Projekt

Die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Roh- und Werkstoffen für Hochtechnologien – Präzisierung und Weiterentwicklung der deutschen Rohstoffstrategie (TAB Ressourcen)

Eine verlässliche Versorgung mit mineralischen Rohstoffen ist eine der Grundvoraus-setzungen für das Funktionieren der deutschen Industrie. Das Problem der Sicherung der Rohstoffversorgung Deutschlands ist nicht zuletzt wegen der Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten in den Vordergrund getreten. Diese Turbulenzen haben ihren Ursprung nicht in der Erschöpfung der Rohstoffvorkommen, sondern in einem Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Des Weiteren bereitet die Konzentration der Förderung auf wenige, politisch mitunter instabile Staaten bei einigen Rohstoffen große Sorge. Dieser Abhängigkeit kann zumindest kurzfristig nicht durch eine Erschließung von Rohstoffvorkommen in stabileren Staaten und Regionen entgegengewirkt werden.

Auf der Nachfrageseite ist neben dem Wachstum der Weltwirtschaft, auch der technologische Wandel zu berücksichtigen. Von einer breiten Diffusion von Zukunftstechnologien könnten wichtige Impulse für die Rohstoffnachfrage ausgehen. Gerade diese Technologien benötigen häufig spezielle metallische Rohstoffe.

Deutschland ist als rohstoffarmes Industrieland in besonderem Maße auf eine gesicherte Versorgung mit Rohstoffen angewiesen und hat deshalb im Oktober 2010 eine Rohstoffstrategie vorgelegt.

 

Bei der Weiterentwicklung und Präzisierung dieser Strategie, insbesondere in Hinblick auf die Anforderungen bei Roh- bzw. Werkstoffen für Hochtechnologien, stellt sich eine Reihe von Fragen:

  • Vulnerabilität: Welche Kriterien führen dazu, dass Rohstoffe als besonders kritisch einzustufen sind?

  • Folgewirkungen: Was wären die Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft, wenn es zu gravierenden Versorgungsschwierigkeiten oder gar einem Zusammenbruch der Versorgung mit einem kritischen Rohstoff käme?

  • Nachfrage: Wie wird sich die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen bei ausgewählten Technologien/Branchen entwickeln? Welche Substitutionsmöglichkeiten gibt es und wie können sie ausgeschöpft werden? Gibt es essenzielle, nicht substituierbare Rohstoffe? Gibt es Effizienzpotenziale beim Materialeinsatz, beispielsweise durch Miniaturisierung?

  • Angebot: Lassen sich langfristig Änderungen beim Rohstoffangebot absehen, etwa durch neue Minenprojekte, neue Aufbereitungstechnologien oder eine Forcierung des Recyclings?

  • Akteure und Wertschöpfungsketten: Welche Möglichkeiten bestehen für Unternehmen auf unterschiedlichen Einflussebenen, sich für eine stabile Ressourcenversorgung einzusetzen? Welche Unterschiede ergeben sich für KMUs im Vergleich zu größeren Firmen oder »global playern«?

  • Rohstoffstrategie: Welche Ziele sollte eine deutsche Rohstoffstrategie verfolgen und in welchem Verhältnis stehen diese Ziele zueinander? Wie sieht die Aufgabenverteilung zwischen Staat und privater Wirtschaft aus? Welche Erfolgsmodelle zu Strategien bei einzelnen Rohstoffen gibt es? Wie lassen sich transparente Märkte entwickeln, deren Geldströme auch der einheimischen Bevölkerung in den Rohstoffländern zugutekommen, wie beispielsweise von der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) gefordert? Gerade NGOs weisen darauf hin, dass die Missachtung von Menschenrechten, Armut und Korruption in Entwicklungsländern häufig mit der Rohstoffförderung zunehmen. Deshalb stellt sich auch die Frage nach Vernetzungsmöglichkeiten bzw. -erfordernissen zwischen unterschiedlichen Politikbereichen (z. B. Rohstoff-, Entwicklungs-, Außen-, Umwelt- und Technologiepolitik).

Aus diesen Überlegungen heraus ergeben sich folgende Ziele:

  • Aufbereitung der internationalen Diskussion zu kritischen Rohstoffen;
    Analyse der unterschiedlichen gesellschaftlichen Anforderungen an eine Ressour-censtrategie;

  • Exemplarische Betrachtung der Rolle kritischer Rohstoffe in mindestens einer Branche der deutschen Hoch- und Spitzentechnologie (z. B. Medizintechnologie). Hierbei sollen Unternehmen auf unterschiedlichen Stufen der betrachteten Wertschöpfungskette und ggf. die Perspektive von Akteuren aus verschiedenen Unternehmensabteilungen (z. B. strategischer Einkauf, Technologieentwicklung, Umweltmanagement) einbezogen werden;

  • Abschätzung der Potenziale und praktischen Ansatzpunkte für die deutsche Wirtschaft, um sich nicht nur für eine Sicherung der Ressourcenzufuhr, sondern auch für weiter gehende Ziele einzusetzen, wie z. B. Armutsbekämpfung, Entwicklung einer »good governance« in den Förderländern oder Ausgestaltung von Sozial- und Umweltstandards;

  • Identifikation von Ansatzpunkten für eine Weiterentwicklung und Präzisierung der deutschen Rohstoffstrategie.

Status

abgeschlossen

Auftraggeber

  • Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag