Durch mehr Energieeffizienz die Kosten zum Erreichen des 2-Grad-Ziels senken

2.12.2015

Die größten und die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften können helfen, die globale Erwärmung auf 2 Grad Celsius zu begrenzen und gleichzeitig 2,8 Billionen Dollar sparen – wenn sie Energieeffizienz eine hohe Priorität einräumen. Dies geht aus der Studie »How energy efficiency cuts costs for a 2-degree future« hervor, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI kürzlich veröffentlicht hat. Die Ergebnisse werden am 4. Dezember am Rande der Klimakonferenz in Paris vorgestellt, wo das Fraunhofer ISI auch mit drei weiteren Beiträgen vertreten ist.

Für die Studie »How energy efficiency cuts costs for a 2-degree future« hat das Fraunhofer ISI im Rahmen des Projekts DecarbEE die Rolle von Energieeffizienzoptionen in sechs für den Klimaschutz besonders relevanten Ländern und Regionen untersucht: den Vereinigten Staaten, der Europäischen Union, China, Indien, Brasilien und Mexiko. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben sich anhand mehrerer Entwicklungspfade mit der Frage auseinandergesetzt, wie mehr Energieeffizienz dabei helfen kann, das international vereinbarte Ziel einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu möglichst geringen Kosten zu erreichen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Einsatz neuer Effizienzmaßnahmen und -programme in den untersuchten Ländern große Kosteneinsparungen erzielen kann, die zudem stetig steigen – auf bis zu 250 Milliarden Dollar allein im Jahr 2030. Global würden sich die kumulierten Einsparungen zwischen 2015 und 2030 auf insgesamt 2,8 Billionen Dollar belaufen. Verglichen wurden ein Energieeffizienzpfad und ein energieintensiverer Dekarbonisierungspfad, der hauptsächlich auf eine CO2-freie Energiebereitstellung abzielt und nur wenig auf Energieeffizienz setzt. Die größten Ersparnisse auf dem Energieeffizienzpfad ergeben sich aus dem reduzierten Bedarf an Investitionen in neue Infrastrukturen zur Energieversorgung und aus geringeren direkten Energiekosten.

Dr. Jakob Wachsmuth, der das Projekt DecarbEE am Fraunhofer ISI geleitet hat, betont: »Unsere Ergebnisse zeigen, dass Energieeffizienz der Schlüssel ist, um die Kosten zu kontrollieren, die sich aus dem 2-Grad-Ziel ergeben. Jedes von uns untersuchte Land profitiert von einer Politik, die Energieeffizienz fördert. Wichtig ist jedoch, die Wahl der Effizienzpolitikmaßnahmen an die jeweiligen regionalen Gegebenheiten anzupassen: Jedes Land sollte eine eigene Strategie entwickeln, die zu den heimischen Gegebenheiten passt: So gibt es im Gebäudebereich in der EU und in den USA den größten Nachholbedarf bei der thermischen Sanierung des Bestands, während es in Indien wichtiger ist, ineffiziente Klimaanlagen auszutauschen und Energieeffizienz in Neubauten zu fördern.«

Dass sich Energieeffizienz zur Kostensenkung eignet, zeigt sich auch an den in der Vergangenheit etablierten Instrumenten: Die zwischen 2015 und 2030 anfallenden Kosten der Dekarbonisierung wurden alleine in den Vereinigten Staaten, in der Europäischen Union und in China bereits um mindestens 750 Milliarden Dollar reduziert – und zwar durch effizienzpolitische Instrumente, die seit 1990 umgesetzt wurden. Die meisten Ersparnisse stammen aus den Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie, beispielsweise durch Kraftstoffeinsparungen, Gerätestandards, Energiestandards von Gebäuden und industrielles Energiemanagement.

Die Studie »How energy efficiency cuts costs for a 2-degree future« kann unter www.climateworks.org/report/efficiency heruntergeladen werden. Jakob Wachsmuth wird diese zusammen mit dem Auftraggeber ClimateWorks und lokalen Experten am Freitag, 4. Dezember, am Rande der Klimakonferenz in Paris vorstellen (9 bis 10.30 Uhr, Fondation Charles Léopold Mayer / 38, rue Saint Sabin).

Das Fraunhofer ISI ist zudem im Rahmen der Klimakonferenz an drei offiziellen Side-Events beteiligt:

Am Montag, 7. Dezember (12.30 bis 14 Uhr, Deutscher Pavillon), stellt Dr. Vicki Duscha zusammen mit Ecofys, dem NewClimate Institute, dem Öko-Institut und dem Wuppertal Institut Projektergebnisse zum Thema »Enhancing Mitigation Action Pre- and Post-2020« vor.

Am Mittwoch, 9. Dezember, präsentiert das Fraunhofer ISI seine Arbeiten im Rahmen der BMBF-Begleitforschung zum Förderschwerpunkt »Ökonomie des Klimawandels« auf zwei Side-Events im EU-Pavillon:

  • 10.30 bis 12 Uhr: »The Economics of Climate Change: The Effect of Climate Policy on Innovation, Competitiveness and Employment. What are the economic benefits and costs of climate policies« (Prof. Dr. Joachim Schleich)
  • 14.30 bis 16 Uhr: »Technology in the 2015 Paris Agreement and Beyond« (Dr. Vicki Duscha)

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.