Strukturwandel in der Automobilindustrie: Umbaubedarf trotz Corona

von Anna Grimm und Claus Doll / 04. Juni 2020

Mehrere zeitgleich verlaufende Entwicklungen zwingen die Automobilindustrie zu einem tiefgreifenden Strukturwandel. Trotz der Belastung durch die globale Corona-Pandemie gilt es, die Chancen dieses Kontinuitätsbruchs für Klima und Gesellschaft zu nutzen.

 

Die Automobilindustrie in Deutschland befindet sich durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs, durch Konkurrenten aus der IT-Industrie und durch die Sharing Economy im tiefgreifendsten Strukturwandel ihrer Geschichte. Dieser wird durch die derzeitige Corona-Krise nicht unterbrochen, vielmehr verschärfen die Auswirkungen den Handlungsdruck. Bereits getätigte Investitionen des Sektors und die Dringlichkeit des Klimawandels erfordern einen schnellen und konsequenten Anpassungsprozess. Einbrüche in den Absatzzahlen und die daraus resultierende finanzielle Belastung bringen insbesondere kleine Unternehmen an ihre Grenzen. Während dieser Krise richtungsweisende Investitionen in Zukunftstechnologien und Qualifizierung anzustoßen, wird daher zur enormen Herausforderung – ist aber dennoch unvermeidlich.

Im Rahmen des Forschungsvorhaben »Strategien für den ökologischen Strukturwandel in Richtung einer Green Economy« im Auftrag des Umweltbundesamts haben das Fraunhofer ISI und das Öko-Institut die Ausgangssituation der heimischen Automobilindustrie sowie Treiber und zukünftige Entwicklungen eines Ausstiegs aus dem Verbrennungsmotor analysiert. Für diese Fallstudie haben die Autorinnen und Autoren unter Mitwirkung von Expertinnen und Experten aus Industrie, Gewerkschaften, Politik und Forschung Handlungsempfehlungen für den ökonomisch und ökologisch erfolgreichen Umbau der Automobilindustrie entwickelt. Die Befunde aus dem Jahr 2019 verändern sich durch die Corona-Krise nicht, der Handlungsbedarf und die Diskussion um Zielkonflikte hingegen wachsen.

Die Entwicklung und Umsetzung progressiver Strategien sowohl in den Unternehmen als auch durch die Politik als Rahmengeber sind zentral für einen gelingenden Strukturwandel. Hierzu gehört die klare Kommunikation positiver Ziel- und Leitbilder ebenso wie die ehrliche Reflexion von Kenntnislücken. Zu den Lücken gehören beispielsweise Instrumente und Inhalte für den konkreten Qualifizierungsbedarf sowie Konzepte zur Schaffung flexibler Experimentierräume. In jedem Fall muss die Politik Planungssicherheit und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer schaffen.

Im Blog des Öko-Instituts gibt es einen detaillierten Beitrag zur Fallstudie sowie Unterlagen zu einem Webinar, das am 19. Mai 2020 stattfand. Der vollständige Bericht ist voraussichtlich ab Herbst 2020 auf der Webseite des Umweltbundesamts verfügbar.