Batterierecycling bei Elektrofahrzeugen in Ostasien: Drei Länder, drei politische Logiken

von Miriam Bodenheimer und Ann Wahu Kamamia /

Altbatterien aus Elektrofahrzeugen sind kein Abfall, sondern eine strategische Rohstoffquelle. Unterschiedliche Länder haben verschiedene politische Rahmenbedingungen für das Recycling von Elektroauto-Batterien. Der Blick nach Ostasien zeigt auch Learnings für Deutschland und die EU.

Der globale Hochlauf der Elektromobilität rückt das Recycling von Antriebsbatterien zunehmend in den Fokus industrie‑, umwelt‑ und rohstoffpolitischer Debatten. Mit der wachsenden Zahl ausgedienter Batterien steigt nicht nur der Bedarf an funktionierenden Recyclingstrukturen, sondern auch die strategische Bedeutung sekundärer Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt oder Mangan. Besonders in Ostasien – einer Schlüsselregion für Batterieproduktion und Elektromobilität – lassen sich sehr unterschiedliche politische Ansätze beobachten.

Dieser Beitrag vergleicht die Governance‑ und Politiklandschaft zum Recycling von Elektrofahrzeug‑Altbatterien in China, Südkorea und Japan. Im Mittelpunkt stehen dabei die beteiligten Akteure, regulatorischen Rahmenbedingungen, eingesetzten Policy‑Instrumente sowie die übergeordneten strategischen Zielsetzungen. Abbildung 1 gibt zunächst einen vergleichenden Überblick über die unterschiedlichen politischen Ansätze der drei Länder.

Vergleich der politischen Ansätze zum Recycling von EV-Batterien in China, Südkorea und Japan
© Fraunhofer ISI
Abb. 1: Vergleich der politischen Ansätze zum Recycling von EV-Batterien in China, Südkorea und Japan

China: Systemische Steuerung entlang der gesamten Wertschöpfung

China nimmt im globalen Batterierecycling eine Sonderstellung ein. Als weltweit größter Markt für Elektrofahrzeuge (EV) und führender Batterieproduzent wurde das Land frühzeitig mit signifikanten Mengen an Altbatterien konfrontiert. Entsprechend umfassend ist der regulatorische Rahmen ausgestaltet.

Zentraler Baustein ist die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR), die chinesische Batterie‑ und Fahrzeughersteller zur Rücknahme, Rückverfolgbarkeit und Verwertung von Altbatterien verpflichtet. Ergänzt wird diese durch ein nationales Rückverfolgbarkeitssystem, technische Standards sowie ein staatlich kontrolliertes Whitelist‑System für zugelassene Recyclingunternehmen. Damit verfolgt China einen stark top‑down-geprägten Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus von Batterien reguliert.

Auffällig ist zudem die enge Verzahnung von Industrie‑, Umwelt‑ und Rohstoffpolitik. Recycling wird in China nicht primär als Abfallmanagement verstanden, sondern als strategisches Instrument zur Sicherung der Materialversorgung, zur Förderung industrieller Wertschöpfung und zur Unterstützung der nationalen Klimaziele. Finanzielle Anreize, steuerliche Erleichterungen und gezielte Demonstrationsprojekte flankieren die regulatorischen Vorgaben.

Gleichzeitig bestehen Herausforderungen: Ein erheblicher Teil der Altbatterien gelangt weiterhin in informelle Recyclingstrukturen, und regionale Unterschiede in der Umsetzung der Vorgaben erschweren eine einheitliche Durchsetzung. Dennoch zeigt China, wie ein integrierter Policy‑Mix den schnellen Aufbau großskaliger Recyclingkapazitäten ermöglichen kann.

Südkorea: Recycling als Baustein industrieller Wettbewerbsfähigkeit

Südkorea verfolgt einen deutlich anderen Ansatz. Obwohl der heimische Markt für Elektrofahrzeuge bislang vergleichsweise klein ist, zählt Südkorea zu den weltweit führenden Batterieproduzenten. Entsprechend steht das Batterierecycling hier vor allem im Zeichen der Rohstoffsicherung und industriepolitischen Absicherung globaler Marktpositionen.

Der politische Fokus liegt auf der Etablierung eines klar geregelten, transparenten Lebenszyklusmanagements für Batterien. In den vergangenen Jahren wurden in Südkorea umfangreiche gesetzliche Anpassungen vorgenommen, um Altbatterien schrittweise nicht mehr als Abfall, sondern als zirkuläre Ressource zu klassifizieren. Zentrale Elemente sind verpflichtende Leistungsbewertungen von Batterien, staatliche Zertifizierungssysteme für recycelte Materialien sowie digitale Tracking‑ und Datenplattformen.

Im Unterschied zu China setzt Südkorea stärker auf präzise definierte Zuständigkeiten, regulatorische Standards und messbare Zielgrößen. Die Regierung formuliert ambitionierte quantitative Ziele – etwa zur Recyclingmenge kritischer Rohstoffe oder zur vollständigen Rezyklierbarkeit von Sekundärbatterien bis 2030 – und flankiert diese mit gezielten Förder‑ und Demonstrationsprogrammen. Demonstrationsprogramme sind staatlich unterstützte, praxisnahe Modellvorhaben, mit denen technische und organisatorische Innovationen im Batterierecycling erprobt, weiterentwickelt und vor allem auch öffentlich präsentiert und sichtbar gemacht werden.

