Digitalisierung verändert perspektivisch Wirtschaftsformen und Beschäftigung

25.4.2018

Dienstleistungen und kollaborative Strukturen werden die Wirtschaft künftig stärker bestimmen. Dieses Fazit zog Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und Inhaberin des Lehrstuhls für Innovations- und TechnologieManagement am Karlsruher Institut für Technologie KIT, im Rahmen eines Vortrags vor Mitgliedern des Münchner Kaufmanns-Casinos e.V. Digitalisierung und Automatisierung wirken sich zudem auf die Arbeitswelt aus. Alles, was nicht standardisiert abläuft, hat Zukunft.

In ihrem Impulsreferat stellte Univ.-Prof. Dr. Weissenberger-Eibl den Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft wichtige Trendlinien vor, die bei einer zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaftswelt zu erwarten sind. Vor allem die Beschäftigung wird sich aus Sicht der Innovationsforscherin verändern. Projektübergreifende Erkenntnisse des Fraunhofer ISI zeigen, dass individuelle und teil-individualisierte Beratung ein großes Potenzial haben, um Märkte zu generieren und umzusetzen.

»Zwar könnten in Deutschland etwa 12 Prozent der Beschäftigten von einem Wegfall ihrer Arbeitsplätze durch Automatisierung betroffen sein«, so Univ.-Prof. Dr. Weissenberger-Eibl. »In erster Linie wandeln sich aber die Tätigkeiten und Tätigkeitsbereiche, darüber hinaus entstehen neue Berufsbilder. Diesen Wandel gilt es zu verstehen und zu gestalten.« Die Spezialisierung und Arbeitsteilung werden demnach weiter fortschreiten. Psychosoziale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung. Die Komplexität, die eine zunehmende Digitalisierung mit sich bringt, erfordert im Umkehrschluss Lösungskompetenzen in den Bereichen Entwicklung, Steuerung oder Optimierung.

Qualifizierung muss bedarfsorientiert erfolgen

Nachwuchskräfte müssen sich aus diesem Grund schon heute entsprechend qualifizieren: Die Bedienung von digitalen Technologien sowie der Umgang mit digitalen und sozialen Medien entwickeln sich zu einer Grundvoraussetzung des beruflichen Werdegangs. Das Lösen von komplexen Aufgabenstellungen in einem Unternehmen erfolgt künftig durch gut vernetze Teams über digitale Plattformen. Anpassungsfähigkeit ist vor dem Hintergrund der sich wandelnden Berufsbilder und Beschäftigungsformen eine der zentralsten Kompetenzen der Berufstätigen von morgen.

Lebenslanges Lernen als Schlüsselmerkmal

Zudem rücken individuelles Lernen und Weiterbildung als Erfolgsfaktor in den Mittelpunkt der beruflichen Karriere. »Wir werden uns fortlaufend und in hoher Geschwindigkeit in neue Fragestellungen und Fachgebiete einlernen müssen«, verdeutlichte Univ.-Prof. Dr. Weissenberger-Eibl den Anwesenden. Wissen und Kompetenzen müssen mit der technologischen Entwicklung Schritt halten. Zudem wird Lernen trotz der Fortschritte im Bereich Künstlicher Intelligenz mittelfristig ein Alleinstellungmerkmal des Menschen bleiben.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.