Warum mieten Frauen Kleidung – und warum nicht?

von Miriam Bodenheimer / 30. Juni 2020

Als Mutter habe ich die Erfahrung gemacht: Kinder wachsen schnell aus allem raus, manchmal nach wenigen Wochen. Wer kein großes Netzwerk von Eltern hat, in dem die Kleidung der Kinder reihum weitergegeben wird, sucht oft Alternativen zum Neukauf. Eine Möglichkeit sind Mietmodelle. Im Projekt Wear2Share untersuchen wir, ob Geschäftsmodelle zum Mieten von Kleidung nachhaltiger sind als der Neukauf und ob sie auch langfristig massentauglich sind. Zudem wollen wir die Entwicklung langlebigerer Kleidung für derartige Leihmodelle vorantreiben.

Im Rahmen des Projekts haben wir 1.171 Frauen zwischen 20 bis 59 Jahren zu ihren Konsumgewohnheiten und Einstellungen zu Mietmodellen im Kleidungsbereich befragt. In der repräsentativen Umfrage gaben 12,7 Prozent der Frauen an, dass sie mehr als die Hälfte ihrer Kleidungsstücke seltener als viermal pro Jahr tragen, bei weiteren 19 Prozent traf dies auf 30 bis 50 Prozent der Teile im Kleiderschrank zu. Um Fehlkäufe beziehungsweise den Kauf von selten genutzten Kleidungsstücken zu reduzieren, könnte das Mieten von Kleidung eine sinnvolle Alternative sein – zumal viele Vermieter den Kauf eines gemieteten Kleidungsstückes anbieten, wenn man es dann doch nicht mehr hergeben möchte.

Etwa ein Drittel der von uns befragten Frauen könnte sich vorstellen, Kleidung zur eigenen Nutzung zu mieten. Für zwei Drittel ist dies jedoch derzeit eher keine Option. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • 69,5 % der befragten Frauen sorgen sich, dass sie für mögliche Schäden an den gemieteten Kleidungsstücken haftbar gemacht werden könnten.
  • 65,5 % wollen Kleidungsstücke besitzen und nicht  nur temporär leihen.
  • 55,1 % befürchten, dass Miet-Kleidungsstücke Gebrauchsspuren haben.
  • 52,8 % denken, dass das Mieten langfristig zu teuer wird.
  • 47,4 % möchten keine Kleidung tragen, die fremde Menschen bereits getragen haben.
  • 37,3 % finden das Konzept des Mietsystems unpraktisch.

Fehlkäufe vermeiden und neue Stile probieren

In unserer Umfrage wollten wir auch wissen, welche Gründe für das Leihen von Kleidung sprechen:

  • 76,7 % der befragten Frauen schätzen die Möglichkeit, Kleidung, die nur einmalig gebraucht wird, nicht selber kaufen zu müssen.
  • 60,6 % wollen Fehlkäufe vermeiden, die kaum getragen werden.
  • 60,2 % wünschen sich, unverbindlich neue Stile auszuprobieren.
  • 52,6 % denken, dass das Mieten von Kleidung besser für die Umwelt ist.
  • 52,6 % würden sich über eine größere Abwechslung im eigenen Kleiderschrank freuen.
  • 13,7 % geben potenzielle Ersparnisse als Grund für das Mieten an.

Wir haben die Frauen außerdem gefragt, welche Art von Kleidung sie gerne ausleihen möchten (siehe Abbildung). Die mit Abstand beliebteste Kategorie ist Kleidung für spezielle Anlässe, beispielsweise Dirndl, Abendgarderobe oder Hochzeitskleidung (81,6 %). Auch das Mieten von Umstandsmode wäre für etwas mehr als ein Drittel der Frauen von Interesse (35,4 %). Das Mieten von Alltagskleidung, wahlweise für Damen (15,6 %) oder Kinder unterschiedlicher Altersgruppen (0 bis 3 Jahre: 17,6 %; 4 bis 12 Jahre: 13,2 %; 13 bis 18 Jahre: 5,6 %) kommt jedoch nur für weniger als ein Fünftel der Befragten in Frage. 12,7 % können sich das Mieten in keiner dieser Kategorien vorstellen.

Zu wenig Angebot für Mietmodelle

In Deutschland gibt es aktuell acht verschiedene Mietmodelle, von denen sich jeweils die Hälfte an Damen und an Kinder richtet. Für Herren gibt es derzeit auf dem deutschen Markt keinerlei Angebote. Kleidung für spezielle Anlässe, bei der sich Frauen das Mieten am ehesten vorstellen können, wird nur von einem Anbieter angeboten, der Abendkleider und Dirndl vermietet. Zwei Modelle bieten neben Kinderkleidung auch Umstandsmode an.

Mit diesem Blick auf den Markt ist es nicht überraschend, dass die wichtigste Veränderung, die die befragten Frauen eher zum Mieten von Kleidung überzeugen könnte, eine größere Auswahl an Kleidungs-Mietmodellen wäre (36,3 %). Ähnlich viele Frauen würden Kleidung eher mieten, wenn solche Angebote mehr offline angeboten würden (32,8 %). Nur für 19,2 % würde es helfen, wenn ihre Familie und Freunde ebenfalls Kleidung mieten würden.

© Fraunhofer ISI mit Icons von www.flaticon.de
Welche Art von Kleidung würden Sie mieten?