»Auf kommunaler Ebene, vor unserer Haustür und in unserem Alltag müssen globale, regionale und kommunale Herausforderungen gemeistert werden.«

von Ulrike Aschoff / 17. November 2020

Dr.-Ing. Susanne Bieker leitet den Forschungsschwerpunkt »Transformations- und Innovationssysteme urbaner Räume« (TIuR) am Fraunhofer ISI. Im Interview gibt sie einen Überblick über das neue Thema.

Wofür steht das neue Querschnittsthema »Transformations- und Innovationssysteme urbaner Räume«?

Ban Ki-Moon, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, hat 2012 gesagt: »Cities are where the battle for sustainable development will be won or lost.«

Dieses Zitat bringt es sehr gut auf den Punkt: Städte sind die Orte des Handelns. Auf kommunaler Ebene, vor unserer Haustür und in unserem Alltag müssen globale, regionale und kommunale Herausforderungen gemeistert werden: angefangen beim Klimaschutz und der Klimaanpassung über die Energie- und Mobilitätswende hin zur Wohnraumversorgung und Digitalisierung. Und das alles muss finanziert werden und für die Menschen, für uns alle, bezahlbar bleiben.

Das sind komplexe Anforderungen – auf die das Fraunhofer ISI in der fachlichen Gesamtbreite ebenso wir in sehr spezifischer Detailexpertise Antworten geben kann.

Das neue Querschnittsthema »Transformations- und Innovationssysteme urbaner Räume«, kurz TIuR, bündelt die fachlichen Kompetenzen aller sieben Competence Center des Fraunhofer ISI. Die Gruppe legt den Fokus auf die die komplexen, interdisziplinären Herausforderungen urbaner Räume und entwickelt mit der »Brille der Stadt« Lösungen dafür. Wir sind in der Lage, die gesamte methodische Bandbreite und Kompetenz des Fraunhofer ISI zügig und umfassend in Projekte einzubringen.

An wen richtet sich das Querschnittsthema – wer kann von der neuen Einheit profitieren?

Unsere Ausrichtung ist mehrschichtig. Einerseits adressieren wir Kommunen und Städte, die vor komplexen Fragestellungen und Herausforderungen in einem unserer Schwerpunktthemen stehen und wissenschaftliche und / oder beratende Unterstützung suchen. Finanziell ist dies überwiegend über Fördermittel realisierbar, die sowohl auf Forschungsfragen als auch auf Umsetzungsnähe und -orientierung fokussieren.

Gleichzeitig bieten wir für Forschungs- und Projektpartner im gesamten Themenfeld von Transformationsprozessen urbaner Räume eine gemeinsame Anlaufstelle für das gesamte Institut an und können damit effizienter und schneller agieren. Das gilt sowohl für (inter)nationale Städteverbünde, die eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner für die breite Palette von kommunalen Fragestellungen suchen, als auch für international agierende Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen.

Unser Fokus liegt nicht nur auf Deutschland, sondern adressiert Herausforderungen in urbanen Räumen weltweit. Das Fraunhofer ISI ist hier in vielen Themenstellungen international aktiv und erfahren und bietet über das Querschnittsthema Zugangs- und Kontaktmöglichkeiten für interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie für Kommunen.

Wir befassen uns aber beispielsweise auch mit der technischen und finanziellen Entwicklungszusammenarbeit, die das Thema nachhaltige urbane Entwicklung unter sich verändernden Rahmenbedingungen und zunehmendem Handlungsdruck zunehmend stärker adressiert.

Was ist Dein fachlicher Hintergrund und was bedeutet Dir die Leitung des Querschnittsthemas am Fraunhofer ISI?

Ich habe Raumplanung studiert und schon dabei viele Facetten der Herausforderungen in Städten kennengelernt. Nach dem Studium habe ich mich unter anderem mit Handlungsoptionen von regionalen Governance-Strukturen unter dem demografischen Wandel sowie mit der Entwicklung anpassungsfähiger technischer Infrastrukturen in schnell wachsenden urbanen Räumen beschäftigt. Während meiner Promotionszeit im Bauingenieurwesen habe ich in einer sehr interdisziplinären Forschungsgruppe gearbeitet, was ich sowohl herausfordernd als auch bereichernd fand.

Bevor ich ans Fraunhofer ISI gekommen bin, habe ich zudem in der Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet, was meinen Blick auf die weltweite Vielfalt der Herausforderungen noch einmal erweitert hat.

All diese Erfahrungen, das gesammelte Wissen und die Netzwerke möchte ich jetzt in die Leitung des Querschnittsthemas einbringen. Neugier und Lernbereitschaft sind mir zwei wesentliche Faktoren in der inter- und transdisziplinären Zusammenarbeit: Mein Team bündelt die Expertise von sieben Competence Centern, die Mitglieder stammen aus den Ingenieurs-, Sozial-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften, sie haben zusammen jahrzehntelange Erfahrung in Wissenschaft, Forschung und Politikberatung. Da lernt jede und jeder in der Zusammenarbeit immer wieder Neues hinzu und inspiriert Kolleginnen und Partner.

Mit der Orientierung auf die Herausforderungen urbaner Räume im Hier und Jetzt und die Zusammenarbeit mit Kommunen anhand ihrer realen Probleme und der Umsetzungsorientierung schaffen wir mit unserer Arbeit einen greifbaren Mehrwert für eine nachhaltige Entwicklung.