Projekt

Innovation Fund Competitive Bidding

Der Innovation Fund ist eines der weltweit größten EU-Förderprogramme für innovative klimaneutrale Technologien und wird aus Einnahmen des EU-Emissionshandels (EU ETS) finanziert. Neben klassischen Zuschüssen wird seit 2023 mit der wettbewerblichen Vergabe von Fördermitteln über Auktionen („competitive bidding“) ein ergänzender Mechanismus eingesetzt, um marktnahe Preisfindung zu ermöglichen und die Kosteneffizienz der Förderung zu erhöhen.

Das Projekt Innovation Fund Competitive Bidding wurde 2022 erstmals ausgeschrieben und als zweiphasiges Gesamtvorhaben umgesetzt. Fraunhofer ISI übernahm die Gesamtprojektleitung und koordinierte ein interdisziplinäres Konsortium aus mehreren Partnern. Inhaltlich verantwortete Fraunhofer ISI die ökonomische Konzeption, das Design sowie die Weiterentwicklung der Auktionsmechanismen, darunter Fixed-Premium-Ansätze, Contracts for Difference (CfD) und Carbon Contracts for Difference (CCfD). In enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission (DG CLIMA) und der Implementierungsagentur CINEA begleitete das Projekt die schrittweise Einführung und Ausgestaltung wettbewerblicher Vergabeverfahren im Innovation Fund, die im Kontext der Europäischen Wasserstoffbank erstmals praktisch angewendet wurden und seither unter führender Mitwirkung des Fraunhofer ISI weiterentwickelt werden.

 

Die Erreichung der EU-Klimaziele bis 2030 und der Klimaneutralität 2050 erfordert einen erheblichen Investitionshochlauf in innovative klimaneutrale Technologien, insbesondere in kapitalintensiven, risikoexponierten und international wettbewerbsintensiven Sektoren. Zwar setzt der EU-Emissionshandel mit der CO₂-Bepreisung einen zentralen ökonomischen Anreiz zur Dekarbonisierung, doch reichen Preissignale allein häufig nicht aus, um Investitionen in neue Technologien mit hohen Vorlaufkosten, langen Amortisationszeiten und unsicheren Absatzmärkten auszulösen.

Vor diesem Hintergrund verfolgt die Europäische Kommission das Ziel, den EU-Emissionshandel durch gezielte Fördermechanismen zu ergänzen. Der Innovation Fund wurde als zentrales Förderinstrument etabliert, um Projekte in der Phase zwischen Demonstration und Markthochlauf zu unterstützen. Mit der Ausweitung des Fonds und dem steigenden Förderbedarf gewann die Frage an Bedeutung, wie begrenzte öffentliche Mittel möglichst effizient eingesetzt werden können.

Die Einführung wettbewerblicher, auktionsbasierter Vergabeverfahren zielt darauf ab, Fördermittel auf jene Projekte zu konzentrieren, die mit dem geringsten Unterstützungsbedarf realisiert werden können und marktnahe Preisfindung zu ermöglichen. Wasserstoffauktionen wurden dabei als ein zentraler Anwendungsfall identifiziert, da der Hochlauf erneuerbaren Wasserstoffs mit hohen Kostenrisiken, fehlenden Referenzmärkten und unsicherer Nachfrage verbunden ist und sich als homogenes Gut zugleich gut für Auktionen von Fördermitteln eignet.

 

 

Das Projekt unterstützt die Europäische Kommission (DG CLIMA) bei der Konzeption und Umsetzung von wettbewerblichen Ausschreibungsmechanismen im Rahmen des EU-Innovationsfonds. Ziel ist es, die Markteinführung innovativer CO₂-armer Technologien zu beschleunigen, indem Fördermittel über fixe Prämien, Contracts for Difference (CfD) und Carbon Contracts for Difference (CCfD) vergeben werden. In der ersten Phase lag der Schwerpunkt auf der ökonomischen Bewertung verschiedener Auktionsdesigns sowie der Entwicklung der rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen für eine Pilotauktion. In der zweiten Phase erfolgt eine kontinuierliche Begleitung der Umsetzung, die Weiterentwicklung von Auktionsdesigns für zusätzliche Sektoren sowie die Unterstützung von Business Intelligence, Kommunikation und Dissemination. 

