Vom Innovationsmanager zum Systemarchitekten: Wie KI das Innovationsmanagement verändert
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Werkzeuge, mit denen Unternehmen Innovationen vorantreiben. Sie hat das Potenzial, grundlegend neu zu definieren, wie Innovationsprozesse gestaltet, gesteuert und miteinander vernetzt werden. Der Joint Innovation Hub (JIH) des Fraunhofer ISI skizziert drei Zukunftsbilder für ein KI-gestütztes Innovationsmanagement und zeigt, was sie für die Rolle von Innovationsmanagerinnen und Innovationsmanagern bedeuten.
In der Diskussion über KI im Innovationsmanagement steht meist das Werkzeug im Mittelpunkt: KI recherchiert schneller, generiert mehr Ideen und bereitet Entscheidungen vor. Der eigentliche Wandel reicht jedoch tiefer. Wenn KI in alle Phasen des Innovationsprozesses vordringt, verändert sich auch die Rolle derjenigen, die diesen Prozess verantworten.
Vom Koordinator zum Architekten
Statt einzelne Prozessschritte zu koordinieren, werden Innovationsmanagerinnen und Innovationsmanager zunehmend zu Architektinnen und Architekten intelligenter Innovationssysteme. Ihre Aufgabe besteht darin, Menschen, Technologien und Wissen so miteinander zu verbinden, dass neue Ideen entstehen und Innovationen gezielt vorangetrieben werden können.
Wie diese Rolle in der Praxis aussieht, hängt davon ab, wie sich der Einsatz von KI in Organisationen entwickelt. Am Joint Innovation Hub beschäftigen wir uns dazu mit drei Zukunftsbildern, die unterschiedliche Perspektiven auf ein KI-gestütztes Innovationsmanagement eröffnen. Sie lassen sich als aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen lesen, können in Organisationen aber auch nebeneinander auftreten.
Zukunftsbild 1: Augmentierter Prozess – KI beschleunigt, der Mensch kuratiert
Im ersten Zukunftsbild wird KI sukzessive in bestehende Innovationsprozesse integriert. Welche Prozessschritte zuerst unterstützt werden, steuern die verfügbaren Daten und die Abwägung möglicher Risiken. KI macht die Entwicklung von Ideen schneller und hochwertiger. In kurzer Zeit entstehen deutlich mehr ausgearbeitete Ideen als bisher und weisen einen höheren Reifegrad auf. Auch die Entwicklung von Business Cases, der spätere Entwicklungsprozess und die Phase der Markteinführung erfährt eine zunehmende Integration von KI.
Damit verschiebt sich der Engpass: Nicht mehr die Ideengenerierung begrenzt den Prozess, sondern die Fähigkeit der Organisation, Ergebnisse zu bewerten, auszuwählen und weiterzuverarbeiten. Für das Innovationsmanagement rücken drei Aufgaben in den Vordergrund: das Design wirksamer Systeme, das Kuratieren der KI-Ergebnisse und die Orchestrierung des Zusammenspiels von Mensch und KI.
Zukunftsbild 2: Lernendes System – ein Prozess, der mitlernt
Im zweiten Zukunftsbild wird der Innovationsprozess selbst lernfähig. Jede Innovation, die ihn durchläuft, liefert Erfahrungen zu Annahmen, Entscheidungen und Ergebnissen. Der Prozess wertet diese Erfahrungen aus und verbessert sich so kontinuierlich selbst.
Das Innovationsmanagement wird damit zur Steuerungsinstanz eines lernenden Systems. Es verknüpft Daten aus unterschiedlichen Quellen und Prozessphasen, etabliert eine Governance, die festlegt, wie das System lernen und wirken darf, und steuert Ressourcen dorthin, wo sie die größte Wirkung entfalten.
Zukunftsbild 3: Dezentrale Innovation – Innovation entsteht überall
Im dritten Zukunftsbild liegt der Fokus auf die Reduzierung von Hürden durch KI, Ideen zu tragbaren Konzepten zu entwickeln. Was bislang Methodenwissen, Zeit und spezialisierte Teams erforderte, wird für viele Mitarbeitende zugänglicher. Innovation wird zur Aufgabe vieler und nicht mehr allein einer zentralen Einheit.
Das Innovationsmanagement verliert in diesem Bild nicht an Bedeutung, es verändert seinen Charakter und blickt neuen Herausforderungen entgegen. Es gestaltet den Rahmen, in dem dezentrale Innovation kontrolliert stattfinden kann, coacht Mitarbeitende in Innovationsmethoden und schafft Anreize, damit gute Ideen und Ideencluster ihren Weg in die Organisation finden und zu echter Innovation werden.
Mehr als eine Frage der Technologie
Aus den drei Zukunftsbildern geht hervor: Der Einsatz von KI im Innovationsmanagement ist weit mehr als eine Frage technologischer Möglichkeiten. Er fordert Organisationen dazu auf, etablierte Strukturen, Verantwortlichkeiten und Formen der Zusammenarbeit neu zu denken.
Entscheidend bei dieser Veränderung ist nicht die vollständige Automatisierung des Innovationsprozesses, sondern das kluge Zusammenspiel von Mensch und KI. Die Architektin oder der Architekt dieses Zusammenspiels ist das Innovationsmanagement.
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