Auffällig ist dabei die starke Rolle des Staates als Koordinator und Regulierer, während marktorientierte Instrumente eine untergeordnete Rolle spielen.

Japan: Strategische Ambitionen, begrenzte Regulierung

Japan nimmt im Vergleich eine Sonderrolle ein. Trotz einer leistungsfähigen Batterie‑ und Automobilindustrie ist die Verbreitung von Elektrofahrzeugen in Japan bislang gering. Entsprechend fallen auch die politischen Maßnahmen zum Recycling von EV‑Batterien weniger konkret aus.

Zwar wird Batterierecycling in verschiedenen Strategiedokumenten und Förderprogrammen erwähnt – insbesondere im Kontext von Dekarbonisierung und Rohstoffsicherheit –, es existieren in Japan jedoch kaum verbindliche Vorgaben oder spezifische Sammel‑ und Recyclingpflichten für EV‑Altbatterien. Der Schwerpunkt liegt vielmehr auf Forschung und Entwicklung, technologischer Innovation sowie internationaler Kooperation.

Industrieinitiativen und freiwillige Programme spielen eine wichtige Rolle, während ein konsistenter regulatorischer Rahmen bislang fehlt. Gleichzeitig bereitet sich Japan zunehmend auf internationale Anforderungen vor, etwa im Hinblick auf CO2‑Bilanzierung, Transparenzpflichten und mögliche Batteriepass‑Systeme, die insbesondere für den Zugang zu europäischen Märkten relevant sind.

Der japanische Ansatz ist damit stark langfristig ausgerichtet, bleibt jedoch in der operativen Umsetzung bislang vergleichsweise vage.

Drei Länder, drei Policy‑Logiken

Abbildung 2 verdeutlicht, wie unterschiedlich die politischen Instrumente entlang des Batterielebenszyklus in den drei Ländern eingesetzt werden.

Politische Instrumente entlang des Lebenszyklus von EV-Batterien in China, Südkorea und Japan
© Fraunhofer ISI
Abb. 2: Politische Instrumente entlang des Lebenszyklus von EV-Batterien in China, Südkorea und Japan

Der Vergleich zeigt, dass das Recycling von Elektrofahrzeug‑Batterien sehr unterschiedlich politisch verankert ist:

  • China setzt auf umfassende staatliche Steuerung, Skalierung und industrielle Integration.
  • Südkorea nutzt Recycling gezielt zur Absicherung technologischer und industrieller Wettbewerbsfähigkeit.
  • Japan verfolgt einen vorsichtigen, forschungs‑ und zukunftsorientierten Ansatz mit bislang begrenzter Regulierung.

Diese Unterschiede spiegeln nicht nur unterschiedliche Markt‑ und Industriepositionen wider, sondern auch divergierende politische Prioritäten. Für Europa und andere Regionen bietet der Vergleich wertvolle Einblicke, wie Batterierecycling als strategisches Politikfeld ausgestaltet werden kann – und welche Zielkonflikte dabei auftreten.

Implikationen für Deutschland und die Europäische Union

Mit der EU-Batterieverordnung verfügt die Europäische Union ebenfalls über einen im internationalen Vergleich sehr weitgehenden Rechtsrahmen, der den gesamten Batterielebenszyklus betrifft und Vorgaben zu Sammlung, Recycling, Materialrückgewinnung, Rezyklateinsatz und Transparenzinstrumenten verbindet. Der Critical Raw Materials Act ergänzt dies um eine explizite Rohstoff- und Resilienzperspektive und formuliert für 2030 unter anderem einen Benchmark, wonach 25 Prozent des EU-Verbrauchs strategischer Rohstoffe aus Recycling stammen sollen.

Die eigentlichen Lernpunkte aus China, Südkorea und Japan liegen daher weniger in »strengeren« Recyclingzielen als in der konkreten Ausgestaltung von Vollzug, Marktermöglichung und industriepolitischer Flankierung. China zeigt, wie eine staatlich eng gesteuerte Rückverfolgbarkeit mit digitaler Identität für Traktionsbatterien den Vollzug über Sammlung, Nutzung und Recycling hinweg stärken kann. Südkorea ist besonders dort interessant, wo gebrauchte Fahrzeugbatterien regulatorisch leichter als »circular resources« behandelt und damit für Wiederverwendung, Second Life und Recycling schneller aus dem klassischen Abfallregime herausgeführt werden sollen. Japan wiederum setzt stärker auf Dateninfrastrukturen, Traceability und die internationale Anschlussfähigkeit von Batteriepass- und LCA-Systemen.

Für Europa folgt daraus: Nicht die Grundrichtung der Regulierung muss neu erfunden werden, wohl aber deren operative Umsetzung. Besonders relevant wären eine klarere und investitionsfreundlichere Regelung des Übergangs von Altbatterien bzw. Batteriefraktionen vom Abfallstatus hin zu nutzbaren Sekundärrohstoffen, eine stärker vollzugsorientierte digitale Rückverfolgbarkeit sowie eine engere Verzahnung von Recyclingregulierung, Second-Life-Märkten und Industriepolitik. Europas Stärke liegt heute vor allem in der normativen Setzung verbindlicher Pflichten. Die ostasiatischen Beispiele zeigen dagegen, wie Regulierung schneller in funktionierende Kreislaufmärkte, industrielle Skalierung und tatsächliche Rohstoffrückgewinnung übersetzt werden kann.

 

Die verwendeten Daten stammen aus dem vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Forschungsprojekt BETSY (Förderkennzeichen 03XP0540B).

Gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

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