Welche Rolle spielen Policies und Governance für KI?

Forschungsfragen

  • Welche Politikstrategien, Forschungsinitiativen und industriepolitischen Maßnahmen eignen sich, um KI als Schlüsseltechnologie voranzubringen?
  • Wie gut sind deutsche und europäische KI-Aktivitäten aufeinander abgestimmt?
  • Welche Aufsichts- und Durchsetzungsstrukturen (Governance) existieren im europäischen und deutschen KI-Kontext und wie wirken sich diese auf die Entstehung verantwortungsvoller KI und auf KI-Innovationen aus? 

Projekte

Publicly funded and governed AI infrastructures – A pathway towards just transitions?

Das Projekt PublicAI bearbeitete für die Mozilla Foundation die Fragestellung, ob und wie öffentliche KI-Infrastrukturen eine alternative Governance-Form darstellen, mit der Forschung, Innovation und Lernen mit KI besser gefördert werden kann. Vor dem Hintergrund der Monopolisierung der großen sozialen Plattformen stellt sich die Frage, welche Alternativen bei KI zumindest denkbar sind, denn die Privatisierung digitaler Infrastrukturen führt zu weniger Transparenz, gegenseitigem Lernen und Markteintritten.

Das Projekt setzte neben einer ausführlichen Literaturrecherche auf einen explorativen qualitativen Forschungsprozess, der sich auf semistrukturierte Interviews mit einer Vielzahl unterschiedlicher relevanter Akteure in Europa und den USA stützte. Dabei wurde diskutiert, inwiefern Formen von öffentlicher KI bereits existieren, was man daraus lernen kann und wie potenziell weitere öffentliche KI-Infrastrukturen aussehen könnten. 

Wege zur Stärkung der Forschung und Anwendung von künstlicher Intelligenz in Europa

In einer Studie für die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) untersuchte das Fraunhofer ISI den Stand der deutschen und europäischen KI-Forschung im internationalen Vergleich und analysierte KI-Strategien in ausgewählten Ländern, um Hinweise für die Verbesserung der deutschen KI-Strategie zu erhalten. Grundlage war eine Stärken-Schwächen-Analyse der deutschen KI-Forschung und -Anwendung sowie eine Untersuchung, wie gut die deutschen KI-Aktivitäten in die EU-Politik eingebettet sind.

Folgende Hinweise auf förderliche forschungs-, innovations- und industriepolitische Maßnahmen konnten identifiziert werden: Auf- und Ausbau von spezifischen KI-Innovationsökosystemen, Entwicklung länderspezifischer KI-Modelle, KI-Pilot- und Leitmärkte im öffentlichen Sektor, engere Verzahnung von Forschung und Umsetzung sowie Bündelung europäischer und nationaler Ressourcen. 

Standortanalyse des Ökosystems künstliche Intelligenz in der Region Aachen

In diesem Projekt für die Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen wurde eine Standortanalyse des Ökosystems Künstliche Intelligenz in der Region Aachen durchgeführt. Die Stadt Aachen verfolgt das übergeordnete Ziel, strukturell wirksame Rahmenbedingungen für die ansässigen, im KI-Bereich tätigen Unternehmen zu schaffen.

Um eine gezielte Förderstrategie zu unterstützen, wurden dafür die KI-Akteure in der Region Aachen und das KI-Ökosystem, in dem sie agieren, quantitativ und qualitativ analysiert. Basierend auf diesen Analysen wurden Handlungsempfehlungen zur Stärkung des KI-Standorts Aachen abgeleitet.

Institutionen des Datenrechts: Unabhängigkeit, Durchsetzungsbefugnisse, Grad der Zentralisierung und Agencification

Die dem Datenrecht zugehörigen EU-Verordnungen der letzten Jahre haben eine komplexe und vielschichtige institutionelle Governance-Architektur hervorgebracht. In einer Übersicht über zuständige Stellen und Behörden und deren Rollen zeigen Forscher des Fraunhofer ISI die Zusammenhänge auf und ordnen die Entwicklungen im Hinblick auf das Konzept der Agencification ein. Dieses Schlagwort bezeichnet die Übertragung von Regulierungskompetenzen an nationale und europäische, teilweise unabhängige Behörden, sodass diese mit einem gewissen Grad an Autonomie handeln können – und dies, ohne dass Ministerien dazu in der Lage sind, ihnen Anweisungen zu erteilen.

Das in den entsprechenden Behörden erarbeitete Fachwissen kann zum einen zu einer effizienteren Rechtsdurchsetzung führen, zum anderen können Behörden flexibler auf Situationen reagieren. Beispielhaft wird dies für die Umsetzung der KI-Verordnung der EU (AI Act) gezeigt. Die entsprechende Aufsichtsstruktur teilt sich hier einerseits in eine Unionsebene (Kommission, KI-Büro, KI-Gremium und Beratungsforum) und eine mitgliedstaatliche Ebene (zuständige notifizierende Behörden, Marktüberwachungsbehörden) auf. Andererseits ist die Unionsebene mit dem bei der EU-Kommission unmittelbar angesiedelten KI-Büro, dem mitgliedstaatlich geprägten KI‑Gremium, dem unabhängigen Beratungsforum sowie dem wissenschaftlichen Gremium unterteilt. 

Implikationen der europäischen Datenstrategie und -regulierung für die Energiewirtschaft

Im Rahmen ihrer Datenstrategie hat die EU eine weitreichende Rechtsgrundlage für die digitale Wertschöpfung durch Daten in Europa geschaffen – auch in der Energiewirtschaft. Während der Data Act die Datenverfügbarkeit im Energiesystem stark erweitert, regelt der Data Governance Act vertrauenswürdige Transaktionsmöglichkeiten für diese Daten.

Unter den künftig geltenden Regelungen haben beispielsweise Betreiber von Windenergieanlagen Anspruch auf alle Daten, die bei der Nutzung der Anlagen anfallen. Dazu gehören etwa umfangreiche Sensordaten, die für das Betriebsmonitoring und die vorausschauende Wartung essenziell sind. Über diese Daten verfügt bislang der Anlagenhersteller als Dateninhaber exklusiv und verkauft auch die Nutzungsrechte daran an die Betreiber.

Zusammen mit dem Fraunhofer-Exzellenzclusters Integrierte Energiesysteme (CINES) wurde ein Whitepaper erarbeitet, das die Auswirkungen und Potenziale der europäischen Datenstrategie analysiert und ein Verständnis für die neuen Regulierungen schafft sowie konkrete Handlungsoptionen für Akteure der Energiewirtschaft aufzeigt.