Heizen und Kühlen (H&K) machen ca. die Hälfte des EU-Energieverbrauchs aus, wobei die Raumheizung den größten Anteil am Endenergiebedarf der EU für H&K hat, gefolgt von Prozesswärme und Warmwasser. Außerdem basiert der H&K-Sektor der EU größtenteils auf fossilen Brennstoffen. Laut der Erneuerbare Energien Direktive hat sich der Anteil an erneuerbaren Energiequellen bei H&K (EE H&K) von 8,5 % im Jahr 2004 auf 17,5 % im Jahr 2017 erhöht.
Während sich sowohl die Anteile an EE H&K als auch ihre jährlichen Beträge der jeweiligen Mitgliedsstaaten stark unterscheiden, behindern in den meisten Ländern große Barrieren aktuell eine schnellere Einführung von EE bei H&K. Dazu gehören technische Barrieren (z. B. Platzbedarf, nötige Temperaturniveaus, vorhandene örtliche Ressourcen), organisatorische und Marktbarrieren (z. B. wenn Installateure ihre Geschäftsmodelle nur langsam anpassen und ihnen Erfahrung mit EE-Technologien fehlt oder Kunden eine ähnliche Technologie verlangen, wenn sie eine alte Therme ersetzen) sowie ökonomische Barrieren (z. B. die wirtschaftliche Attraktivität von Erdgasthermen in den meisten Ländern, hohe anfängliche Investitionskosten für EE-Technologien). Des Weiteren unterscheiden sich diese Barrieren nicht nur je nach Land, sondern auch je nach Region oder sogar Stadt.
H&K-Märkte unterscheiden sich außerdem auch länderübergreifend. Während Schweden und Dänemark gut ausgebaute und reife Fernwärmenetze besitzen, existieren so gut wie keine Fernwärmenetze in Portugal und Spanien. In Rumänien wurde Fernwärme in der Vergangenheit breit eingesetzt, wurde aber dem Verfall preisgegeben und hat nun einen schlechten Ruf. Im Vereinigten Königreich und in den Niederlanden wird H&K stark durch die örtlich vorhandenen Erdgasressourcen dieser Länder bestimmt, während Länder mit ausgedehnten Wäldern wie Österreich und Schweden einen hohen Anteil an Biomasse in ihren Heizsystemen nutzen. Diese Beispiele veranschaulichen die Vielfältigkeit der Wärmemärkte der Ländern. Aus diesem Grund unterscheiden sich nicht nur der aktuelle Stand, sondern auch zukünftige Wandlungspfade von Land zu Land.
Das Ziel dieses Projekts ist es, eine analytische Basis zu liefern für die Einführung und Entwicklung von politischen Programmen für einen reibungslosen Übergang zur vollen Dekarbonisierung des H&C-Sektors bis 2050 in Gebäuden und der Industrie. Das Projekt analysiert die Voraussetzungen für einen reibungslosen Übergang zwischen dem Clean Energy Package und den langfristigen Dekarbonisierungs-Zielen der EU bis 2050.
Als Projektpartner konzentriert sich das Fraunhofer ISI auf politische Programme und die Modellierung von Dekarbonisierungspfaden. Das Fraunhofer ISI arbeitet an Politikempfehlungen für die rechtlichen, regulatorischen und investorischen Rahmenbedingungen, die für die Umsetzung der verschiedenen Dekarbonisierungspfade notwendig sind und modelliert sehr detaillierte und aufgeschlüsselten Szenarien, Pfaden und Maßnahmen zur Dekarbonisierung von H&K durch EE.
Dieses übergeordnete Ziel wird durch die Erfüllung der folgenden spezifischen Ziele erreicht:
Im Jahr 2023 wurde der Abschlussbericht veröffentlicht: Renewable heating and cooling pathways. Towards full deacarbonisation by 2050
November 2020 - Juli 2022
Europäische Kommission, DG ENER