Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Cooperative regimes for future climate policies (CORE)

Hintergrund

Gemäß dem 4. Sachstandsbericht des Weltklimarats muss der Ausstoß von CO2-Emissionen bis 2050 weltweit um mindestens 50-85% im Vergleich zu 2000 reduziert werden, um den weltweiten Temperaturanstieg auf unter 2°C zu beschränken. Um dieser globalen Externalität durch internationale Kooperation zu begegnen, trat 1994 die Klimarahmenkonvention in Kraft. Im Kyoto-Protokoll (KP) von 1997 verpflichteten sich Industrie- und Transformationsländer, ihre Gesamtemissionen im Zeitraum 2008 bis 2012 um 5% unter das Niveau von 1990 zu senken. Das KP sieht jedoch keine Emissionsgrenzen für Entwicklungs- und Schwellenländer vor, die USA haben das Abkommen nicht ratifiziert und es setzt keine Minderungsziele für den Zeitraum nach 2012.
Bislang hat der Top-Down-Ansatz, der implizit einen Konsens der Verhandlungsparteien voraussetzt, zu keinem internationalen Abkommen mit verpflichtenden Emissionsreduktionszielen für den Zeitraum ab 2013 geführt. Statt Zielen in einem Top-Down-Prozess zuzustimmen, reichten die meisten Industrieländer nicht-bindende Emissionsreduktionsziele ein, und einige große Entwicklungsländer unterbreiteten im Rahmen des Kopenhagen Akkords und Beschlüsse von Cancún bottom-up national angemessene Minderungsmaßnahmen (NAMAs). Alternativ zum UN-Top-Down-Ansatz werden Verhandlungen mit einer begrenzteren Mitgliederzahl wie z.B. G20, das Major Economies Forum oder bi- oder multilaterale Abkommen diskutiert.
Auf den ersten Blick lässt der Charakter von Kollektivgütern bei der Klimapolitik darauf schließen, dass Bottom-up-Ansätze zu weniger ambitionierten Zielen führen als Top-down-Ansätze. Wenn man Ergebnisse aus theoretischer und empirischer Forschung zur Finanzplanung berücksichtigt ist das jedoch nicht zwangsläufig der Fall. Da erfahrene Entscheidungsträger die Auswirkungen von Entscheidungen in frühen Stadien des Entscheidungsprozesses auf spätere Stadien des Prozesses (z.B. Lastenverteilung von Reduktionen) in Betracht ziehen, kann davon ausgegangen werden, dass das Ergebnis des Top-down-Prozesses generell vom Bottom-up-Prozess abweicht. Es gibt jedoch kein eindeutiges Verhältnis zwischen Prozesssequenz und Zielebene.
Bei beiden Ansätzen hängen die Chancen auf eine Einigung und die Emissionsziele von den erwarteten Kosten und demzufolge von der zukünftigen Technologieentwicklung ab, die für zentrale Minderungsoptionen wie z.B. CO2-Abscheidung und ‑Speicherung (CCS) oder Erneuerbare Energien-Technologien (RET) sehr unsicher ist.
Die übergeordnete Zielsetzung des CORE-Projekts ist die theoretische und empirische Analyse von realisierbaren Möglichkeiten für zukünftige Klimaabkommen, die die langfristigen Klimapolitikziele, verschiedene Formen von Verhandlungen, technologischen Fortschritt und Unsicherheit bezüglich technologischer Entwicklung berücksichtigt. Spezifische Ziele sind:

  • Eine Bewertung, ob vor dem gegenwärtigen Hintergrund der internationalen Klimaverhandlungen globale Kooperationen realistisch sind, d.h. ob es überhaupt möglich ist, ein Klimaregime zu gestalten, bei dem langfristige Klimaziele eingehalten werden und alle Länder einer Verteilung des Reduktionsaufwands zustimmen. Bei der Analyse wird berücksichtigt, dass sich die an den Verhandlungen beteiligten Länder und Ländergruppen bezüglich der Bewertung von Vorteilen aus Klimaschutzzielen unterscheiden können. Dabei wird untersucht, inwieweit eine kooperative Lösung von der Zusammensetzung (Art und Anzahl) der Teilnehmer abhängt.
  • Analyse der Merkmale der kooperativen Lösungen, insbesondere wie die Auflagen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen auf Regionen zugeteilt sind. Die als kooperationsfähig identifizierten Reduktionsziele werden mit aktuellen Emissionsreduktionsversprechen und anderen Lastenverteilungsansätzen verglichen. Es wird explizit  analysiert, inwieweit sich die Ergebnisse des Bottom-up-Ansatzes vom Top-Down-Ansatz unterscheiden.

Analyse der Auswirkungen der Unsicherheiten, mit denen zentrale Minderungstechnologien belegt sind, (Kosten, Potenziale, Verfügbarkeit) auf Existenz und Charakteristik von Kooperationslösungen. Explizit wird die Unsicherheit bezüglich Verfügbarkeit und Nutzung dieser Technologien in Entwicklungsländern und Schwellenländern in die Analyse mit einbezogen (z.B. Ausmaß des Technologietransfers)

Ergebnisse und Stand der Arbeiten können auf der Projekthomepage eingesehen werden:(http://project-core.info/core-en/index.php).

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