European Manufacturing Survey

Der »European Manufacturing Survey (EMS)« wird seit 2001 von einem Konsortium aus Forschungsinstituten und Universitäten mehrerer europäischer und außereuropäischer Länder organisiert. EMS erfasst auf Betriebsebene die Nutzung technisch-organisatorischer Innovationen in der Produktion und die damit erzielten Verbesserungen der Leistungsfähigkeit im Verarbeitenden Gewerbe. Derzeit liegen Daten aus sechs Erhebungsrunden vor.  

Wirtschaftliches Wachstum und die Sicherung von Arbeitsplätzen sind von der Fähigkeit der Unternehmen zu Innovation abhängig. Innovation kann sich dabei auf neue oder verbesserte Erzeugnisse, Leistungen, Verfahren, Organisationsformen, Märkte und anderes beziehen. Entsprechend wird die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen nicht nur über die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte und Dienstleistungen, sondern auch durch die entsprechenden Erstellungsprozesse bestimmt. Produktionskosten, Lieferflexibilität oder Qualität sind hier wichtige Größen.

Verschiedene Erhebungen versuchen die Innovationsaktivitäten der Wirtschaft zu erfassen, Rückstände einzelner Sektoren oder Regionen aufzuzeigen und die Situation in Deutschland mit anderen Ländern zu vergleichen. Dabei liegt der Schwerpunkt zumeist auf Indikatoren zur Produktinnovation. Prozessinnovationen werden kaum oder wenig detailliert erfasst.

Um diese Lücke zu schließen und vorliegende Erhebungen zu ergänzen, entwickelte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) 1993 die Erhebung Modernisierung der Produktion. Diese Erhebung wurde 2001 internationalisiert und zum European Manufacturing Survey (EMS) ausgebaut. Ziel ist es, einen lediglich landessprachlich angepassten Kern von Fragen in allen Partnerländern zu nutzen und somit international vergleichbare Daten zu erheben und international vergleichende Analysen durchführen zu können.

Der »European Manufacturing Survey« (EMS) umfasst einen im EMS-Konsortium gemeinsam abgestimmten Kern an Indikatoren zu den Innovationsfeldern »Technische Modernisierung der Wertschöpfungsprozesse«, »Einführung innovativer organisatorischer Konzepte und Prozesse« sowie »Neue Geschäftsmodelle zur Ergänzung des Produktangebots um innovative Dienstleistungen«. Diese Kernfragen werden in allen beteiligten Ländern erhoben. Darüber hinaus werden in einzelnen Ländern zusätzlich Daten zu spezifischen Fragestellungen erfasst. Die zugrundeliegende Idee ist es, einen gemeinsamen Teil der Fragen über mehrere Wellen hinweg konstant zu halten, andere gemeinsame Fragen jeweils je Erhebungsrunde entsprechend aktuellen Problemstellungen aus dem Themenkreis Innovation in der Produktion anzupassen sowie Raum zu geben für einige länder- beziehungsweise projektspezifische Themenstellungen.

EMS wird mehrheitlich als schriftliche Betriebsbefragung durchgeführt. Zur Vorbereitung multinationaler Analysen werden die nationalen Daten einer gemeinsamen Validierungs-/Harmonisierungsprozedur unterzogen.

Die letzte Erhebung EMS 2015/2016 konnte in 11 Ländern realisiert werden. Durch die Kooperation war es möglich, Informationen zum Einsatz innovativer Organisations- und Technikkonzepte bei der Herstellung von Produkten und Dienstleistungen sowie Leistungsindikatoren wie Produktivität, Flexibilität und Qualität von über 3.000 Firmen des produzierenden Gewerbes aus 9 europäischen Ländern für Analysen aufzubereiten.

EMS wird von einem Konsortium aus Forschungsinstituten und Universitäten verschiedener europäischer und außereuropäischer Länder getragen. Die Koordination liegt beim Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI. Dem EMS-Netzwerk angeschlossen sind derzeit folgende Institutionen:

  • Dänemark: Universität Süddänemark, Mads Clausen Institut für Marketing & Management, Sönderborg und Odense 
  • Deutschland: Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe 
  • Italien: Institut für Industrietechnologien und Automatisierung (ITIA-CNR), Mailand 
  • Kroatien: Universität in Zagreb, Fakultät für Wirtschaft, Universität in Split, Fakultät für Technologien 
  • Litauen: Technische Universität Kaunas, Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, Kaunas
  • Niederlande: Radboud Universität, Nijmegen School of Management, Nijmegen
  • Österreich: AIT Austrian Institute of Technology, Foresight & Policy Development Department, Wien 
  • Portugal: UNIDEMI - Research Unit in Mechanical and Industrial Engineering, Fakultät für Forschung und Technologie, Neue Universität, Lissabon 
  • Schweden: Universität Gävle, Universität Jönköping, Universität Chalmers und Luleå
  • Schweiz: Hochschule für Wirtschaft Luzern, Institut für Betriebs- und Regionalökonomie (IBR), Luzern 
  • Serbien: Universität Sad, Fakultät für Technische Wissenschaften 
  • Slowenien: Universität Maribor, Fakultät für Mechanik, Maribor 
  • Slowakei: Technische Universität Košice, Košice
  • Spanien: Universität Girona, Polytechnische Hochschule, Fakultät für Verwaltung und Produktdesign 
  • Tschechien: Wirtschaftsuniversität Prag, Zentrum für Digitale Transformation, Prag

Analysen der nationalen Datensätze des EMS dienen der Verbesserung des wissenschaftlichen Kenntnisstandes sowie der Politikberatung zum Zwecke der Evaluierung von technologie- oder wirtschaftspolitischen Maßnahmen und der Information von Verbänden und Gewerkschaften in den einzelnen Ländern. Darüber hinaus werden in Forschungskooperationen multinational vergleichende Analysen durchgeführt.

Die Daten des European Manufacturing Survey (EMS) bilden zudem die Basis für ein aufschlussreiches Performance-Benchmark, welches Unternehmen die Möglichkeit bietet, ihre Betriebe mit anderen Betrieben national wie auch länderübergreifend zu vergleichen. Nähere Informationen dazu finden Sie auf den Seiten des Online-Benchmarking des Fraunhofer ISI.

Publikationen

Status

laufend

Auftraggeber

Eigenforschungsprojekt