Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Stärkung des Pharma-Innovationsstandortes Deutschland

Das Projekt entwickelte eine Landkarte der Perspektiven für die Stärkung des Pharma-Innovationsstandortes Deutschland. Ausgangspunkt war eine empirische Analyse des Pharmastandortes Deutschland, die vom Konzept der sektoralen Innovationssysteme geleitet wurde. Die abgeleiteten Handlungsempfehlungen tragen dazu bei, Innovation in der Pharmaindustrie unter geänderten Rahmenbedingungen zu sichern.
 
Der Pharmastandort Deutschland hat mit vielen international renommierten Pharmaunternehmen eine mehr als 100-jährige Tradition in Arzneimittelforschung und -entwicklung. Dabei spielte Deutschland im europäischen Kontext in der Vergangenheit eine führende Rolle. In den letzten Jahren hat sich die Situation der pharmazeutischen Industrie in Deutschland jedoch im Vergleich zu ihren Wettbewerbern, insbesondere in den USA und Großbritannien verschlechtert. Experten sehen die Position Deutschlands als Nummer 3 hinter den USA und Japan dauerhaft gefährdet.
 
Das Projekt ging von folgenden Fragestellungen aus:

  • Wie kann Innovation im Pharmasektor definiert und bewertet werden?
  • Welche Akteursgruppen leisten welche Beiträge?
  • Welchen wissenschaftlich-technischen und strukturellen Dynamiken ist das System unterworfen, welcher Zusammenhang besteht zwischen ihnen und wie wirken sich diese auf Organisationsformen aus?
  • Welche Rolle spielen dabei die Rahmenbedingungen?
  • Welche Systemmängel gibt es, wo wirken sie sich hemmend auf den Innovationsprozess aus?
  • Wie beeinflussen künftige Nachhaltigkeitsziele den Innovationsprozess?
  • Wie sind Vorreitermärkte charakterisiert, welche Anforderungen ergeben sich daraus, um neue Vorreitermärkte zu generieren?
  • Welche Beziehung besteht zwischen heutigem Wissensstand und künftiger Innovationskraft?
  • Welche Perspektiven ergeben sich für die Innovationskraft?
Zur Identifizierung der Systemmängel und daraus resultierenden Innovationshemmnissen wurden input-, prozess- und output-orientierte Indikatoren betrachtet. Auf Grundlage der indikatorenbasierten Analyse wurden Empfehlungen zur Stärkung des Pharma-Innovationsstandortes abgeleitet. Vertieft wurden im Projekt vor allem die vorderen Stufen der Wertschöpfungskette, d. h. präklinische und klinische Forschung. Forderungen der verschiedenen Akteure sind häufig geprägt von subjektiven Einschätzungen. Um im vorliegenden Projekt allgemein gültige Empfehlungen herausarbeiten zu können, wurde ein Methodenmix aus schriftlicher Befragung, Experteninterviews und Szenarioworkshop eingesetzt, der durch Auswertung der einschlägigen Fachliteratur um eine weitere „Außensicht“ ergänzt wurde. Jedes Instrumentarium spiegelt damit einen Ausschnitt aller möglichen Meinungen wider. In der Summe ergibt sich daraus ein "objektiveres" Bild, das die Bandbreite möglicher Maßnahmen aufschlüsselt.

Fazit:
Nicht einzelne Faktoren, sondern das Zusammenspiel einzelner Akteure innerhalb des Innovationssystems entscheiden über die Innovationskraft. Die Studie bewertet dabei die Bereiche Wissensbasis und Technologietransfer, die Umsetzung von neuem Wissen in Produkte, die Finanzierung von Innovation sowie im weitesten Sinne die politischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der pharmazeutischen Industrie. Reibungsverluste treten auf durch eine ungenügende Anwendungs- und Patientenorientierung sowie mangelnde Vernetzung von Forschungseinrichtungen. Geringe Investitionen der pharmazeutischen Industrie in FuE und strategische Kooperationsnetzwerke bis Mitte der 90er-Jahre sowie ein stark nationaler Fokus der KMU stellen ein weiteres Innovationshemmnis dar. Wenig Transparenz, Flexibilität und Planungssicherheit sind nicht zuletzt die Folge sich häufig ändernder politischer Rahmenbedingungen und einer starren Auslegung administrativer EU-Vorgaben.

Status:
abgeschlossenes Projekt (2005)

Auftraggeber:
Hans-Böckler-Stiftung

Publikationen:
Sibylle Gaisser, Michael Nusser, Thomas Reiß: Stärkung des Pharma-Innovationsstandort Deutschland. Stuttgart: Fraunhofer IRB Verlag, ISSN 1612-7455, ISBN 3-8167-6779-6
Zusammenfassung / Summary

Verwandte Artikel:
Nusser, M.: Pharma-Innovationsstandort Deutschland: Leistungsfähigkeit, Innovationshemmnisse und Handlungsempfehlungen. In: Gesundheit und Gesellschaft Wissenschaft, 5. Jg., 3/2005, S. 25-27

So wird Pharma in Deutschland wieder fit

Nusser, M. und Wydra, S. (2006): Innovations- und Beschäftigungspotenziale im Zukunftsmarkt Gesundheit: Ergebnisse einer Studie für die Segmente Pharmaindustrie, Medizintechnik und gesundheitsbezogene Dienstleistungen. Pharm. Ind. 68, Nr. 11(2006), S. 1251-1257 (Teil 1)

Tischendorf, A. und Nusser, M. (2006): Innovations- und Beschäftigungspotenziale im Zukunftsmarkt Gesundheit: Chancen für die Realisierbarkeit zusätzlicher Beschäftigung am Standort Deutschland. Pharm. Ind. 68, Nr. 12 (2006), S. 1351-1356 (Teil 2)

Nusser, M. (2008): Gesundheitsstandort Deutschland - Wo bleiben die zukunftsfähigen Strategien von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft? In: DZKF - Deutsche Zeitschrift für Klinische Forschung 7/8-2008, S. 18-21

Nusser, M.; Gaisser, S. (2008): Internationale Trends in Forschung und Entwicklung - Ein Länder-Benchmarking auf Basis von Innovationsindikatoren. In: DZKF - Deutsche Zeitschrift für Klinische Forschung 12 (9/10), S. 21-31

Nusser, M. (2009): Chancen der Gesundheitswirtschaft zukünftig besser nutzen: Potenziale, Herausforderungen, Hemmnise und Handlungsoptionen. In: Goldschmidt, A., Hilbert, J. (Hrsg.): Die Zukunftsbranche Gesundheitswirtschaft in Deutschland. S. 882-909