Windenergiebranche möchte Windkraft-Akzeptanz durch stärkere Bürgerbeteiligung erhöhen

24.9.2015

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI erforscht im EU-Projekt »WISE Power« die gesellschaftliche Akzeptanz der Onshore-Windenergie. Ein im Rahmen des Projekts durchgeführter Workshop führte zur Erkenntnis, dass die Windenergiebranche bereits auf viele Maßnahmen zur besseren Information und Konsultation von Bürgern zurückgreift, diese jedoch nicht immer gezielt umsetzt. Die bei »WISE Power« entwickelten Strategien setzen hier an und sollen die Bürgerinformation und -beteiligung ausweiten – und dadurch zu einer höheren Akzeptanz der Windkraft beitragen.

Das Projekt »WISE Power«, das im Rahmen des Intelligent Energy Europe Programms der EU vom Fraunhofer ISI, der Deutschen Energie-Agentur (dena) sowie weiteren europäischen Partnern durchgeführt wird, setzt sich mit der gesellschaftlichen Akzeptanz der Windenergie auseinander. Dabei werden auch sogenannte »Social Acceptance Pathways« (SAPs) bzw. soziale Akzeptanz-Strategien entwickelt, welche die Planungssicherheit für neue Windanlagen verbessern sollen. Auf einem Workshop bei der Leitmesse HUSUM Wind haben das Fraunhofer ISI und die dena in Kooperation mit dem Bundesverband Windenergie e.V. (BWE) die bisherigen Projektergebnisse präsentiert. Diese stützen sich auf eine Auswertung von 40 Ratgebern und Handbüchern, 15 wissenschaftlichen Artikeln und Berichten sowie eine Expertenbefragung zur Akzeptanz von Windanlagen mit über 200 Teilnehmern aus 13 Ländern.

Das zentrale Ergebnis des Workshops ist, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Windenergiebranche großes Interesse an aufbereitetem Wissen und Strategien wie den »Social Acceptance Pathways« (SAP) zur besseren Akzeptanz der Windenergie haben und diese als wünschenswert für ihre Arbeit beurteilen. Diese europaweit anwendbaren Strategien wurden aufbauend auf den bisherigen Projektarbeiten entwickelt und in einer vorläufigen Version veröffentlicht. Sie sollen helfen, eine ganzheitliche und maßgeschneiderte Beteiligungsstrategie für Windkraft-Projekte zu entwickeln und enthalten eine Reihe von Maßnahmen zu deren innovativer Finanzierung sowie zur Information, Konsultation und Beteiligung von Bürgern. Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von Herstellern, Kommunen, Umweltgruppen, Projektentwicklern und Energiegenossenschaften hoben speziell die Themen Bürger-Information und -Konsultation hervor. Diese sollen künftig noch früher bzw. bei auftretenden Problemen im Planungsprozess neuer Windanlagen stärker berücksichtigt werden. Im Workshop wurde aber nicht nur der Nutzen solcher Strategien betont, sondern auch darauf verwiesen, dass Akzeptanz-Maßnahmen häufig bereits fester Bestandteil von Windkraft-Vorhaben sind. Aufgrund paralleler Anforderungen wie Genehmigungsverfahren werden sie allerdings nicht immer systematisch umgesetzt. Hier setzen die SAPs an, indem sie in unterschiedlichen Projektstadien Unterstützung bei der Strategieumsetzung bieten.

Dr. Elisabeth Dütschke, die das Projekt »WISE Power« am Fraunhofer ISI koordiniert, nennt einige Herausforderungen für Akzeptanz-Maßnahmen bei Windenergie-Projekten: »Unser Workshop bestätigt die Ergebnisse unserer Befragung: Auf Projektebene bestehen oft Kapazitätsengpässe, es fehlt etwa an Personal für die Umsetzung von Kommunikations-Maßnahmen. Zudem führen aus Sicht der Windenergiebranche die sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen wie die Einführung eines Ausschreibungssystems für die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien zu großen Herausforderungen – die frühzeitige Aufnahme eines Diskussionsprozesses mit betroffenen Kommunen und Bürgern wird dadurch komplizierter.« Dütschke weist zudem auf weitere Rahmenbedingungen hin, welche den Kommunikationsprozess um Windenergie-Projekte erschweren können: Dazu gehören etwa sich wandelnde gesellschaftliche und kulturelle Faktoren wie das Demokratieverständnis der Bürger, das sich zunehmend auf einzelne Projektvorhaben und weniger auf den Projekten vorgelagerte Prozesse wie Raumordnungsverfahren bezieht.

Auf Grundlage der Erkenntnisse dieses und weiterer Workshops in den Partnerländern werden die sozialen Akzeptanz-Strategien (SAPs) validiert und weiterentwickelt. Anschließend werden sie in Gestalt eines interaktiven Tools allen relevanten Windenergie-Akteuren im Zusammenhang mit deren Projekten zur Verfügung gestellt, die daraus die für sich relevanten Erkenntnisse ableiten.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.