Projekt

InDigWa - Integrierte Digitalisierung der Wasserversorgung

Das Fraunhofer ISI begleitet zusammen mit dem Fraunhofer IAO acht Partner aus Industrie, Wasserversorgung und Wohnungswirtschaft bei der Umsetzung digitaler UseCases zur Effizienzsteigerung in der Wasserversorgung und zugehörigen Energiebedarfen in einem Quartier der Bremer Wohnungsbaugesellschaft GEWOBA in Bremen. Dabei werden im Innenbereich Daten zu Temperatur und Durchfluss auf Gebäude- und Wohnungsebene erhoben, um Nutzungsmuster und Einsparpotenziale bei Wasser und Energie zu analysieren. Im Außenbereich wurde ein intelligentes Regenwassermanagement installiert, das Regenwasser sammelt, reinigt und bedarfsgerecht für die Bewässerung von Bäumen sowie von Bewohnergärten nutzt, wodurch der Trinkwasserbedarf gesenkt und Überlastungen der Kanalisation bei Starkregen vermieden werden können.

Die wissenschaftliche Begleitung läuft bis Ende 2028.

InDigWa-Jahrestreffen in Bremen: Wasser im Quartier als strategisches Handlungsfeld

Im Rahmen der Morgenstadt InnovationsPartnerschaft InDigWa (Integrierte Digitalisierung der Wasserwirtschaft) fand am 17. Juni 2026 das Jahrestreffen aller Innovationspartner in Bremen statt, an der weitere zentrale Akteure aus Wohnungswirtschaft, Wasserversorgung, Klimaanpassung und Industrie teilnahmen.

Im Fokus stand die Einordnung von Wasser im Quartier als strategisches Themenfeld im Kontext von Klimawandel, Versorgungssicherheit und integrierter Stadtentwicklung. In den Beiträgen des Fraunhofer ISI wurden sowohl die Relevanz des Themas als auch die Zielsetzung der InDigWa-Innovationspartnerschaft vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass insbesondere die Verknüpfung von inneren Systemperspektiven (z. B. Gebäude, Quartier) mit äußeren Rahmenbedingungen (z. B. Infrastruktur, Klima) zentrale Ansatzpunkte für zukünftige Lösungen bietet.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Rolle der sektorübergreifenden Zusammenarbeit. Die Vorstände von GEWOBA Manfred Corbach und SWB Dr. Karsten Schneiker hoben in ihren Beiträgen die hohe Bedeutung der Kooperation zwischen Wohnungswirtschaft, Versorgungsunternehmen, Industrie und Forschung hervor. Insbesondere betonten sie den gemeinsamen Erkenntnisgewinn für die langfristige Sicherung einer resilienten Wasserversorgung sowie die Entwicklung lebenswerter Quartiere.

Die Veranstaltung unterstrich damit die Relevanz des InDigWa-Ansatzes, interdisziplinäre Perspektiven zusammenzuführen und konkrete Lösungsansätze im Spannungsfeld von Wasserverfügbarkeit, Starkregen und steigenden Temperaturen zu entwickeln.

Ein ergänzender Ausblick wurde im Rahmen des geplanten Think Tanks »Wasser und KI« gegeben, der im Frühjahr 2027 die Potenziale datenbasierter Ansätze für Planung, Betrieb und Steuerung urbaner Wassersysteme adressieren wird.

Das Jahrestreffen wurde gerahmt von Workshops der Innovationspartner, in denen die laufenden und in Vorbereitung befindlichen UseCases, Umsetzung im Bestandsquartier Gartenstadt-Süd der GEWOBA besprochen und die mehrjährige Datenerhebung finalisiert wurden.

Gruppenfoto vom InDigWa-Jahrestreffen in Bremen am 17.06.26
© GEWOBA/Sarbach
InDigWa-Jahrestreffen am 17.06.26 in Bremen

InDigWa ist eine Morgenstadt-Innovationspartnerschaft für synergetische Datennutzung des Wassermanagements »von der Gewinnung über die effiziente Verteilung bis zur ressourcenschonenden Nutzung«.

Ziel ist es, erstmals alle relevanten Stakeholder zusammenzubringen, um mittels datenbasierter Lösungen sowohl Effizienz als auch Qualität des Gesamtsystems zu steigern und damit das Wassermanagement auf allen Ebenen zu verbessern. Hierzu werden bisher weitgehend autonom agierende Stakeholder und ihre unterschiedlichen Datenformate vernetzt, neue Wertschöpfung geschaffen und gemeinsame, integrierte Geschäftsmodelle entwickelt.

Die Unternehmenspartner des Gesamtvorhabens decken sowohl die Bereiche der Wasserver- und -entsorgung und des Regenwassermanagements ab, als auch die Bereiche der Wohnungswirtschaft, des Gebäudemanagements, Armaturen, Wasseraufbereitung, Pumpen, Messtechnik, Sensorik und Digitalisierung.

Sowohl für die Wasserversorgung und -verteilung als auch für die Regenbewirtschaftung existieren bereits Einzellösungen, jedoch kein integriertes Gesamtsystem. Um ein smartes System zu erarbeiten, werden auf Quartiersebene technische Systeme durch die Unternehmenspartner implementiert, Daten zu Wasserbedarfen, -mengen, -temperaturen etc. erhoben und seitens des Fraunhofer ISI integriert ausgewertet. Durch eine Zusammenführung der Einzelkomponenten wird ein zukunftsfähiges und effizientes Wasser- und Regenwassermanagement ermöglicht. Im Kern stehen die intelligente Verknüpfung von Daten, die Erprobung und Auswertung neuer technischer Lösungen und Maßnahmen der Bewusstseinsbildung und Verhaltensänderungen.

