Projekt

Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI

Evaluierung des Programmstarts und der Durchführung des "Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM)"

Im "Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)" fasst das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) seit dem 1.7.2008 die bisherigen Förderprogramme für Innovationen im Mittelstand zusammen. Dabei wurden bewährte Programmteile der Vorläuferprogramme inhaltlich überwiegend unverändert fortgeführt und um neue Elemente ergänzt. Eine sehr deutliche Erweiterung erfolgte ab Anfang 2009 zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. Das zweite Konjunkturförderpaket, das von der Koalition im Januar 2009 beschlossen wurde, beinhaltet eine Ausdehnung der einzelbetrieblichen Förderung auf ganz Deutschland und eine Erweiterung der gesamten ZIM-Förderung auf größere Unternehmen bis zu 1.000 Mitarbeiter. Gleichzeitig wurden die Programmmittel um insgesamt 900 Mio. € für zwei Jahre aufgestockt. Damit ist ZIM ein wesentliches Element zur Unternehmensförderung im Konjunkturpaket II, um die Wirtschaftskrise zu bekämpfen.

Zielsetzung

Die Evaluation des Programmstarts und der Durchführung von ZIM hat folgende zentralen Fragestellungen detailliert analysiert:

  • Wirksamkeit der Zusammenlegung der Vorläuferprogramme zu einem Programm und die vorgenommenen Modifizierungen der Förderung

  • Einschätzung des Programmanlaufs und der Öffentlichkeitsarbeit

  • Bewertung der administrativen Programmabwicklung und des Zusammenwirkens der drei Projektträger

  • Betrachtung der in den Förderanträgen ausgewiesenen wirtschaftlichen Zielstellung der Unternehmen und Konzepte für die Erfolgskontrolle

  • Erarbeitung von Vorschlägen zur Effizienzerhöhung der Förderung, die in die weitere Programmdurchführung einfließen könnten.

Mit der Ausweitung des Kreises an zuwendungsfähigen Unternehmen und dem vorrangigen Ziel, durch vermehrte Innovationsanstrengungen die Folgen der Wirtschaftskrise für die mittelständischen und größere Unternehmen abzufedern, kamen folgende Untersuchungsfelder des Dienstleistungsauftrags hinzu:

  • Erreichung der neuen Zielgruppe

  • Verbesserte Zusammenarbeit Wirtschaft/Forschung

  • Programmgestaltung und -ausrichtung, Interesse und Bedarf bei den Unternehmen

  • alternative/konkurrierende Fördermöglichkeiten bei den Bundesländern

  • Beitrag der Förderung zur Konjunkturstabilisierung (angestoßenes Projektvolumen, Beschäftigungseffekt).

Methoden

Der Evaluationsansatz beinhaltete einerseits einen Mix verschiedener Methoden (desk research: Literaturauswertungen, Analyse von Programmkenndaten; schriftliche Befragungen mit quantitativen und qualitativen Indikatoren/Fragen, halbstandardisierte Experteninterviews) und andererseits einen Mix verschiedener Prozessbeteiligter im Sinne einer Mehrsichten-Betrachtung (KMU und Forschungseinrichtungen als Fördernehmer; Fördermittelberater, Wirtschaftsförderer und Unternehmensberater (öffentliche/private) und Interessenvertreter des Mittelstandes als Multiplikatoren).

Hinsichtlich der Programmmodifikationen gegenüber den vier Vorläuferprogrammen erfolgte eine Veränderungsbetrachtung, bezogen auf die neu eingeführten Förderelemente eine Programmansatzevaluation und zum Programmvollzug eine Prozessevaluation. Weiterhin wurde eine (projizierende) Wirkungsanalyse durchgeführt, d.h. bereits in einem frühen Stadium des Förderzeitraums analysiert, welche Wirkungen die ZIM-Förderung bei den geförderten Unternehmen hinsichtlich des Beitrags der Förderung zur Konjunkturstabilisierung (angestoßenes Projektvolumen, Beschäftigungseffekt) und für eine verbesserte Zusammenarbeit von Wirtschaft und Forschung haben dürfte. Die Untersuchung beinhaltete ferner eine Analyse zur Zielgruppenerreichung und eine Darstellung zur Positionierung von ZIM (neu) im Förderangebot der Länder und des Bundes.