Das Konsortium vereint techno-ökonomische Analysen, juristische Expertise und praxisorientierte Politikberatung. Fraunhofer ISI und Guidehouse übernehmen die Entwicklung der Auktionsschemata, BBH bringt rechtliche und Governance-Aspekte ein, während ICF Analyse und Dissemination unterstützt. Unter anderem wurden Tools entwickelt, um das Bietverhalten in Wasserstoffauktionen zu simulieren und die Kosteneffizienz von Dekarbonisierungstechnologien unter einem möglichen CCfD-Schema zu vergleichen. Zudem wurden Aspekte des Beihilferechts, der Haushaltsordnung sowie die Einführung des Auction-as-a-Service-Mechanismus für Mitgliedstaaten berücksichtigt.

 

Die Arbeiten bildeten die zentrale Grundlage für die EU-weiten Wasserstoffauktionen IF23 und IF24 im Rahmen des Innovation Fund.

Die Pilotauktion, die IF23 Hydrogen Auction, wurde mit maßgeschneiderten IF23 Terms & Conditions sowie Vertragsstrukturen für erfolgreiche Bieter vorbereitet und Ende 2023 gestartet.

Im Rahmen der Pilotauktion wurden innerhalb des Auktionsclearings sieben Projekte ausgewählt, die insgesamt rund € 720 Mio. an EU-Fördermitteln erhalten sollen. Diese Projekte reichten Gebote zwischen etwa € 0,37 und € 0,48 pro Kilogramm erneuerbaren Wasserstoffs ein und sind über vier europäische Länder verteilt.

Die Ergebnisse können auf der offiziellen Seite der Kommission eingesehen werden: Offizielle Ergebnisse der IF23 Hydrogen Auction

In der zweiten Runde, der IF24 Hydrogen Auction, wurde neben der allgemeinen Auktion ohne spezifische Abnehmervorgaben erstmals ein dediziertes Budget für den maritimen Sektor vorgesehen (siehe IF24 Terms & Conditions).

Die Auktion startete mit einem Gesamtbudget von € 1,2 Mrd., davon € 200 Mio. für Projekte mit maritimen Abnehmern. Insgesamt wurden 15 Projekte zunächst ausgewählt, darunter 12 Projekte im allgemeinen Segment (Gebote zwischen € 0,20 und € 0,60/kg) sowie drei Projekte im maritimen Segment (Gebote zwischen € 0,45 und € 1,88/kg). Weitere Details sind auf der Kommissionsseite dokumentiert: Offizielle Ergebnisse der IF24 Hydrogen Auction

Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die Ausgestaltung des Auction-as-a-Service-Mechanismus, der es Mitgliedstaaten erlaubt, nationale Fördermittel gezielt in EU-weite Auktionen einzubringen und so europäische und nationale Ressourcen zu verzahnen. Die IF24-Auktion markiert die erste erfolgreiche praktische Anwendung dieses Mechanismus im Rahmen einer Innovation-Fund-Auktion, bei der Österreich, Spanien und Litauen nationale Fördermittel in die EU-weite Auktion einbrachten.

Darüber hinaus tragen die Arbeiten zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Auktionsdesigns bei und sichern den systematischen Wissenstransfer für künftige Innovationsfonds-Auktionen, auch mit Blick auf weitere Sektoren und Anwendungsfelder

Laufzeit

(1.+2. Phase) : Juni 2022 – Juni 2025

Auftraggeber

  • Europäische Kommission (DG Climate Action)

Partner

  • Fraunhofer ISI (Projektkoordination)
  • Becker Büttner Held (BBH), Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater
  • Guidehouse
  • ICF International (ICFI)