Zukunft technischer Infrastrukturen integriert denken

von Jutta Niederste-Hollenberg / 17. Februar 2021

Nachhaltigkeit muss grundsätzlich der Anspruch sein, wenn Infrastrukturen ausgebaut und entwickelt werden. Dazu braucht es den Blick in eine Zukunft, die andere Ansprüche an Infrastrukturen stellen wird, als es die Vergangenheit getan hat. Im UBA-Forschungsprojekt INTEGRIS haben wir untersucht, wie die integrierte, sektorübergreifende Betrachtung eine nachhaltige Entwicklung von Infrastrukturen unterstützen kann.

Bündelung hat Umweltvorteile, erfordert aber mehr Kommunikation

Mit dem Projekt INTEGRIS wollten wir ganz grundsätzlich die Frage beantworten, ob Infrastrukturbündel positive Umwelteffekte haben können und welche Regeln für Planung und Bau damit verknüpft sind. Unser Ergebnis: Die Bündelung von Infrastrukturen hat große Vorteile, weil die Umweltauswirkungen durch Bau und Nutzung geringer sind. Zudem ermöglicht die integrierte Betrachtung, Sektoren zu koppeln, indem sie Knotenpunkte und Übergabestellen schafft und so die Flexibilität erhöht.

Demgegenüber steht ein erhöhter Koordinations- und Planungsaufwand: Viele verschiedene Akteure müssen komplexe Abläufe der einzelnen Infrastrukturen bei einer Bündelung zeitlich, räumlich, finanziell und rechtlich aufeinander abstimmen. Das erfordert eine intensive Kommunikation der verantwortlichen Planungs- und Projektträger.

Zukunftstrends erfordern Kopplung von Infrastrukturen

Mit Blick auf langfristige Planungen haben wir im Projekt INTEGRIS zudem darüber diskutiert, wie sich unsere Infrastrukturen angesichts der Wandelprozesse in Klima, Technik und Gesellschaft entwickeln müssen, um auch zukünftig ihre Aufgaben zuverlässig und flexibel zu erfüllen.
In Zukunftsszenarien zeigen wir, wie – gemessen an Klimaschutz und Nachhaltigkeit – eine optimale Entwicklung der verschiedenen Infrastrukturen aussehen kann und welche Schnittstellen die Verantwortlichen berücksichtigen müssen.

Deutlich wird eine enge Verzahnung der verschiedenen Infrastruktursektoren: So lässt sich Wärme aus Abwasser gewinnen oder aus Strom erzeugen, Strom kann zu Gas oder Brennstoffen umgewandelt werden (PtX), gesammeltes Regen- und Grauwasser kann urbane Räume klimatisieren und urbane Landwirtschaft ermöglichen, Mobilität funktioniert im Wesentlichen elektrisch oder mit PtX-Produkten, die Versorgung mit stabilen und zuverlässigen Datennetzen in allen Regionen gewährleistet Konzepte wie modulare Mobilität oder die vermehrte Arbeit aus dem Home-Office.

Technische Infrastrukturen sind wesentliche Faktoren, um unsere Lebensqualität zu erhalten und eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung zu sichern. Wir müssen uns überlegen, wie unsere Zukunft aussehen soll und welches die dafür notwendigen Infrastrukturen sind. Und dann müssen wir tätig werden.

Gestaltende Zusammenarbeit der politischen Akteure

Für die Integration verschiedener Infrastruktursysteme, ist zunächst eine gemeinsame Politik notwendig: Die verschiedenen Ressorts müssen im Sinne einer missionsorientierten Innovationspolitik – ausgerichtet an gesellschaftlichen Zielen – zusammenwirken, um gemeinsame, integrierte Leitbilder für Infrastruktursysteme zu entwickeln. Gefordert sind hier vor allem die Staatsministerin für Digitalisierung, das Bundesinnenministerium sowie die Ministerien für Verkehr, Umwelt, Bau, Landwirtschaft sowie Wirtschaft und Energie.

Neben der ressortübergreifenden Zusammenarbeit auf der politischer Ebene ist die Umsetzung auf der operativen Ebene entscheidend. Hier braucht es verfahrensrechtliche Anreize und die Bereitschaft zur inter- und transdisziplinären Kooperation. Der kürzlich veröffentlichte Abschlussbericht des Projekts INTEGRIS gibt hierfür Handlungsempfehlungen.