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Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Energiemanagement und Weiterbildung fördern Energieeffizienz in Unternehmen

Presseinformation 02.05.2017

Energieeffizienz ist für Unternehmen ein wichtiges Thema, weil sie dadurch Energiekosten einsparen und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Wie die neue Ausgabe der Mitteilungen aus der Erhebung Modernisierung der Produktion des Fraunhofer ISI zeigt, gibt es bei der Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen jedoch große Unterschiede zwischen Betrieben und Industriebranchen. Qualifikationsangebote und Energiemanagementsysteme helfen der Studie zufolge Unternehmen, Einsparpotenziale zu erkennen.

Der Energieverbrauch der industriellen Produktion beträgt etwa ein Viertel des gesamten Energiebedarfs in Deutschland, weshalb die Einsparung und der effiziente Einsatz von Energie hier besonders ins Gewicht fallen. Dies gilt zum einen aus gesamtgesellschaftlicher Sicht, da Energieeffizienz mithelfen kann, die langfristigen Energie- und Klimaziele Deutschlands zu erreichen. Andererseits ziehen weitreichende Energieeffizienzmaßnahmen auch niedrigere Energiekosten von Unternehmen nach sich, was ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig nachhaltig stärkt.

Doch wo stehen deutsche Unternehmen bei der technischen Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen? Welche Unterschiede gibt es dabei und wo können Betriebe ansetzen, um ihre Energieeffizienz weiter zu steigern? Mit diesen Fragen setzt sich die Ausgabe 70 der Mitteilungen aus der Erhebung Modernisierung der Produktion mit dem Titel "Energieeffizienz im Betriebsalltag" auseinander. Dabei wird auch der Einsatz von Energiemanagementsystemen und die Rolle von Qualifikationsmaßnahmen für die Nutzung von Energieeffizienztechnologien und -strategien in Unternehmen thematisiert.

Unternehmen mit hohem Energieverbrauch setzen stärker auf Energieeffizienz

Eine erste Erkenntnis ist dabei, dass einfach umzusetzende Energieeffizienzstrategien bereits von relativ vielen Unternehmen angewandt werden: So geben 72 Prozent der befragten Betriebe an, auf Maßnahmen wie Abschalten von Maschinen oder Anlagen bei Nichtnutzung zu setzen. Steigen allerdings Komplexität und Kosten von Energieeffizienzlösungen, wirkt sich dies auch auf deren Umsetzung aus. Während etwa 58 Prozent von größeren Unternehmen mit über 250 Beschäftigten Technologien zur Energierückgewinnung einsetzen, liegt diese Zahl für kleine Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten bei lediglich 26 Prozent. Auch intelligente Steuerungs- und Regelungssysteme für eine energieoptimierte Prozessführung sowie Kontrollsysteme zur automatischen Abschaltung von Maschinen werden von einem deutlich größeren Anteil der Großbetriebe eingesetzt.

Angela Jäger, Mitautorin der neuen Mitteilung und Koordinatorin der Erhebung Modernisierung der Produktion am Fraunhofer ISI, weist dabei auch auf den Zusammenhang zwischen Energieverbrauch von Unternehmen und der Wahl von Energieeffizienzlösungen hin: "Die Zahlen aus unserer Erhebung zeigen, dass Betriebe aus energieintensiveren Branchen wie der Glas- und Keramikindustrie, der Chemieindustrie oder der Metallerzeugung mit einem hohen Energieverbrauch häufiger teure und komplexe Energieeffizienzlösungen umsetzen als nicht-energieintensive Betriebe mit einem niedrigen Energieverbrauch." Weiterhin wirken sich laut Jäger auch die Produktionsauslegung sowie die eingesetzten Produktions­technologien auf die jeweils ausgewählten Energieeffizienzlösungen aus.

Energieeinsparpotenziale in Unternehmen lassen sich am besten durch Energiemanagement und qualifizierte Mitarbeiter erkennen

Dr. Clemens Rohde, der am Fraunhofer ISI zum Thema Energieeffizienz forscht, verweist darauf, dass Unternehmen vor der Einführung von Energieeffizienzmaßnahmen zunächst einmal das zu realisierende Einsparpotenzial erkennen müssen: "Mögliche Effizienzpotenziale lassen sich etwa über Energiemanagementsysteme aufzeigen, die Energieströme in Unternehmen systematisch erfassen." Die Erhebung zeigt, dass immer mehr Unternehmen auf solche Managementsysteme setzen: Lag deren Nutzung im Jahre 2012 noch bei durchschnittlich 5 Prozent, stieg sie bis 2015 auf 21 Prozent an. Energiemanagementsysteme finden jedoch nicht allein in großen, sondern zusehends auch in mittleren und kleinen Unternehmen Verwendung. Die Ergebnisse unterstreichen, dass ihr Einsatz in Unternehmen auch mit einer häufigeren Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen – und dabei insbesondere komplexeren Lösungen – einhergeht: So nutzen etwa Betriebe mit Managementsystemen (63%) Technologien zur Energierückgewinnung zweimal häufiger als Betriebe ohne diese Systeme (33%).

Neben technischen Lösungen hilft aber auch der Zugang zu Qualifikation und neuem Wissen, um Veränderungen im Betrieb anzustoßen, Einsparpotenziale zu erkennen und Effizienzmaßnahmen effektiv zu nutzen. Ermöglichen Unternehmen etwa informelle Lernmöglichkeiten durch arbeitsbegleitende Maßnahmen oder formelle Qualifikationen wie den Besuch von IHK-Veranstaltungen, setzen sie auch häufiger technische Effizienzlösungen ein. Dies zeigt sich ganz klar bei Strategien wie dem Abschalten von Maschinen bei Nichtnutzung, der Nachrüstung von energieeffizienten Bauteilen oder dem vorzeitigen Ersatz von Maschinen. Qualifikationsangebote können damit die Umsetzung von energieeffizienten Lösungen und Strategien in Unternehmen maßgeblich fördern.

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Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

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