Projekt BungEES liefert Modell für intelligente Energiedienstleistungen in Europa
Im EU-Projekt BungEES hat ein Projektkonsortium Servicepakete entwickelt, mit denen Verbraucher:innen durch die Kombination von Energieeffizienzmaßnahmen und Lastmanagement Energie und Geld sparen können. Das Fraunhofer ISI hat die Entwicklung des Geschäftsmodells mit fundierten wissenschaftlichen Analysen unterstützt.
Ohne Komforteinbußen Energie sparen und damit Emissionen und Kosten senken: Wie das gelingen kann, hat das Projekt BungEES untersucht. Über drei Jahre hinweg haben Projektpartner aus Wissenschaft und Wirtschaft ein Modell für intelligente Dienstleistungen entwickelt, das traditionelle Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden mit Lastmanagement, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Batteriespeichern und dezentraler Erzeugung erneuerbarer Energien kombiniert. Mit den daraus entstehenden Servicepaketen können Energiedienstleister verschiedene Kombinationen für Endverbraucher:innen zusammenzustellen. Diese Pakete hat ein Projektpartner entwickelt und möchte sie zeitnah auf den Markt bringen.
Für das Projekt wurden in etwa 100 Wohngebäuden (Wohnblocks sowie Ein- und Mehrfamilienhäuser) in Frankreich, Spanien, Portugal und Tschechien Energiemanagementsysteme installiert. Durch die intelligente Automatisierung konnten die Bewohner:innen ihren Energieverbrauch für Heizung und Kühlung um 15 bis 30 Prozent senken, was zu niedrigeren Stromrechnungen und erheblichen CO₂-Einsparungen führte. Entscheidend dafür war, dass der Energieverbrauch weg von den Spitzenzeiten verlagert und so eine Überlastung der lokalen Netze vermieden wurde. Die Verbraucher:innen waren so Partner im Netzmanagement – sie glichen die wechselnde Nachfrage aus und reduzierten den Bedarf an teuren Infrastrukturmodernisierungen.
Entscheidend dafür sind intelligente Internet-of-Things (IoT)-Geräte und Automatisierungstools, die gängige Haushaltsgeräte in interaktive, flexible Energieanlagen verwandeln. Hauptsächlich wurden Boiler, Wärmepumpen, Kühlsysteme und Solaranlagen mit Energiemanagementsystemen vernetzt. Dafür müssen zwar spezielle Geräte installiert werden, der europäische Markt für Energieflexibilität wächst aber voraussichtlich stark, was zu einer breiten Nutzung vernetzter Haushaltsgeräte und IoT-Geräte führt.
Flexibilität als Geschäftsmodell
Wir vom Fraunhofer ISI haben Untersuchungen zur Nachfrage durchgeführt, um als Forschungspartner Unternehmen bei der Entwicklung der Dienstleistungen zu unterstützen und zu beraten. Die Industriepartner haben dann die gemeinsam entwickelten Modelle als konkrete Services an den Pilotstandorten getestet.
Insbesondere haben wir Servitization-Geschäftsmodelle analysiert, also die Kombination von Sachgütern und Dienstleistungen. Die relevanteste Form ist »Flexibility as a Service«, also das Ermöglichen einer flexiblen Nachfrage (siehe Abbildung).
Beispielsweise ermöglicht der Austausch von Gasboilern durch effiziente Wärmepumpen ein fortschrittliches Lastmanagement, indem der Heizbedarf in eine flexible elektrische Last umgewandelt wird. Durch Zeitverschiebung, Leistungsmodulation und preisbasierte Steuerung lässt sich der Betrieb der Wärmepumpe an die Netzbedingungen und die Erzeugung erneuerbarer Energien anpassen, wodurch der Spitzenbedarf reduziert und gleichzeitig der Komfort für die Nutzer:innen gewährleistet wird.
Warum sich Dienstleister und Verbraucher:innen für so ein Modell entscheiden? Zu den Hauptgründen gehören ein Interesse für Nachhaltigkeit, die Digitalisierung des Energiesektors und neue Bezahlarten. Vorteile sind eine große Transparenz und ein starkes Engagement der Endverbraucher:innen, reduzierte Kosten und die schnelle Amortisation von Investitionen beziehungsweise geringere Investitionen für neue Infrastruktur.
Herausforderungen sind ein großer Regulierungsbedarf, hohe Erstinstallationskosten und ein noch geringes Angebot am Markt, doch hier können die Ergebnisse von BungEES unterstützen: Das von uns mitentwickelte Modell ist skalierbar und investitionsbereit. Städte, Versorgungsunternehmen und Energiedienstleistungsunternehmen können es in der gesamten EU einführen – angepasst an die lokalen Bedürfnisse.
Durch die im Projekt entwickelten neuen Geschäftsmodelle und Finanzierungsmechanismen, beispielsweise Prämien für Energieeinsparungen und flexiblen Verbrauch, kann BungEES zudem dazu beitragen, private Investitionen für energetische Sanierungen zu erschließen. Dadurch steht das Projekt im Einklang mit der Strategie der EU, öffentliche Mittel und privates Kapital gemeinsam zu nutzen, um die Klimaziele zu erreichen.
Schon jetzt können Städte und Versorgungunternehmen die Richtlinien zur Umsetzung auf der Projektwebsite einsehen. Die gebündelten Servicepakete sollen zeitnah zur Verfügung stehen, ein genauer Zeitpunkt steht leider noch nicht fest.
Weitere Informationen und Studien
- Projektseite des Fraunhofer ISI
- Richtlinien zur Umsetzung des BungEES-Konzepts
- Study on emerging and market-proven service and Xas-a-Service business models in the building sector
- Report on available platforms/frameworks
- Servitization of demand-side energy services: Perspective and insights from energy service providers
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