Die Transformation zu einer nachhaltigen Bioökonomie zielt darauf ab, ökologische Zielsetzungen und wirtschaftliche Entwicklung kohärent miteinander zu verbinden. Eine zentrale Herausforderung liegt dabei weniger im Mangel an wissenschaftlichen oder technologischen Lösungen. Vielmehr zeigen sich Defizite in der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse und technologischer Entwicklungen in konkrete internationale Anwendungs-, Markt- und Governance- Kontexte. Zahlreiche bioökonomische Innovationen verfügen über ein hohes technisches Reifegradniveau, scheitern jedoch an der systematischen Überführung in neue regionale, institutionelle und wirtschaftliche Zusammenhänge. In der Folge bleiben erhebliche Potenziale zur Substitution fossiler Ressourcen und zur Reduktion von Treibhausgasemissionen ungenutzt.
Im internationalen Kontext stellt dieser Transfer besondere Anforderungen. Er setzt belastbares Orientierungswissen über regionale Ressourcenverfügbarkeiten, Akteursstrukturen, innovationspolitische Prioritäten sowie institutionelle Rahmenbedingungen voraus. In den Innovationssystemen Süd- und Südostasiens entstehen derzeit wachsende Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft. Länder wie Thailand, Malaysia und die Philippinen unterstützen den bioökonomischen Wandel gezielt durch öffentliche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie durch eine zunehmende internationale Öffnung ihrer Innovationssysteme.
Damit diese Dynamik für internationale Forschungs- und Innovationskooperationen nutzbar wird, ist jedoch eine strategische Einordnung der regionalen Kontexte erforderlich. Fehlendes oder nur fragmentiertes Wissen über lokale Ressourcenströme, politische Zielsetzungen und institutionelle Zuständigkeiten erschwert die Übertragung von Forschungsergebnissen in Anwendungskontexte und erhöht Kooperationsrisiken. Vor diesem Hintergrund besteht ein zentraler Bedarf an systematisch aufbereitetem Orientierungswissen, das internationale Bioökonomie-Potenziale sichtbar macht und eine fundierte Grundlage für Transfer- und Kooperationsentscheidungen bietet.