Projekt

Regionaler Transformationsdruck – Wirtschaftliche Disparitäten in der grünen Transformation österreichischer Regionen

Mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 – und damit zehn Jahre früher als in Europäischen Union – sind in Österreich zeitnahe und tiefgreifende Veränderungen zur Treibhausgasreduktionen verbunden. Besonders herausgefordert bei der Erreichung des „Netto-Null-Ziels“ sind die emissionsintensiven Bereiche wie Industrie, Verkehr und Energie; aber auch etablierte Arbeitsweisen und Produktionsprozesse in der Wirtschaft insgesamt sowie weite Bereiche der Gesellschaft stehen vor tiefgreifenden Veränderungen. Die Notwendigkeit der Transformation in Richtung Klimaneutralität übersetzt sich zudem je nach Branchenstruktur in eine unterschiedliche regionale Betroffenheit. Dieser sogenannte „Transformationsdruck“ ist dementsprechend in den Regionen besonders hoch, die nach wie vor von einer hohen Energie- und Ressourcenintensivität der Wirtschaft geprägt sind.

Vor diesem Hintergrund stellt die gegenständliche Studie eine erste systematische Analyse des Zusammenhangs zwischen Dekarbonisierung und Beschäftigung für Österreich dar. Im Kern zielt die Untersuchung darauf ab, die Entwicklung von branchenspezifischen CO2-Emissionen und Beschäftigungszahlen auf Ebene der 35 österreichischen NUTS-3-Regionen zwischen 2011 und 2023 nachzuzeichnen und regionale Muster bzw. Disparitäten in der grünen Transformation festzustellen.

Im Mittelpunkt dieser Studie stehen die Analyse, wie sich die Dekarbonisierung bisher auf Wirtschafts- und Beschäftigungsstrukturen in Österreich ausgewirkt hat, welche räumlichen Unterschiede bestehen und wie besonders von der Transformation betroffene Regionen mit den Herausforderungen umgehen (können).

Die Studie basiert auf unterschiedlichen methodischen Zugängen

  • Datenanalyse: Auswertung und Gegenüberstellung von CO₂-Emissions-, Beschäftigungs- und Wirtschaftsdaten auf sektoraler, nationaler und regionaler Ebene für den Zeitraum 2011 bis 2023. Besonderer Fokus auf energieintensive Industrien des Verarbeitenden Gewerbes bzw. unter Transformationsdruck stehender Branchen (insb. Automobilindustrie) und Identifizierung der regionalen Betroffenheit (auf Ebene der 35 österreichischen NUTS-3-Regionen).
  • Dokumenten- und Literaturanalysen: Ergänzende Literatur- und Dokumentenauswertungen, um die Ergebnisse der Datenanalyse vor dem Hintergrund rezenter Entwicklungen nach 2023 – bspw. rückläufige industrielle Wertschöpfung, Energiepreiskrise, geopolitische Instabilitäten – einzuordnen.
  • Regionale Fallstudien: Durchführung von interview- und datenbasierten Fallstudien in den vier energieintensiven bzw. transformationsbetroffenen Regionen Östliche-Obersteiermark, Niederösterreich-Süd, Steyr-Kirchdorf und Traunviertel. Kontextualisierung der statistischen Auswertungen und Fokus auf Einschätzungen zu bereits vollzogenen Entwicklungen, Herausforderungen, Chancen und Best-Practices beim Übergang in klimaneutrale Industriestrukturen.

Auf nationaler Ebene zeigt sich ein erfolgreiches Decoupling, d.h. eine Dekarbonisierung bei gleichzeitigem Beschäftigungs- und Wirtschaftswachstum. Da Daten zu CO2-Emissionen auf kleinräumlicher Ebene nicht vorliegen, wurden die Emissionsdaten mit Hilfe regionaler Beschäftigtendaten regionalisiert (Shift-Share-Analyse). Anhand der so ermittelten regionalen CO2-Emissionen zeigt sich ein gemischtes Bild: Während der überwiegende Teil der Regionen im Untersuchungszeitraum erfolgreich dekarbonisieren konnte, zeigen sich steigende CO2-Emissionen in einigen Regionen im nördlichen Teil Österreichs. Insgesamt wird jedoch ein erfolgreiches regionales Decoupling deutlich, da ein systematischer Zusammenhang zwischen Emissionsreduktionen und Verlust von Beschäftigung oder Wertschöpfung nicht vorzuliegen scheint.

Wenngleich die energieintensiven bzw. transformationsbetroffenen Regionen vor besonderen Herausforderungen stehen (z.B. internationale Rohstoff- und Energieabhängigkeit, Fachkräftemangel und Abwanderung, Abhängigkeit von einzelnen Leitbranchen bzw. -betrieben), verfügen sie gleichermaßen über spezifische Kompetenzen, Strukturen und Potenziale in Wirtschaft und Wissenschaft, um den tiefgreifenden Wandel wertschöpfungssichernd gestalten zu können.

Laufzeit

10.2025-6.2026

Auftraggeber

Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien