Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Analyse des Gesundheitswesens aus Innovationssystemperspektive

Die Leistungsfähigkeit und Effizienz des deutschen Gesundheitswesens, seiner Strukturen, Finanzierungs- und Steuerungsinstrumente, aber auch seiner gesundheitsbezogenen Ergebnisse wird immer wieder infrage gestellt. Trotz der guten Erfolge in der Krankenbehandlung ist das Gesundheitssystem finanziell nicht krisensicher und nachhaltig und hat weder eine adäquate Antwort auf die rasante Zunahme der chronischen und psychischen Krankheiten noch auf andere Megatrends. Ohne durchgreifende Veränderungen hin zu einem System, das wesentlich wirksamer und effizienter funktioniert und primär auf die Erhaltung der Gesundheit ausgerichtet ist, sind die Gesundheit und Produktivität der Bevölkerung in der Zukunft, die Zukunftsfestigkeit der Gesundheitsversorgung, aber auch die Stabilität und Vorhersagbarkeit des Gesundheitsmarktes für die Anbieter und Beschäftigten in Versorgung, Industrie und Gewerbe nicht gesichert.

Neben Qualitäts-, Kosten- und Finanzierungsfragen wird über die Aufgaben und Rollen der Beteiligten, Strukturen und Steuerungsinstrumente teils mit harten Bandagen diskutiert, ohne bislang zu dauerhaft tragfähigen Einigungen gekommen zu sein. Die Ursache dafür ist auch darin zu sehen, dass die beteiligten Akteure (Bürger, Beitragszahler, Versicherte, Patienten, Leistungsträger, Leistungserbringer, Entwickler und Hersteller, verschiedene Regulierungsebenen und Politikbereiche), komplexe und teilweise widersprüchliche, oft auch nicht ausreichend explizierte Erwartungen und Ziele mit neuen Strukturen, Prozessen und Produkten verbinden.

Die Studie geht von international akzeptierten übergeordneten Zielsetzungen (z.B. von WHO, EU, ILO) für die Gesundheitsversorgung und -förderung aus: Solidarität, hochwertige Versorgung, gleicher Zugang, Primat der Gesunderhaltung u.a. Sie wird die genannten Ziel- und Interessenskonflikte innerhalb und zwischen den gesundheitsrelevanten Akteursgruppen (insbesondere im öffentlichen Diskurs weniger deutlich wahrgenommener Akteure wie   Versicherte und Beschäftigte im Gesundheitswesen) sowie den aktuellen Umgang mit ihnen analysieren. Anhand des Beispiels stärkere Wettbewerbsausrichtung wird im Detail ermittelt, welche Auswirkungen eine bessere Berücksichtigung der Ziele und Zielkonflikte dieser Akteursgruppen im Gesundheitswesen hätte, und inwieweit sie mit den leitenden übergeordneten Zielen dieser und anderer Akteure vereinbar wäre.

Darauf aufbauend werden in einem Konsensusprozess die wesentlichen Elemente und Funktionen eines umfassenden, sozial gerechten und zielorientiert arbeitenden Gesundheitswesens erarbeitet und anschließend Strategien und Handlungsoptionen für die Weiterentwicklung der Entscheidungsfindungsprozesse im Gesundheitswesen entwickelt, welche über die derzeit existierenden Strukturen und Prozesse hinausgehen.

Es ist ein zwei-stufiges Verfahren vorgesehen, das Analysen der einschlägigen Literatur und von Positionspapieren, von Statistiken und Prognosen (z.B. zur epidemiologischen Entwicklung und zur Beschäftigung) umfasst. Für Akteursgruppen deren Ziele weniger bekannt sind, sind zusätzlich Interviews vorgesehen . In das Vorhaben sind starke diskursive Elemente eingeplant, die schon während der Laufzeit einen Austausch mit externen Kooperationspartnern ermöglichen. Zur weiteren Verbreitung der Ergebnisse dient ein größerer Abschlussworkshop. Das Projekt wird von einem Projektbeirat begleitet und unterstützt.

Insgesamt trägt das vorgeschlagene Projekt somit bei

  • zu einer systemischen, ganzheitlichen Betrachtung des Gesundheitswesens von seinen Zielen und Funktionen anstatt nur von seinen Traditionen und Beschränkungen her,
  • zur Positionsbestimmung und Klärung der Aufgaben der relevanten Akteursgruppen, insbesondere derjenigen Akteure, deren Ziele in der Öffentlichkeit bisher weniger wahrgenommen wurden (Versicherte und Beschäftigte im Gesundheitswesen) im Hinblick auf ein zukunftsfestes und nachhaltiges Gesundheitswesen,
  • zu einer höheren Transparenz und ggf. Entflechtung der verschiedenen Zielverständnisse, Zielhierarchien und -konflikte sowie Regelungsebenen und Steuerungsmechanismen im Gesundheitswesen,
  • zur Operationalisierung und Übertragung von neuartigen Ansätzen für die deutsche Gesundheitspolitik und für die anderen relevanten Akteure,
  • zur Weiterentwicklung der gesundheitsrelevanten Rahmenbedingungen für Patienten, Bürger, Wirtschaft und Gesellschaft, 

und damit insgesamt zu einer Umgestaltung des Gesundheitswesens, die sich an übergeordneten Zielen und Nutzenaspekten orientiert und damit zu mehr Gesundheit in der Bevölkerung beiträgt.

Status:
laufend (01.05.2011-30.04.2013)

Auftraggeber:
Hans-Böckler-Stiftung

Partner:
-

Publikationen:           
-