Um die mit den Zielen der Studie verknüpften Fragestellungen fundiert beantworten zu können, wurden folgende Arbeitsschritte unternommen:

  • Auswertung der Programmkenndaten und Analyse der Zielgruppenerreichung

  • Online-Befragung der Fördernehmer (KMU, Forschungseinrichtungen) zur Wirksamkeit der Zusammenlegung der Vorläuferprogramme zu einem Programm und zu den Modifizierungen der Förderung sowie zur Bewertung der administrativen Programmabwicklung

  • Online-Befragung der neuen Zielgruppe von ZIM (Unternehmen mit zw. 250 und 1.000 Beschäftigte) zu den Wirkungen der Förderung, der Passfähigkeit der Programmgestaltung und -ausrichtung, den Interessen und dem Bedarf bei den Unternehmen sowie hinsichtlich einer verbesserten Zusammenarbeit Wirtschaft/Forschung

  • Telefonische Befragung von Multiplikatoren, ebenfalls zur Wirksamkeit der Zusammenlegung und den Modifizierungen der Förderung, zur Einschätzung des Programmanlaufs und der Öffentlichkeitsarbeit, zur Bewertung der administrativen Programmabwicklung und des Zusammenwirkens der drei Projektträger sowie zur Erarbeitung von Vorschlägen zur Effizienzerhöhung der Förderung

  • Befragung von nicht geförderten Unternehmen, sowohl bezogen auf KMU wie auch größere Unternehmen

  • Auswertung von Förderakten zur Betrachtung der in den Förderanträgen ausgewiesenen wirtschaftlichen Zielstellung der Unternehmen und Konzepte für die Erfolgskontrolle; Gespräche mit den Projektträgern

Ergebnisse

  • ZIM traf auf eine sehr hohe Nachfrage und weist ein erhebliches Fördervolumen für KMU auf. Bis zum 30.6.2010 wurden 13.899 Anträge auf Förderung gestellt, die zu 8.795 Bewilligungen über eine Summe von 1,11 Mrd. € führten. Ferner zeichnet sich ZIM durch eine relativ hohe Zusagewahrscheinlichkeit von rund 75 % aus.

  • Das Programm hat einen Verbreitungsgrad bei KMU wie kein anderes mittelstandsorientiertes FuE-Förderprogramm in den letzten 30 Jahren.

  • Die bundesweite Öffnung des ZIM für einzelbetriebliche FuE-Projekte stieß in Westdeutschland auf große Resonanz und schloss damit offenkundig eine Förderlücke. Sie bewirkte aber keine Verdrängung von Forschungskooperationen, denn von der Ausweitung des Programmvolumens Anfang 2009 profitierten vor allem Forschungskooperationen. Deren Anzahl verdreifachte sich fast seit 2008. Je kleiner die KMU sind, desto häufiger gehen sie Kooperationen mit anderen Unternehmen ein, größere kooperieren stärker mit Forschungseinrichtungen.

  • Forschungseinrichtungen wirken in großer Zahl in ZIM-Projekten mit. Somit trägt ZIM zu einer stärkeren Verzahnung von KMU und Wissenschaft bei. Mit einem Anteil von 63,2% an den bewilligten Vorhaben sind Universitäten und Fachhochschulen bevorzugte Forschungspartner der KMU. In vielen Fällen wurden dabei neue Kooperationen begründet.

  • Das ZIM-NEMO-Angebot zur Vernetzung innovativer KMU untereinander und mit Forschungseinrichtungen wird in Westdeutschland zunehmend genutzt. Die aktuell 98 Projekte weisen mehr als 1.000 Partner auf.

