Projekt

Kritische Rohstoffe – Herausforderungen, Potenziale und Innovationsbedarfe

Studienkonzept für die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)

 

 

Die Versorgung mit kritischen und strategischen Rohstoffen ist für Deutschland und die Europäische Union von zentraler Bedeutung. Sie betrifft Schlüssel- und Zukunftstechnologien der grünen und digitalen Transformation ebenso wie Fragen wirtschaftlicher Resilienz, technologischer Handlungsfähigkeit und ökonomischer Souveränität. Gleichzeitig bestehen erhebliche Versorgungsrisiken, etwa durch geografisch konzentrierte Primärproduktion, Importabhängigkeiten, volatile Preise, geopolitische Unsicherheiten sowie begrenzte Recycling- und Substitutionsmöglichkeiten. Vor diesem Hintergrund sollen Herausforderungen, Handlungsoptionen und Innovationsbedarfe im Umgang mit kritischen Rohstoffen systematisch untersucht und politisch eingeordnet werden.

Das Projekt verfolgt das Ziel, ein fundiertes Verständnis der Rohstoffversorgungssicherheit in Deutschland und der EU zu entwickeln und daraus Implikationen für ökonomische und technologische Souveränität abzuleiten. Dazu werden kritische und strategische Rohstoffe nach der EU-Systematik betrachtet, insbesondere mit Blick auf Primär- und Sekundärproduktion, Außenhandel, Importabhängigkeiten, Nachfragesektoren, Zukunftstechnologien und Preisentwicklungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Risiken sich aus bestehenden Versorgungsstrukturen ergeben und welche Rohstoffe für Schlüsseltechnologien besonders relevant sind.

Darauf aufbauend analysiert das Projekt Handlungsoptionen zur Sicherung ökonomischer Souveränität: die Erschließung neuer Bezugsquellen, Materialsubstitution, effizientere Nutzung kritischer Rohstoffe sowie Recycling und weitere Circular-Economy-Ansätze. Ergänzend werden technische, rechtliche und wirtschaftliche Hindernisse untersucht und innovations- sowie industriepolitische Maßnahmen abgeleitet. Methodisch stützt sich die Studie auf Literatur- und Dokumentenanalysen, Datenbanken zu Rohstoffproduktion, Handel und Forschungsförderung, Patent- und Projektanalysen.

Die Studie zeigt, dass hohe Importabhängigkeiten und die geografische Konzentration der Rohstoffförderung und -verarbeitung die Versorgungssicherheit Deutschlands und der EU gefährden, während die grüne und digitale Transformation den Bedarf weiter erhöht. Neue Bezugsquellen und heimische Vorkommen bieten Diversifizierungspotenziale, doch Rohstoffpartnerschaften haben bislang keine substanziellen praktischen Ergebnisse erzielt und die Erschließung eigener Lagerstätten steht vor wirtschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Hürden. Die Analyse von sieben besonders kritischen Rohstoffen verdeutlicht, dass Effizienzsteigerung und Substitution zur Bedarfsreduktion beitragen können, ihre Potenziale und Grenzen jedoch stark vom jeweiligen Rohstoff, Anwendungskontext und technologischen Reifegrad abhängen. Recycling stärkt langfristig die Resilienz, kann akute Versorgungsengpässe aber nicht ausgleichen und erfordert neben geeigneten Rückgewinnungstechnologien auch recyclinggerechtes Produktdesign, bessere Informationsflüsse sowie leistungsfähige Sammel- und Logistiksysteme. Für eine nachhaltige und resiliente Rohstoffversorgung empfiehlt die Studie einen langfristig koordinierten innovations- und industriepolitischen Instrumentenmix, der rohstoffspezifische Hemmnisse adressiert und durch internationale Kooperation, geeignete Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Akzeptanz flankiert wird.

Publikation

  • Tercero Espinoza, L.; Ivanova, D.; Kunze, S.; Eberling, E.; Langkau, S.; Schwabe, C.; Hummler, A.; Ostertag, K. (2026): Kritische Rohstoffe – Herausforderungen, Potenziale und Innovationsbedarfe. Studie im Auftrag der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). Karlsruhe: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Laufzeit

01.12.2025 bis 01.09.2026

Auftraggeber

Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)