Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Stärkung innovativer Strukturen in der vietnamesischen Industrie - das Beispiel der Elektrotechnik/Elektronik

Das Projekt ist ein Vorbereitungsprojekt zum Verfassen eines vollen Projektantrages in Kooperation mit einem vietnamesischen Partner. Dazu werden die Reisekosten für zwei wechselseitige Besuche finanziert.

Im folgenden ist eine Kurzbeschreibung des beabsichtigten Projektes dokumentiert:

In Vietnam ist seit Beginn der 1990er Jahre ein erhebliches Wirtschaftswachstum zu beobachten, wobei in den letzten Jahre jährliche Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes von rund 8 Prozent erreicht wurden. Das Land schließt damit immer mehr zu den Schwellenländern auf und ist damit auch ein interessanter Partner für Deutschland. Eine wichtige Frage ist dabei, mit welchen inhaltlichen Schwerpunkten ein weiterhin stabiles und nachhaltiges Wachstum erreicht werden kann und welchen Beitrag dabei wissenschaftliche Einrichtungen, insbesondere Universitäten, leisten können.

In der VISION-Studie "Vietnam's Evaluation of the Science and Technology System. National S&T-Performance and International Benchmarking based on R&D Indicators (Kohl/Boobalan/Harrie 2005)" im Auftrag des BMBF wird dem Land im Vergleich zu anderen südostasiatischen Ländern eine gute Infrastruktur bescheinigt, allerdings ist das Niveau von Forschung und Entwicklung mit 0,3 Prozent des BSP (2002) relativ niedrig, was eine Orientierung der Wirtschaft auf weniger forschungsintensive Sektoren spiegelt.[1] Vor diesem Hintergrund listen die Autoren der Studie zusammenfassend kritisch die folgenden Punkte auf:

  • "Very little interaction among various actors (private and public enterprises, higher educational institutions, government agencies, research institutions)
  • Weak institutional framework
  • Lack of motivation for innovation". (ebenda 13)

Die vietnamesische Regierung verfolgt mit einer Schwerpunktsetzung auf Informationstechnik, Biotechnologie, Neue Materialien und Automatisierung ehrgeizige Ziele, die sich am Vorbild von Ländern wir Südkorea, Singapur oder Taiwan orientieren, die mit einer solchen Hochtechnologie-Strategie äußerst erfolgreich waren. Mittelfristig sind diese Ziele vielversprechend, doch es stellt sich die Frage, wie sie ausgehend von den existierenden Strukturen erreicht werden können.

Um die allgemeinen Diagnosen der VISION-Studie zu konkretisieren und daraus Ansatzpunkte für eine Stärkung der Innovationsorientierung in Vietnam entwickeln zu können, beabsichtigen die Antragsteller, eine genauere Analyse der Situation exemplarisch in der elektrotechnischen/elektronischen Industrie in Vietnam durchzuführen, da diese eine wesentliche Basis für die Bereiche der Informationstechnik und die Automatisierung ist. Dabei geht es neben den Strukturen in der Industrie auch um die Beiträge von Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.

Die wichtigsten Industriesektoren in Vietnam sind aktuell noch Lebensmittelverarbeitung, Textil und Bekleidung sowie andere weniger forschungsintensive Basisindustrien wie Baustoffe, Düngemittel, Glas, Gummi, Stahl oder Papier. Die Elektrotechnik/Elektronik ist bislang noch schwach vertreten, leistet jedoch in Feldern wie Computer Hard- und Software, Konsumelektronik, Elektrische Ausrüstungen oder Telekommunikation bereits aktuell relevante Beiträge zum Export.[2]

Vorgesehen ist, die industriellen Strukturen in der Elektrotechnik/Elektronik aus statistischer Sicht genauer zu analysieren sowie in ausgewählten Unternehmen Fallstudien durchzuführen, um hier die Strukturen bei Produktion und Nachfrage besser zu verstehen. Wesentliche Gesichtspunkte werden dabei das technische Niveau von Produktion und Produkten, Informationsquellen für Technologie sowie die Qualifikationsstruktur der Beschäftigten sein. Dabei wird nach der Rolle von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen mit universitärer Ausbildung wie auch die Bedeutung von solchen mit beruflicher Ausbildung (Facharbeiter, Meister …) gefragt werden. Nach dem jetzigen Kenntnisstand werden sich die Arbeiten vorwiegend auf weniger forschungsintensive Sektoren richten, bei denen allerdings Innovationen ebenfalls von hoher Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit sind und deren Unternehmen in Richtung auf forschungsintensivere Produkte weiter entwickelt werden können, wie das Beispiel Nokia gut illustriert.[3]

Ein weiter Aspekt ist, ob die Universitäten bei ihrer Ausbildung die Abgänger bereitstellen, die für die Unternehmen des Landes relevant sind, was sowohl für die Quantität und Qualität als auch die inhaltliche Orientierung gilt. Weiterhin soll untersucht werden, ob die Universitäten mit ihrer Forschung inhaltliche Beiträge zur Arbeit der Unternehmen leisten, etwa bei der Entwicklung innovativer Produkte oder bei der Information über internationale Neuheiten.

Geplant ist auch, die statistischen Untersuchungen und Fallstudien bei vergleichbaren Teilsektoren der Elektrotechnik in Deutschland zu spiegeln, um daraus Anregungen für Vietnam zu erhalten, eventuell auch für Deutschland - etwa in Bezug auf Kooperationen.

Bei dem Team werden Kompetenzen aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft, Ingenieurswissenschaften und Soziologie zusammengeführt, um die Fragestellung adäquat bearbeiten zu können. Insbesondere sind an der Durchführung der Fallstudien ein FH-Professor der Elektrotechnik sowie ein Ingenieur der Elektrotechnik, jeweils mit langjähriger Unternehmenserfahrung, beteiligt.

Als Ergebnis sollen konkrete Empfehlungen erarbeitet werden, wo Ansatzpunkte zur Stärkung innovativer Strukturen der elektrotechnischen Industrie in Vietnam auf Seiten der Unternehmen und auf Seiten der Universitäten liegen."

[1] Kohl, H.; Boobalan, T.S.; Harrie, G. (2005): Vietnam's Evaluation of the Science and Technology System. National S&T-Performance and International Benchmarking based on R&D Indicators, report to the German Federal Ministry for Education and Research (BMBF). Berlin: Fraunhofer IPK.

[2] General Department of Statistics (Hanoi), Custom Office (Hanoi), Ministry of Trade and Industry (Hanoi).

[3] Nokia produzierte noch Anfang der 1990er Jahre vornehmlich einfache Gebrauchsgüter wie Gummistiefel oder Radmäntel für Rollstühle und stieg nach einem Strategiewechsel innerhalb weniger Jahre zu einem weltweit führenden Unternehmen der Telekommunikation auf. 

Status:
laufendes Projekt (12.2009-06.2010)

Auftraggeber:
Bundesministerium für Bildung und Forschung / Internationales Büro

Partner:
FH Karlsruhe, NISTPASS Hanoi