Projekt

Szenarien der globalen Welt(un)ordnung und Implikationen für Europa

Die geopolitische Landschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: Bisher stabile politische, militärische und wirtschaftliche Bündnisse geraten unter Druck oder erodieren. Parallel dazu entstehen neue Partnerschaften. Auch die Formen der Zusammenarbeit und Interaktion sind im Wandel begriffen. Europa muss seine Rolle in dieser sich verändernden Welt aktiv neu definieren, und sich fragen, wie es in einer zunehmend unübersichtlichen Weltordnung handlungsfähig bleiben und seine strategischen Interessen sichern kann.

Um einen Beitrag zu dieser strategischen Debatte zu leisten, hat die Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI einen partizipativen Szenarioprozess mit Stakeholdern und Expert:innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durchgeführt. Ziel des Szenarioprozesses war es, fundierte Einsichten zu gewinnen, wie die Welt(un)ordnung in zehn Jahren aussehen könnte und daraus Handlungsfelder für Akteure in Deutschland und Europa abzuleiten.

Entlang der beiden zentralen Unsicherheiten – Anzahl und Stabilität internationaler Machtkonfigurationen – wurden sechs unterschiedliche Szenarien entwickelt, die Einblicke in mögliche Entwicklungspfade der globalen (Un-)Ordnung im Jahr 2035 und ihre heutigen Implikationen für Europa bieten.

Im Rahmen eines Side Events während der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 diskutierten Expert:innen Chancen und Risiken, die sich aus den Szenarien ergeben.

Zentrales Element des Szenarioprozesses waren interaktive Workshops mit Expert:innen und Stakeholdern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. In diesen Workshops wurden gemeinsam die Szenariokerne entwickelt und strategische Handlungsoptionen abgeleitet, mit denen Deutschland und Europa der Unsicherheit globaler Machtverschiebungen heute begegnen könnten. Als Input in den Prozess diente eine systematische Auswertung Beiträge zu der Thematik aus Wissenschaft, Medien und strategischer Vorausschau. Aus dieser Analyse ergaben sich die beiden zentralen Achsen Anzahl und Stabilität internationaler Machtkonfigurationen und weitere wichtige Einflussfaktoren.

Aus dem Prozess sind sechs Szenarien internationaler Machtkonfigurationen im Jahr 2035 entstanden, die dabei helfen sollen, mögliche Entwicklungspfade zu erkennen und Entscheidungen vorausschauend zu gestalten:

  •  Weltordnung made in China und America Great Again: zwei Weltordnungen, die von je einem hegemonialen Akteur – China oder den USA – dominiert werden
  •  Two Men Show: zwei mächtige Blöcke – die USA und China –, die sich in einem fragilen Gleichgewicht gegenüberstehen
  •  Fünf-Körper-Problem: eine polyzentrische Weltordnung mit fünf weitgehend autarken, protektionistischen Machtzentren: den USA, China, Russland, Indien und der EU
  •  Autoritäre Internationale: ein autoritär-populistisches Machtgefüge, getragen von persönlicher Diplomatie und ideologischer Nähe
  •  Jenseits der Staaten: eine Welt, in der staatliche Autorität schwindet und nicht staatliche Akteure die globale Ordnung prägen

Weiterhin wurden vier zentrale Handlungsfelder identifiziert:

  •  Effektive Entscheidungsfindung
  •  Glaubwürdige Abschreckung
  •  Strategische Resilienz
  •  Soziale Nachhaltigkeit

Laufzeit

01/2025 – 09/2025

Auftraggeber

  • Bertelsmann Stiftung