  • Knapp die Hälfte der Fördersumme im ZIM fließt nach Baden-Wür-ttemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Ostdeutschland profitiert auch nach der Öffnung von ZIM-SOLO für westdeutsche KMU weiterhin gemessen an seiner Wirtschaftskraft überproportional vom ZIM.

  • ZIM fördert in besonderem Maße Kleinunternehmen (10 bis 50 Beschäftigte), aber auch Kleinstunternehmen (bis 10 Beschäftigte). Sie erhalten rd. 75% der unternehmensbezogenen Fördermittel.

  • Es konnte bei KMU in deutlichem Umfang (etwa 53% der Befragungsteilnehmer) neue Klientel erschließen, die keine Förderung aus den Vorläuferprogrammen (PRO INNO (II), INNO-WATT, InnoNet) aufwiesen. 

  • Die Technologieoffenheit – von Unternehmensseite schon oft als besondere Stärke betont – schlägt sich in einem breiten Spektrum von Technologiefeldern der geförderten Innovationsvorhaben nieder. 

  • Insgesamt wird die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit beim ZIM positiv bewertet, auch von nicht geförderten Unternehmen und Multiplikatoren. Ein Teil der KMU wünscht sich ausführlichere Informationen über Fördermöglichkeiten durch Beispiele zur Antragstellung. Der Bekanntheitsgrad ist bei Unter¬nehmen in Westdeutschland noch nicht so hoch wie in Ostdeutschland. 

  • Die Programmmodifikationen im Übergang zum ZIM bewerten die Fördernehmer überwiegend positiv, insbesondere die Verbesserung der finanziellen Konditionen und die Ausweitung von ZIM-SOLO auf Westdeutschland. Die Multiplikatoren betonen zusätzlich die Vereinheitlichung von Programmkonditionen, Antragstellung und Abrechnung.

  • Mit häufig rund 10 Tagen ist der Beantragungsaufwand für Unternehmen überschaubar. Er wird von der sehr großen Mehrheit als vertretbar, zum Teil auch für niedrig bewertet. Gerade KMU konstatieren eine gute Passfähigkeit des Verfahrens zu den internen Gegebenheiten. Eine kleine Gruppe von Forschungseinrichtungen ist hier kritischer. Zwei Drittel der KMU wurden von privaten Beratern, Multiplikatoren und/oder Projektpartnern bei der Beantragung der Fördermittel unterstützt und schätzen deren Beiträge (durchschnittlich 3 zusätzliche Tagwerke). 

  • Die Arbeit der drei Projektträger wird von den Programmnutzern durchgängig recht gut bewertet, vor allem das Verständnis des Vorhabensziels und der geplanten Vorgehensweise sowie die Schnelligkeit der Auszahlungen. 

  • ZIM-Projekte wurden 2009 zur Verbesserung der Marktstellung und Erweiterung des Leistungsangebots beantragt. Es zeigt sich eine hohe Relevanz zur Sicherung von Arbeitsplätzen. Die meisten Projekte waren mittelfristig angedacht (d.h. die Idee entstand schon vor der Wirtschaftskrise) und nur ein kleiner Teil unmittelbar durch die Krise ausgelöst.

  • Zwei Drittel der KMU haben gleich beim ZIM einen Antrag gestellt und die Nutzung von Förderalternativen gar nicht erst erwogen. Bei den übrigen waren für ZIM nicht die Programmkonditionen, sondern das Antrags- und Abwicklungsverfahren ausschlaggebend.

Publikation

Kulicke, M./Hufnagl, M./Brandt, T./Becker, C./Berteit, H./Grebe, T./Kirbach, M./Lübbers, T. (2010): Evaluierung des Programmstarts und der Durchführung des "Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM)". Karlsruhe, Berlin: Fraunhofer ISI, Gesellschaft für Innovationsforschung und Beratung mbH.

Status

abgeschlossen (4.2009-6.2010)

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