Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Hirnforschung Schweiz - Folgen der Anwendung bildgebender Verfahren in der Hirnforschung

Bildgebende Verfahren haben das methodische Instrumentarium der Hirnforschung entscheidend erweitert: sie ermöglichen es, dem Gehirn „beim Denken, Fühlen und Handeln zuzusehen“. Diese Verfahren tragen wesentlich dazu bei, die Funktionsweise des Gehirns auf einem höheren Niveau als bislang zu verstehen. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse können in vielfältiger Weise praktisch genutzt werden, so z. B. in der Medizin, der Psychologie und Pädagogik, der Entwicklung innovativer, „hirngerechter“ Produkte. Somit verspricht ihr Einsatz für den Einzelnen und die Gesellschaft vielfältigen Nutzen. Zugleich wird derzeit ernsthaft diskutiert, ob mit bildgebenden Untersuchungen des menschlichen Gehirns Informationen gewonnen werden können, die tiefe Einblicke in die Persönlichkeit, Neigungen und kognitiven Fähigkeiten des Untersuchten ermöglichen. Gerade dieser Aspekt wirft zahlreiche ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen auf.

Zielsetzung der Studie war es, aus interdisziplinärer Perspektive Informationen zu bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung zu ermitteln, auszuwerten und in allgemein verständlicher Form darzustellen, die Antworten auf folgende Leitfragen geben:

  • Welche Zielsetzungen werden mit bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung verfolgt, zu welchen gesellschaftlichen Zielen und Herausforderungen werden Lösungsbeiträge erwartet?
  • Welche aktuellen und künftigen Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten gibt es? Wie ist der jeweilige aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik? Wo liegen die technischen Grenzen der Verfahren und die Grenzen der Belastbarkeit der Ergebnisse? Welche künftigen Entwicklungen zeichnen sich ab?
  • Welche Risiken birgt der Einsatz bildgebender Verfahren in der Hirnforschung, welche nicht erwünschten Folgewirkungen kann er haben?
  • Durch welche Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen wird die künftige Entwicklung wesentlich bestimmt? Wie sind diese Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen zurzeit ausgeprägt? Wie ist die Realisierbarkeit von erwünschten und nicht erwünschten Entwicklungen vor diesem Hintergrund einzuschätzen?
  • Welche Optionen zur Gestaltung der künftigen Entwicklung bieten sich an?
  • Inwieweit ergeben sich Implikationen für das zurzeit in Erarbeitung befindliche Bundesgesetz zur Forschung am Menschen?
  • Welche Empfehlungen lassen sich für die Schweiz ableiten, um die Potenziale der bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung zu realisieren, Risiken zu begrenzen und unerwünschte Folgewirkungen zu vermeiden?
Status:
Abgeschlossenes Projekt (August 2004 – Februar 2006)

Auftraggeber:
Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung beim Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat TA-SWISS

Partner:
Publikationen:
Bärbel Hüsing, Lutz Jäncke, Brigitte Tag (2006): Impact Assessment of Neuroimaging. Zürich: vdf Hochschulverlag; Amsterdam: IOS Press

Rezension: Technikfolgenabschätzung - Theorie und Praxis Nr. 3, 15. Jg., Dez. 2006, S. 87-90

Hüsing, B. (2008): Technology Assessment of Neuroimaging: Sex and Gender Perspectives In: Karafyllis, N.C.; Ulshöfer, G. (Hrsg.): Sexualized Brains. Scientific Modeling of Emotional Intelligence from a Cultural Perspective. Cambridge (MA), London (UK): The MIT Press, S. 103-116.