Das Vorhaben kartierte, analysierte und bewertete mögliche Entwicklungen der KI und schuf mittels der computer-animierten Darstellungsweise von Storyboards (Scrollytelling) Grundlagen für die Erschaffung neuer Transformationsnarrative zwischen Planetaren Grenzen und Künstlicher Intelligenz. Im Einzelnen:
- Es liegt eine Landkarte von 10 KI-Anwendungsfeldern vor, die die derzeitigen Beziehungen zwischen Menschen, Technik und Umwelt grundlegend verändern können, von der Simulation natürlicher Sprache bis hin zu Schwarmintelligenz. Dabei wurden empirisch beobachtbare KI-Entwicklungen von spekulativen Visionen unterschieden.
- Für zwei die zwei KI-Anwendungsfelder Affective Computing und Autonome Systeme zur Erschließung von für Menschen (bislang) unverfügbaren Räumen wurden ethische Analysen durchgeführt. Ethisch relevante Punkte sind (1) KI-basierte Manipulation und Täuschung von Emotionen, (2) Beteiligung und Zugangsgerechtigkeit inklusive der Rolle privater Unternehmen, (3) Extended Reality als besseres Lernen versus Entfremdung durch Entpersonalisierung und Entkörperlichung, (4) Privatheit persönlicher Daten, (5) Natürlichkeit versus Künstlichkeit und Authentizität hinsichtlich Emotionen, (6) Autonome Systeme als Teil der Frontier-Ideologie der nutzenorientierten Technisierung der Natur versus Forderungen nach (partieller)Unverfügbarkeit von Räumen, (7) rein symptomorientierte Techno-Fix-Zugänge versus Suffizienzförderung durch KI, (8) Modifikation von Verantwortungsrelationen durch KI, sowie (9) Dual use beziehungsweise starke militärische Beteiligung und Interessen an KI-Forschung.
- Anknüpfungspunkte für die ethischen Befunde sind die Arenen Bildung für Nachhaltige Entwicklung und nachhaltiges Verhalten, die Unverfügbarkeit von Räumen im Anthropozän sowie Governance der Technikentwicklung. Mit Storyboards wurde ein Einstieg in neue Narrative zur Verfügung gestellt, der Umweltinteressierte und Medienschaffende dazu anregen soll, sich mit normativen Fragen der KI zu befassen.
- Aktueller Forschungsbedarf wurde formuliert. Die Notwendigkeit der Konzeption einer umfassenden Forschungsprogrammatik im Zeitalter der Digitalisierung und des Anthropozän wurde ebenso deutlich wie der Bedarf nach einer umfassender ausgestalteten Ethik und Zusammenführung der Diskurse zu Digitalisierung, Ethik, Umwelt/Nachhaltigkeit und Gemeinwohl im Hinblick auf Zukunftsgestaltung.
Die Ergebnisse des Vorhabens sind in der Reihe UBA-Texte publiziert worden, der Abschlussbericht kann dort heruntergeladen werden.
Erdmann, L.; Cuhls, K.; Warnke, Potthast, T.; Bossert, L.; Brand, C.; Saghri, S. (2022): Digitalisierung und Gemeinwohl - Transformationsnarrative zwischen Planetaren Grenzen und Künstlicher Intelligenz. Abschlussbericht. UBA-Texte 29/2022. Umweltbundesamt (UBA).