Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Zukunftsreport "Individuelle Medizin und Gesundheitssystem"

Hintergrund, zentrale Aspekte des Themas:
Zurzeit zeichnen sich in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Technologiefeldern Entwicklungslinien ab, die in ihrer Bündelung eine wesentliche Umorientierung der Medizin in Richtung einer „individuellen Medizin“ bewirken könnten. Darunter versteht man eine Medizin, die sich in sehr viel stärkerem Maße als bislang am Individuum und dem individuellen Set der Einflussfaktoren auf die Gesundheit der betreffenden Person ausrichtet. Man erhofft sich von einer „individuellen Medizin“, die Verträglichkeit, Wirksamkeit und Effizienz präventiver und therapeutischer Interventionen erhöhen, unnötige Gesundheitsausgaben vermeiden und neuartige Präventionsmaßnahmen und Therapien entwickeln zu können. Zu Entwicklungslinien innerhalb einer „individuellen Medizin“ zählen beispielsweise:

  • Prädiktive Gendiagnostik, die individuelle Krankheitsprädispositionen bereits vor dem Auftreten körperlicher Symptome diagnostizieren kann und damit neue Präventions- und Interventionsmöglichkeiten eröffnet;
  • Pharmakogenetik, die individuelle Unterschiede in der Verträglichkeit von Arzneimitteltherapien bei der pharmazeutischen Wirkstoffentwicklung und der Medikamentenanwendung berücksichtigt;
  • Tissue Engineering bzw. die regenerative Medizin, die körpereigenes Ersatzmaterial für neuartige Transplantationstherapien bereitstellt;
  • Rapid Prototyping in der Produktionstechnik, z.B. für die Fertigung individuell angepasster Prothesen und Implantate;
  • medizinische Anwendungen der IuK-Technologien, die beispielsweise durch automatische Erhebung patientenspezifischer Gesundheitsdaten und deren Kommunikation an den Arzt der individuellen Situation angepasste Interventionen auslösen könnten.
Diese Entwicklungslinien speisen sich aus Erkenntnissen u. a. in den Wissenschafts- und Technologiefeldern Bio- und Gentechnik, Nanotechnologie, IuK-Technologien, Produktionstechnik inkl. Mikrosystemtechnik. Verstärkt wird der Einfluss dieser technologischen Innovationen durch einen gesellschaftlichen Trend, die Patientinnen und Patienten im Gesundheitssystem zunehmend als aktiv mitwirkende Partner einzubeziehen. Diese Entwicklungslinien bergen das Potenzial, alle Ebenen der Leistungserbringung in der Medizin, von der Prävention über Diagnostik und Therapie bis zur pharmazeutischen FuE und der Organisation der Leistungserbringung zu durchdringen.

Leitende Fragestellungen, Vorgehensweise:

Ziel des Zukunftsreports ist es, den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik einer „individuellen Medizin“, ihre Perspektiven für die kommenden 10 bis 20 Jahre sowie ihre Auswirkungen in ökonomischer, ethischer, rechtlicher und gesellschaftlicher Hinsicht umfassend aufzuarbeiten.

Der Zukunftsreport soll sich an folgenden Leitfragen orientieren:

  • Was ist unter dem Konzept „Individuelle Medizin“ unter Berücksichtigung der Sicht verschiedener gesellschaftlicher Gruppen zu verstehen?
  • Welche Erwartungen werden in eine „individuelle Medizin“ gesetzt, welche Befürchtungen werden damit verbunden?
  • Welche wissenschaftlichen Disziplinen und Technologiefelder tragen zu einer „individuellen Medizin“ bei? Was sind relevante Entwicklungslinien?
  • Welche Akteure treiben die Entwicklung voran, auf welche Ressourcen greifen sie zurück? Welche Akteure sind betroffen, aber nicht involviert?
  • Wie ist der Zeithorizont der Entwicklungen? Wie sieht die „Technology Roadmap“ zu einer „individuellen Medizin“ aus? Wie wird die Realisierbarkeit eingeschätzt? Inwieweit ist dabei nach einzelnen Entwicklungslinien zu differenzieren? Inwieweit wirken die einzelnen Entwicklungslinien synergistisch zusammen?
  • Inwieweit vermag die Umsetzung des Leitbildes der „Individuellen Medizin“ Lösungsbeiträge für ausgewählte Patientengruppen, insbesondere alte Menschen und Kinder, bereitzustellen?
  • Welche Folgen zeichnen sich in den Bereichen Gesundheitswesen, Wirtschaft, Recht, Ethik und Gesellschaft ab?
  • Welche Zukunftsbilder einer möglichen künftigen „individuellen Medizin“ lassen sich entwerfen?
  • Welcher Handlungsbedarf und welche Handlungsoptionen bestehen seitens der Politik und anderer Akteure, und wie werden diese bewertet?
  • Welche Empfehlungen lassen sich für den künftigen Umgang mit dieser Thematik ableiten?
Zunächst soll eine Breitenanalyse über alle relevanten Disziplinen, Technologiefelder und Entwicklungslinien durchgeführt werden. Auf dieser Basis werden einzelne Themenkomplexe identifiziert, für die vertiefende Analysen durchgeführt werden.

Status:

Abgeschlossenes Projekt (Februar 2005 – Herbst 2006)

Auftraggeber:
Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)
http://www.tab.fzk.de

Partner:
Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)
http://www.tab.fzk.de

Publikationen:
Endbericht „Individualisierte Medizin und Gesundheitssystem“

Zusammenfassung:
http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab126.htm

Öffentliches Fachgespräch im Bundestag, 27.5.2009:
http://www.tab.fzk.de/de/indivimed.pdf

Medizin der Zukunft - präventiv, prädiktiv, personalisiert?
http://www.tab.fzk.de/de/brief/brief34.pdf (S. 43)

Wie individualisiert ist die Medizin? Das Beispiel Diabetes
http://www.tab.fzk.de/de/brief/brief31.pdf (S. 60)