3.0 konkrete Finanzierungsziele von 30 Euro je Person und Jahr, Qualitätsstandards für Radverkehrsnetze und deren Einbindung in den Umweltverbund und Erleichterungen für die Kommunen bei Erprobung und Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen.

Mit diesem breiten und offenen Dialogprozess, der Formulierung konkreter und messbarer Ziele sowie der klaren Benennung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu deren Erreichung hebt sich der NRVP 3.0 von seinen Vorgängern ab. Wir kennen die Konzepte und Maßnahmen für einen guten Radverkehr mittlerweile sehr gut, der NRVP 3.0 hat jetzt die Aufgabe, diese zügig in die breite Umsetzung zu bringen.

Das Dialogforum zum NRVP 3.0 hat folgende Grundsätze einer aktiven Radverkehrsförderung identifiziert: Zunächst braucht es einen politischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, damit sich die mit dem Rad zurückgelegten Kilometer in Deutschland bis 2030 gegenüber 2017 mehr als verdoppeln können. Dazu gehört auch, die Verkehrspolitik und -planung neu und integriert über einzelne Disziplinen hinweg zu denken, um den durch die Corona-Pandemie hervorgerufenen, nachhaltigen Mobilitätstrend zu verstetigen. Ein lückenloser und sicherer Radverkehr durch eine optimierte Radverkehrsinfrastruktur - etwa über mehr Radschnellverbindungen und sichere Knotenpunkte sowie gut zugängliche und hochwertige Abstellmöglichkeiten an zentralen Orten - spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Die wesentlichen Wirkungen des Radverkehrs zeigen sich in den Bereichen Gesundheit durch mehr Bewegung und deren Effekte für die Radfahrenden, Arbeitgeber und das Gesundheitssystem, Effizienz der Flächennutzung im Straßenraum, den Einzelhandel, sowie Tourismus und den lokalen Arbeitsmarkt speziell in strukturschwächeren Räumen. Weitere Wirkungen betreffen die persönlichen Kosten und Zeitvorteile der Mobilität, städtische Finanzen, Immobilienwerte, Klima- und Umweltschutz und den Beitrag der Fahrradwirtschaft zu Wirtschaftswachstum und Arbeitsmarkt in Deutschland.

Der Nationale Radverkehrsplan 3.0 wird im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS II) der Bundesregierung gefördert. Die wissenschaftliche und organisatorische Begleitung wird durch die ifok GmbH (Berlin) koordiniert und durch das Fraunhofer ISI und die PTV Group fachlich unterstützt.

Laufzeit

von 01.08.2019 bis 31.05.2021

Auftraggeber

  • Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)

Projektkoordinator

  • ifok GmbH

Partner

  • Fraunhofer ISI
  • PTV Planung Transport Verkehr AG