Das Teilprojekt »Use-Case Außen« hat durch die Installation eines intelligenten Regenwassermanagements für die Bewässerung von Stadtbäumen sowie die Entlastung der Kanalisation im Starkregenfall einen Anwendungsfall für eine effiziente und erlebbare Regenwassernutzung auf Quartiersebene entwickelt. Im Rahmen des Projektes werden über 3 ½ Jahre Daten erhoben und ausgewertet. Die Ergebnisse werden zur Ermittlung von Effizienzsteigerungspotenzialen bei der Wasserver- und entsorgung für Bremen genutzt.

Ziel des »Use-Case Außen« ist die Bewertung und Weiterentwicklung datenbasierter Innovationen zur Effizienzsteigerung (Wasser und Energie) der Trinkwasserversorgung und des Regenwassermanagements in Bestandsquartieren. Es werden Lösungen im Gesamtsystem verknüpft, bewertet und Optimierungspotenziale identifiziert.

Das Projekt verfolgt folgende Teilziele:

  1. Wissenschaftliche Begleitung und Evaluierung entwickelter Konzepte für eine effiziente, klimaresiliente, hygienische und kosteneffiziente Trinkwasser- und Regenwasserversorgung sowie deren Wechselwirkungen.
  2. Konzeption eines Datenökosystems als Basis für Datenmanagement, Steuerung und Optimierung, verbunden mit Strategien zur Sicherung von Datenqualität und nachhaltiger Ressourcennutzung.
  3. Förderung von Kooperationen und Wissenstransfer durch Ideenaustausch und gemeinsame Projektarbeit.
  4. Öffentlichkeitsarbeit und Sichtbarkeit der Ergebnisse durch Fachkommunikation, Marketing und Einbindung relevanter Akteure.
  5. Sicherstellung wissenschaftlicher Unabhängigkeit, um eine neutrale Bewertung der entwickelten Konzepte und Technologien zu gewährleisten, Interessenskonflikte zu vermeiden, Transparenz zu schaffen und die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Städte und Quartiere zu ermöglichen.

Pilotquartier in der Gartenstadt-Süd in Bremen

Die Innovationen werden im Quartier Gartenstadt-Süd der GEWOBA in Bremen installiert und auf ihre Wirksamkeit über einen Zeitraum von 3 Jahren wissenschaftlich begleitet getestet. Im Außenbereich wird ein neuartiges Regenwassermanagement umgesetzt, welches sowohl mit Starkregen (sehr hoher Anfall von Wasser in kurzen Zeitabschnitten - Überflutungsgefahr) als auch mit Dürreperioden (hohe Wasserbedarfe bei ausbleibenden Niederschlägen, Bewässerungsbedarf der Außenanlagen) umgehen und die erforderlichen resp. anfallenden Wassermengen managen kann. Ein wichtiger Baustein ist die Erarbeitung eines effizienten Bewässerungssystems, das den Einsatz von Trinkwasser reduziert und die Ökosystemdienstleistungen der grünen Außenanlagen verbessern soll.

Auch innerhalb der Gebäude wird in einem Teilprojekt zum Thema Wasser- und Energieeffizienz geforscht. Die geplanten Maßnahmen bestehen beispielsweise darin, smarte Armaturen wie z. B. Wassersparduschen sowie separate Brauch- und Trinkwasserkreisläufe innerhalb von Wohnungen einzubauen. Ziel des Gesamtvorhabens ist es, Ressourcen lokal, nachhaltig und sparsamer einzusetzen.

Das InDigWa-Innovationsnetzwerk ist bestrebt, durch seine interdisziplinäre Zusammenarbeit und den Einsatz modernster Technologien einen bedeutenden Beitrag zur Weiterentwicklung des urbanen Wassermanagements zu leisten. Die Partner sind zuversichtlich, dass ihre gemeinsamen Bemühungen zu einem nachhaltigen und effizienten Trinkwasserversorgungmodell der Zukunft führen werden, welches Vorbild für viele Stadtquartiere in Deutschland werden kann.

Die Datenerhebung im »Use-Case Außen« hat Ende des Jahres 2025 begonnen, erste Zwischenergebnisse werden im Laufe des Jahres 2026 erwartet.

Publikationen und weitere Informationen

Laufzeit

01.07.2025 bis 31.12.2028

Auftraggeber

  • GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen
  • HAURATON GmbH & Co. KG
  • RX WATERTEC GmbH
  • swb Vertrieb Bremerhaven GmbH & Co. KG

Partner im Gesamtvorhaben

  • BEULCO GmbH & Co. KG
  • Elvaco AB
  • Fraunhofer IAO
  • Fraunhofer IGB
  • Georg Fischer AG
  • GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen
  • HAURATON GmbH & Co. KG
  • RX WATERTEC GmbH
  • swb Vertrieb Bremerhaven GmbH & Co. KG
  • VIEGA GmbH und Co. KG

Webseite des Gesamtvorhabens

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Fraunhofer Morgenstadt unter InDigWa-Netzwerk.

Parallel zur Weltklimakonferenz startete am 10. November 2025 die Datenerhebung: 

Video: GEWOBA